Der Grünen-Energieexperte im Münchener Landtag, Ludwig Hartmann, fordert von der bayerischen Staatsregierung intensive Bemühungen, um das tschechische Kabinett von seinem "Atomwahn" abzubringen. Dort ist die Erweiterung des grenznahen Meilers Temelin beschlossene Sache.
München/Prag (dapd/red) - Es sei das "komplett falsche Signal", dass im bayerischen Energiekonzept der Bau einer Stromtrasse nach Tschechien vorgesehen sei, kritisierte Hartmann am Donnerstag in einem dapd-Interview in München. Schon jetzt produziere das Nachbarland mehr Strom, als es selbst benötige. "Tschechien setzt ganz stark auf Export", sagte Hartmann.
Es sei klar, dass eine neue Stromtrasse der Verbreitung von tschechischem Atomstrom dienen würde. In Deutschland aber müsse der Ausbau von Transportwegen für erneuerbare Energien Vorrang haben, beispielsweise von den Windkraftanlagen im Norden in den Süden.
Umstrittene Stromtrasse nach Tschechien
(Foto / Abb.: Britta Tewes / Pixelio.de)Stattdessen müsse Bayern dem Nachbarn klarmachen, dass man kein Interesse an einer solchen Trasse habe, solange Tschechien fast ausschließlich auf Atomkraft setze. Zugleich kritisierte Hartmann die Entscheidung der tschechischen Regierung, die Erweiterung des umstrittenen Atomkraftwerks Temelin zügig voranzutreiben.
Die tschechische Regierung will Hürden für die Erweiterung des umstrittenen Atomkraftwerks Temelin um zwei Reaktorblöcke aus dem Weg räumen. Der konservative Premier Petr Necas sagte am Mittwoch in Prag, er habe die zuständigen Ministerien angewiesen, "Schwachstellen" hinsichtlich des Genehmigungsverfahrens zu beseitigen. Als Beispiel nannte er unter anderem die Beurteilung der Umweltverträglichkeit. Dazu gebe es allein aus Österreich mehr als 7.000 Eingaben sowie weitere 3.000 aus Deutschland.
Necas betonte, die Lizenzierung neuer Atomreaktoren bleibe weiterhin Sache des Staatlichen Amts für nukleare Sicherheit. Diese Frage müsse auf strikt fachlicher Ebene behandelt werden und solle keineswegs eine politische Dimension bekommen. Temelin liegt etwa 60 Kilometer von der deutsch-tschechischen Grenze entfernt.
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