Brennstoff- und CO2-Preisprojektionen des World Energy Outlook stützen steigende Strompreiserwartung

15.11.18 | Wirtschaft

Anfang der Woche wurde der diesjährige World Energy Outlook (WEO) der Internationalen Energieagentur veröffentlicht. Darin werden verschiedene Zukunftsperspektiven der Energiemärkte - in diesem Jahr mit besonderem Fokus auf der Stromwirtschaft - anhand von Szenarien aufgezeigt. Im Zentrum steht traditionell das sogenannte „New Policies Scenario“, welches angekündigte Politikmaßnahmen und -ziele in die langfristigen Marktprognosen einbezieht.

Die in diesem Szenario unterstellten Brennstoff- und CO2-Preispfade sind für eine Vielzahl energiewirtschaftlicher Studien und Szenariobetrachtungen wesentlicher und anerkannter Benchmark. Allerdings fehlt es in der Publikation an Prognosen zur Entwicklung länderspezifischer Strompreise.

Basierend auf den Commodity-Annahmen des WEO „New Policies Scenario“, haben die Energieökonomen der enervis energy advisors GmbH mit dem unternehmenseigenen europäischen Strommarktmodell eine entsprechende Strompreisentwicklung prognostiziert. Ergänzt um weitere aktuelle Annahmen wurden die Rahmendaten des WEO-Szenarios in Strompreisprojektionen übersetzt.

„Unsere Modellierungen zeigen, dass das Strompreisniveau in Deutschland in den nächsten Jahren mit hoher Wahrscheinlichkeit weiter steigen wird. Preistreibend wirken - neben den aus dem WEO unterstellten steigenden Brennstoff- und CO2-Preisannahmen - insbesondere strukturelle Entwicklungen. Ein absehbarer Ausstieg aus der Kohleverstromung bis Ende der 2030er Jahre im Verbund mit der Stilllegung der letzten Kernkraftwerke Ende 2022 zementiert den fundamentalen Trend zu steigenden Strompreisen.“ so Mirko Schlossarczyk von enervis.

Der Basepreis wird 2025 bei etwas über 60 €/MWh gesehen und auch in den Folgejahren leicht steigend prognostiziert. Allerdings kann der, im Hinblick auf das 65%-Ziel, weitere kontinuierliche Ausbau Erneuerbarer Energien, finanziert nicht mehr nur allein in einem Vergütungssystem à la EEG sondern auch außerhalb eines Förderregimes, spürbar preisregulierend wirken. Für die nachfolgenden Jahre bis 2040 sehen die enervis-Experten in dem betrachteten Szenario daher den Basepreis in einem Korridor von 60 bis 65 €/MWh.

Allerdings sollte diese Entwicklung nicht darüber hinwegtäuschen, dass, unter dem heute absehbaren Strommarktdesign, die unterjährige Volatilität der Stundenstrompreise ab etwa Anfang der 2020er Jahre deutlich zunehmen kann. Die meteorologischen Abhängigkeiten werden bei wachsenden Wind- und Solarkapazitäten steigen und flankierend führt ein deutlicher Kapazitätsrückgang bei Kohle- und Kernkraftwerken zu geringerer gesicherter Kraftwerksleistung.

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