Bild zum Thema: Energiewende-Index und Elektromobilität

Im Energiewende-Index wurde in der Vergangenheit immer wieder auf die ausbleibenden Erfolge bei der Reduktion der CO2e-Emissionen verwiesen sowie auf die Tatsache, dass die Energiewende bislang hauptsächlich eine Stromwende geblieben ist. Im Bereich der Stromerzeugung herrscht bereits seit Jahren Konsens darüber, dass Windkraft und Photovoltaik die Technologien der Wahl sind, um Treibhausgasemissionen nachhaltig zu senken. Im Verkehrssektor hingegen ist bis heute nicht vollständig geklärt, welche Lösung die beste im Sinne der Energiewende ist. Neben batterie- und wasserstoffbetriebenen Fahrzeugen wurde auch der konventionelle Verbrennungsmotor lange Zeit zumindest als mittelfristige Übergangslösung gehandelt. Diese Situation ändert sich jetzt. Mit dem starken Rückgang der Batteriekosten und dem „Dieselskandal“ zeichnet sich die batteriebetriebene E-Mobilität zunehmend als Gewinnerin im Technologierennen ab.

Dieser Artikel geht daher vor allem drei Fragen auf den Grund: Erstens, warum der E-Mobilität nun endlich der Durchbruch gelingen könnte und welche Faktoren dafür verantwortlich sind. Zweitens, wie sich der steigende Strombedarf im Zuge wachsender Nachfrage nach E-Fahrzeugen auf unser Energiesystem und die drei Dimensionen in unserem Energiewende-Index (Klimaschutz, Versorgungssicherheit, Wirtschaftlichkeit) auswirkt. Und drittens, welche Weichen jetzt zu stellen sind, um nach der Stromwende nun auch die Verkehrswende zum Erfolg zu führen. 

Um die Startposition für die Verkehrswende auszumachen, lohnt sich der nachfolgende Blick auf den aktuellen Stand der Indikatoren im deutschen Energiewende-Index.

Energiewende-Index Deutschland: die Indikatoren im Überblick

Von den 14 Indikatoren im Energiewende- Index weisen acht seit der letzten Erhebung im Frühjahr 2018 Veränderungen auf. Fünf Indikatoren haben sich verbessert, drei verschlechtert. Insgesamt werden sechs Indikatoren in ihrer Zielerreichung als „realistisch“ eingestuft. Im letzten Index vor sechs Monaten waren es noch fünf, doch diesmal schaffte es der Indikator Industriestrompreise infolge gesunkener Preise erstmals in diese Kategorie. Die Zahl der Indikatoren mit „unrealistischer“ Zielerreichung ging dadurch von acht auf sieben zurück. Der Indikator „Interkonnektorkapazität“ verbleibt weiterhin in der Kategorie „leichter Anpassungsbedarf“. Für sechs Kennzahlen lagen zum Zeitpunkt der Indizierung noch keine neuen Daten vor. Somit verbleiben die Indikatoren Stromerzeugung aus Erneuerbaren, Ausfall der Stromversorgung und gesicherte Reservemarge in der Kategorie „realistisch“, für EEG-Umlage, Stromverbrauch und CO2e-Ausstoß gilt die Zielerreichung weiterhin als „unrealistisch“. Der Indikator Sektorkopplung bleibt mangels klar formulierter übergeordneter Ziele bislang ohne Kategoriezuordnung.
 

