Global denken – lokal handeln

China treibt Energiewende weiter energisch an

08.05.17 |

China ist weltweit der größte Investor in erneuerbare Energien. Gigantische Parks mit Photovoltaikanlagen, Wasserkraftwerken und Windkrafträdern sollen die Abhängigkeit der riesigen Volksrepublik China von der Kohleindustrie lösen. Experten für Klimawandel und Energiewende sind aufgrund der unerwartet starken und schnellen Erfolge Chinas positiv überrascht. Grund zur Sorge entsteht jedoch durch die konfusen Aussagen des neuen US-Präsidenten Donald Trump.

Der größte Kohle-Konsument der Welt, China, treibt die Energiewende im eigenen Land überraschend schnell voran.

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Global denken – lokal handeln

Das vom Klimawandel stark bedrohte und durch Treibhausgase verursachte klimatische Ungleichgewicht auf der Erde macht eine globale Energiewende unumgänglich. Europäische Länder wie Dänemark, Niederlande, aber auch Deutschland treiben den Ausbau erneuerbarer Energien voran und setzen auf einen zeitlich fest getakteten Energiewandel, sowohl in der Industrie als auch in den Privathaushalten.

Denn auch Privatleute können sich an diesem Wandel beteiligen. Die Höhe der monatlichen Kosten für Strom im eigenen Haushalt ist bei den wenigsten Verbrauchern bekannt. Nahezu sämtliche Stromkonsumenten besitzen Einsparungspotenzial. Ein dreistufiger Tarifwecker von stromvergleich.de soll Privatleute daran erinnern, den Stromanbieterwechsel in Betracht zu ziehen oder die Tarife wieder zu vergleichen.

Chinas Abkehr von der Kohleindustrie

Doch die stetig fortschreitende Energiewende scheint im Vergleich zur Volksrepublik China fast unbedeutend. Selbst Experten aus den Bereichen Ökostrom, Klimawandel und Energiewende sind überrascht von der Geschwindigkeit, die China in Sachen Umrüstung auf erneuerbare Energien vorlegt. Das asiatische Land hat mittlerweile die Rolle des globalen Vorreiters bei der Energiewende angenommen.

Die Gründe für den rasanten und mit unheimlich hohen finanziellen Mitteln (2016 wurden durch chinesische Großkonzerne über 32 Mrd. Dollar im Ausland in Unternehmen und Projekte aus dem Erneuerbare-Energien-Sektor investiert) vorangetriebenen Wandel sind leicht gefunden:

  • China möchte trotz seines enormen Energiebedarfs schnellstmöglich seine Abhängigkeit von der Kohleindustrie lösen
  • Die extreme Smog-Belastung in den chinesischen Großstädten soll bekämpft werden
  • Millionen von Arbeitsplätzen werden geschaffen
  • Wirtschaftswachstum soll durch Weltmarktführerschaft im Sektor Energiewende entstehen

Jost Wübbeke, Abteilungsleiter Wirtschaft und Technologie am Berliner Mercator Institut für China-Studien (MERICS), sagte zu den Zielen Chinas: „China etabliert die Umweltindustrie als Schlüsselbranche des Wirtschaftswachstums“. Laut der Internationalen Energieagentur seien schon jetzt 3,5 Millionen der weltweiten 8,1 Millionen Arbeitsplätze im Bereich erneuerbare Energien in China angesiedelt.

Investitionen der chinesischen Großkonzerne sowie starke Subventionen der chinesischen Regierung haben bereits chinesischen Firmen in den Bereichen der Herstellung von Solarmodulen und Windanlagen zu Weltmarktführern verholfen. Der Markt der Elektroautos ist einer der nächsten angepeilten Bereiche, in denen China das Oberwasser gewinnen will.

Daten belegen die Ausrichtung

Die neusten Daten vom Umweltministerium aus der chinesischen Hauptstadt Peking untermauern die offenkundigen Ambitionen der Volksrepublik. Zwar ist China immer noch aufgrund des enormen Energiebedarfs der größte Konsument von Kohle weltweit, doch bereits drei Jahre in Folge konnte der Verbrauch stetig gesenkt werden. Allein im letzten Jahr wurde der Verbrauch um 4,7 Prozent reduziert.

Die Zahlen werden bei absoluten Vergleichen erst offensichtlich. Die eingesparte Menge des schwarzen Brennstoffes allein im vergangenen Jahr entspricht einem Vielfachen des gesamten Kohlebedarfs von Großbritannien. China setzt auch weiterhin auf den Wechsel zu Windkraft, Solarenergie und Wasserkraft bei der Energieerzeugung. Allerdings werden für den gigantischen Energieverbrauch auch die Atomkraft und Erdgas benötigt.

