Negative Strompreise an Weihnachten wahrscheinlich

19.12.18 | Politik

Man braucht kein Prophet zu sein, um das Auftreten negativer Stundenstrompreise in der kommenden Weihnachtswoche vorherzusehen. Eine Analyse der historischen Strommarktnotierungen der letzten 10 Jahre zeigt: Zwischen dem 24.12. und dem 26.12. traten regelmäßig negative Stundenstrompreise auf. Der Wirkmechanismus dahinter ist stets ähnlich. Eine sehr geringe Stromnachfrage an den Feiertagen trifft auf eine verhältnismäßig hohe Windeinspeisung. Negative Stundenstrompreise resultieren dann unter anderem aus der Inflexibilität im konventionellen Kraftwerkspark.

Das kurzfristige und temporäre Herunterfahren von Grundlastkraftwerken verursacht Kosten. Ein zeitweiliger Weiterbetrieb zu negativen Strompreisen ist dann oft wirtschaftlich rationaler. Insbesondere KWK-Anlagen müssen zudem Wärme bereitstellen und können ihre Leistung daher nur wenig bzw. gar nicht drosseln. Für viele Windenergieanlagen hingegen ist der Anreiz abzuregeln - aufgrund der Vergütung nach dem Marktprämienmodell - gering. Eine Reaktion erfolgt in der Regel erst bei stark negativen Preisen.

Folgt auch die Weihnachtswoche 2018 diesem Muster?

Basierend auf aktuellen Strommarktdaten, Prognosen zur Stromnachfrageentwicklung sowie Annahmen zur Windeinspeisung in der kommenden Woche, haben die Energieökonomen der enervis energy advisors GmbH mit dem unternehmenseigenen europäischen Strommarktmodell eine stundenscharfe Strompreisentwicklung für die kommenden Tage prognostiziert.

„Unsere Modellierungen zeigen, dass insbesondere in den Tagen um den 24.12. herum negative Strompreise auf Stundenbasis wahrscheinlich sind. Trifft eine vergleichsweise geringe Stromnachfrage am Wochenende vor Heiligabend und an den unmittelbar folgenden Feiertagen auf eine Windeinspeisung und Witterung, wie sie zu dieser Jahreszeit durchschnittlich in den vergangenen Jahren aufgetreten ist, erscheint es sehr gut möglich, dass wir im Zeitraum vom 23.12. bis zum 26.12. in einzelnen Zeitfenstern negative Stundenstrompreise sehen werden.“ so Mirko Schlossarczyk von enervis.

Allerdings sollte diese Prognose nicht darüber hinwegtäuschen, dass eine verlässliche und seriöse Windeinspeiseprognose für das Wochenende und die folgenden Feiertage erst kurzfristig vorher möglich ist.

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