Veränderung bei Indikatoren mit „realistischer“ Zielerreichung

  • Industriestrompreise in Deutschland weiter im Sinkflug: Die Stromkosten für Industriekunden entwickelten sich vergangenes Jahr positiv. Mit 8,7 % fiel der Industriestrompreis deutlich stärker als im EU-Durchschnitt (-3,7 %), das hiesige Preisniveau von 8,9 ct/kWh liegt nur noch 8,8 % über dem europäischen Schnitt. Der Indikator bewegt sich damit erstmals im Zielkorridor für 2020 und wechselt in seiner Zielerreichung von vormals „unrealistisch“ zu „realistisch“. Die derzeit steigenden Netzentgelte und Börsenstrompreise könnten den Indikator allerdings schon bald wieder.
  • Vorübergehend mehr Arbeitsplätze in erneuerbaren Energien: Gegenüber dem Vorjahr ist die Zahl der Beschäftigten im Bereich erneuerbare Energien um 10.000 auf 338.600 gestiegen. Dadurch verbessert sich der Indikator in seiner Zielerreichung von 102 % auf 105 %. Der im Jahr 2008 festgelegte Zielwert liegt bei 322.100 Arbeitsplätzen. Die aktuell gemeldeten Personaleinsparungen im Windsektor zeigen allerdings, dass    Wirtschaftlichkeit, Wertung H2 2017 und H1 2018 die Zukunftsprognose nicht uneingeschränkt positiv ist. Aufgrund der geänderten regulatorischen Rahmenbedingungen für den Ausbau der Windenergie wird ab 2019 ein deutlicher Rückgang der jährlich errichteten Windkraftanlagen erwartet. Erste Hersteller haben bereits mit Stellenabbau in der eigenen Produktion und bei Zulieferern reagiert. Diese Entwicklung könnte den Indikator zukünftig verschlechtern. 
  • Erneuter Anstieg der Arbeitsplätze in stromintensiven Industrien: Seit 2016 steigt die Anzahl der Beschäftigten in diesem Sektor stetig. Im vierten Quartal 2017 lag sie um mehr als 32.000 höher als ein Jahr zuvor. Dadurch verbessert sich der Indikator weiter und bewegt sich mit 129 % inzwischen deutlich über seiner ursprünglichen Zielmarke von rund 1,6 Mio. Beschäftigten.

Veränderung bei Indikatoren mit „leichtem Anpassungsbedarf“

  • Interkonnektorkapazität leicht verbessert: Die grenzüberschreitende Stromübertragungskapazität im Vergleich zur in Deutschland installierten Erzeugungskapazität ist von 7 % auf 8,9 % gestiegen. Dadurch verbessert sich der Indikator auf 89 %, verbleibt aber in der Kategorie „leichter Anpassungsbedarf“. Der Indexwert könnte sich allerdings in den kommenden Jahren wieder verschlechtern, da die EU plant, den Zielwert bis 2030 von 10 % auf 15 % anzuheben.

Veränderung bei Indikatoren mit „unrealistischer“ Zielerreichung“

  • Haushaltsstrompreise weiter rückläufig: Durch die leichte Entspannung der Strompreisentwicklung in Deutschland und den gleichzeitigen Anstieg der Preise auf EU-Ebene verringert sich der Abstand zwischen den deutschen Haushaltsstrompreisen gegenüber den europäischen Nachbarn um knapp 5 %. Dadurch verbessert sich der Indikator zwar, bleibt aber mit einer durchschnittlichen Preisdifferenz von 43,1 % in der Kategorie „unrealistisch“. 
  • Stetig steigender Primärenergieverbrauch: Gegenüber 2016 hat sich der Primärenergieverbrauch abermals um 0,6 % erhöht. Eigentliches Ziel war es, den Verbrauch in diesem Zeitraum um 2 % zu senken. Insgesamt verschlechtert sich der Indikator seit 2014 kontinuierlich und wird daher als stabil „unrealistisch“ in seiner Zielerreichung eingestuft.
  • Kosten für Netzeingriffe auf Rekordniveau: 2017 erhöhten sich die Kosten für Netzeingriffe auf insgesamt 1,45 Mrd. € – ein neuer Rekord. Das entspricht einer Steigerung von mehr als 70 % gegenüber dem Vorjahr (850 Mio. €). Die größten Kostentreiber sind dabei Redispatch-Maßnahmen und das Einspeisemanagement. Die Netzeingriffskosten pro Stromvolumen aus fluktuierenden Erneuerbaren erhöhten sich hingegen „nur“ um 35 % auf 9,9 €/MWh – dank der deutlich erhöhten Stromerzeugung aus Wind- und Solarenergie (+27 %). Mit gerade einmal 37 % Zielerreichung verbleibt der Indikator in der Kategorie „unrealistisch“. 
  • Ausbau der Transportnetze im Hintertreffen: Seit der letzten Erhebung wurden lediglich 33 weitere der bis 2020 geplanten 3.582 km gebaut. Damit sind insgesamt erst 912 km der in den Ausbauplänen von EnLAG und BBPIG vorgesehenen Transportnetze fertiggestellt. Da zudem das Bautempo weit hinter der Planung zurückliegt, verschlechtert sich der Indikator erneut und ist mit 36 % als stabil „unrealistisch“ einzustufen.
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