Der Gesamtanteil vom Kohleverbrauch konnte durch die vorangetriebene Energiewende in China von 64 auf 62 Prozent gesenkt werden. Fertige Pläne für rund 100 neue Kohlekraftwerke werden verworfen und selbst bereits gestartete Bauarbeiten von neuen Kohlekraftwerken gestoppt, denn die Auslastung der Kraftwerke ist von noch 79 Prozent vor fünf Jahren auf nur noch 47,5 Prozent gesunken.

Die dem Klimawandel extrem positiv gegenüber tretende Entwicklung überrascht selbst die Experten aus den entsprechenden Fachbereichen. Schließlich prophezeite die Internationale Energie-Agentur erst vor zwei Jahren, dass Chinas Kohleverbrauch mindestens bis zum Jahre 2030 uneingeschränkt steigen würde. Umso überraschender ist das enorme Tempo, welches die Volksrepublik China bei der Energiewende vorlegt.

 

So setzt sich die Stromerzeugung in Deutschland zusammen. Infografikquelle: eigene Darstellung


Entwicklung verändert die Ausrichtung

Die Verminderung des Kohleverbrauchs dient ebenfalls einem erheblich geringeren Kohlendioxid-Ausstoß der Volksrepublik. Seit vier Jahren kann China hier bereits von rückläufigen Zahlen berichten. Auch in diesem Jahr werde laut dem Umweltministerium mit einem Rückgang von einem weiteren Prozent gerechnet - und das trotz stetig wachsendem Energiebedarf.

Allein im Stromsektor ist der Bedarf um gewaltige fünf Prozent gestiegen. Jedoch wird der Strom nicht durch zunehmende Kohleverbrennung generiert, sondern aus regenerativen Energien erzeugt. Diese Energien konnten ihren Gesamtanteil an der Energieerzeugung im letzten Jahr um knapp 2 Prozentpunkte auf 19,7 Prozent steigern.

Ein Großteil der erzeugten sauberen Energie stammt aus gigantischen Wasserkraftwerken. Aber auch die Sektoren Windkraft und speziell Solarenergie konnten sich bedeutend erweitern. Hier verdeutlichen Vergleichszahlen erneut die Ausmaße: Während in Deutschland im letzten Jahr Photovoltaikanlagen mit einer Spitzen-Leistung von etwa 1,5 Gigawatt neu an das Stromnetz hinzugeschaltet wurden, sind es in China Solaranlagen mit rund 35 Gigawatt gewesen. Diese Energieerzeugung entspricht einer Leistung von ca. 25 Atomkraftwerken.

„Die Aussichten, den Klimawandel unter Kontrolle zu bringen, wurden durch Chinas rasant fallende Kohlendioxid-Emissionen komplett revolutioniert“, bewertete der Kohleexperte Lauri Myllyvirta von Greenpeace. Hinzu kämen ja noch die ebenfalls sinkenden Treibhausgase beim zweitgrößten Emittenten, den USA. Einige Aussagen des neuen amerikanischen Präsidenten Donald Trumps gefährden jedoch die Hoffnungen auf eine schnelle und vollständige Energiewende.

Trumps Versprechen gefährden Energiewende

Von einer Entwarnung für das bedrohte Weltklima kann allerdings nicht gesprochen werden, angesichts von Trumps Aussagen wie „Das Klimaabkommen von Paris ist unfair.“ oder „Der Klimawandel ist eine Erfindung der Chinesen. Sie wollen damit die US-amerikanische Industrie schwächen.“

Zudem hatte Donald Trump im Wahlkampf seinen Unterstützern versprochen, die Kohleindustrie wiederzubeleben. Ein eher unrealistisches Versprechen, betrachtet man die Markt- und Preispolitik in den Vereinigten Staaten, wo mittlerweile Strom aus Gaskraftwerken, aber auch aus erneuerbaren Energien häufig zu günstigeren Preisen angeboten wird als Strom aus Kohlekraftwerken.

Quelle: Patrick Stolp

Keywords:Photovoltaikanlagen, erneuerbare Energien, China, Energiewende, Klimawandel, Deutschland, Donald Trump, Kohleindustrie, Windkraft, Solarenergie

Thema: Energiewirtschaft, Energiepolitik

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