Energiewirtschaft im Umschwung:

Studie prognostiziert Zuwachs bei Energieversorgungsunternehmen

15.08.18 | Wirtschaft

Obwohl die Stromabnahme seit Jahren konstant geblieben ist, erlebt Deutschland einen anhaltenden Zuwachs von Energieversorgungsunternehmen (EVU). Um mehr als 40 Prozent ist die Zahl der Versorger in den letzten zehn Jahren gestiegen: Dies ist das Ergebnis einer unabhängigen Marktstudie zum Strom-Beschaffungsverhalten von Stadtwerken, die das Beratungshaus Konexus im Auftrag von Uniper durchführte. Hauptgrund für die steigende Zahl der EVU in Deutschland ist laut Studie die Re Kommunalisierung. Auch wenn der Trend für die Zukunft als weiter steigend prognostiziert wird, ist das Wachstum seit 2011 jedoch weniger stark ausgeprägt als noch in den Vorjahren. Das liegt daran, dass der Zuwachs von beispielsweise reinen Energievertrieben stärken war als von klassischen EVUs.

Nach Zuwachs bei EVU: Status quo zum deutschen Strommarkt
Der heimische Strommarkt wird aktuell von 1.190 Stromlieferanten dominiert, gefolgt von Stromnetzbetreibern mit 920 Gesellschaften. Die 130 Stromhändler bilden das Mittelfeld. Gerade einmal 70 Teilnehmer übernehmen die eigentliche Stromerzeugung und liefern über 100 Megawatt pro Jahr. Auffallend gering ist dabei die Kundenzahl beim Großteil der EVU: 60 Prozent versorgen weniger als 10.000 Lieferstellen. „Auch wir beobachten einen Trend hin zu mehr und kleineren EVU“, erklärt Gundolf Schweppe, Vertriebschef bei Uniper.

Die weiter wachsende Anzahl der Marktteilnehmer ist jedoch nur eine der wesentlichen Veränderungen, die auf den Energiemarkt zukommen: Auch die Nachfragesituation wird sich künftig deutlich anders darstellen – insbesondere im Bereich der handelsnahen Dienstleistungen. Nahezu alle EVU (97 Prozent) kaufen bereits jetzt Markt- bzw. Preisinformationen ein. Knapp die Hälfte der EVU mit mittlerem Stromportfolio (durchschnittlich 1.200 GWh) bezieht zusätzlich Handelssignale. Besonders kleinere EVU mit durchschnittlich 350 GWh fragen zudem vermehrt Dienstleistungen zum Portfolio- und Risikomanagement nach. Diesen beiden Angeboten prognostiziert die Studie auch das größte Wachstum: Beide werden ab 2019 sechsmal häufiger als 2018 nachgefragt und damit bald von jedem sechsten EVU bezogen werden. „Aufgrund der veränderten Nachfragesituation bieten wir unseren Kunden längst nicht mehr nur den reinen Strom als Produkt an, sondern haben weitere Serviceangebote entwickelt“, klärt Schweppe auf. „Dazu zählen etwa Energiemana-gement-Lösungen wie Uniper Digital oder Portfolio-Betreuung und Marktberichte, wie sie Uniper Market Solutions anbietet.“

Auch im Bereich des Einkaufs zeigt die Studie einen klaren Trend: Beinahe die gesamte Strombeschaffung erfolgt sowohl aktuell als auch zukünftig auf Basis von Festpreis- und Tranchenmodellen (95 Prozent). Bei der Tranchenbeschaffung kaufen Unternehmen im Gegensatz zur Festpreisbeschaffung ihre Energie nicht an einem bestimmten Stichtag ein, sondern zu mehreren Zeitpunkten in Teilmengen. Die Einkaufszeitpunkte können von den Unternehmen selbst oder auch von Energie-versorgern bzw. Dienstleistern bestimmt werden. „Die Tranchenbeschaffung erfordert eine umfassende Marktbeobachtung. Relevant ist nicht nur der Kaufzeitpunkt, sondern auch die Anzahl der Trancheneinkäufe. Dabei gilt grundsätzlich: „Je höher die Zahl der Tranchen, desto höher die Risikostreuung“, erklärt Schweppe.

Der Großteil der EVU bezieht Strommengen aktuell zumindest teilweise auf Basis von Festpreis-Modellen. Rund vier Prozent planen jedoch in Zukunft den Wechsel zu Tranchenmodellen. Besonders für aktive Tranchenmodelle – also die eigenständige Bestimmung der Tranchengröße und Preisfixierungszeitpunkte – wird ein deutlicher Zuwachs von fast 30 Prozent ab 2019 prognostiziert. Hingegen decken sich ab nächstem Jahr weniger EVU mithilfe passiver Tranchenmodelle in Form vom Einkauf gleich großer Tranchen in regelmäßigen Zeitabständen ein. Diese sollen gegenüber dem Vorjahr rund zehn Prozent einbüßen. „Wir gehen davon aus, dass die Strombeschaffung auf Basis aktiver Tranchenmodelle auch in den kommenden Jahren weiter zulasten passiver Preismodelle wie Festpreis und passivem Tranchenmodell steigen wird“, ergänzt Schweppe.

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