Nach dem deutschen Atomausstieg will sich die staatseigene Energiewerke Nord GmbH in Lubmin bis zum Jahr 2020 als weltweit führendes Kompetenzzentrum für den Rückbau kerntechnischer Anlagen etablieren. Inzwischen sind 80 Prozent der Komponenten aus den ostdeutschen Meilern zurückgebaut worden.
Lubmin (dapd/red) - "Wir werden zwar keinen fremden Atommüll bei uns deponieren, aber wir wollen unser atomtechnisches Know-how künftig besser verwerten", sagte EWN-Geschäftsführer Henry Cordes am Mittwoch in Lubmin in Mecklenburg-Vorpommern. Der Umgang mit schwach- und mittelradioaktiven Stoffen werde zum wirtschaftlichen Kerngeschäft ausgebaut.
Nach Angaben von Personalchef Jürgen Ramthun wird die Neuausrichtung dazu führen, dass der weitere personelle Abbau des derzeit noch 940 Mitarbeiter zählenden Unternehmens deutlich geringer ausfällt. Man werde zeitweise sogar aufstocken müssen. Darüber hinaus sollen in Kooperation mit der Fachhochschule Riesa und der Universität Karlsruhe Abiturienten für den Einstieg als Strahlenschutzexperten gewonnen werden.
Nach dem Rückbau sind die Lagerkapazitäten weitgehend ausgelastet.
Unterdessen geht der Rückbau der ostdeutschen KKW in Lubmin und Rheinsberg in die letzte Phase. Das Unternehmen werde in diesem Jahr die letzten Großkomponenten in das Zwischenlager Nord (ZLN) überführen, sagte Cordes. Darunter seien sechs jeweils 165 Tonnen schwere Dampferzeuger. Bislang seien 24 Dampferzeuger eingelagert, acht von ihnen schon zerlegt worden.
Seit der Abschaltung der beiden Atommeiler vor 22 Jahren wurden inzwischen 80 Prozent der kerntechnischen Anlagen zurückgebaut. Damit sind die Lagerkapazitäten des ZLN den Angaben zufolge zu etwa 75 Prozent ausgelastet. Die Gesamtkosten für den Rückbau betragen voraussichtlich rund 4,1 Milliarden Euro. Allein in diesem Jahr investiert der Bund mehr als 100 Millionen Euro in sein Tochterunternehmen EWN, darunter rund 60 Millionen Euro Lohnkosten.
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