(Quelle: Fotolia)

Windenergie ist inzwischen mit einem Anteil von 11,6 % nach der Wasserkraft die deutlich zweitwichtigste erneuerbare Energiequelle in der Stromerzeugung der EU. VGB PowerTech hat Daten zur Windstromproduktion in Deutschland und 17 europäischen Ländern daraufhin analysiert, ob im europäischen Netzverbund ausreichende Möglichkeiten bestehen, um die signifikant auftretenden Zeiten niedriger Windstromerzeugung in einer länderübergreifenden Betrachtung im bestehenden System auszugleichen. Die Analyse beruht auf frei zugänglichen Zeitreihen der Übertragungsnetzbetreiber zur Windstromerzeugung in Europa.

Die Erwartung einer deutlichen Glättung der Gesamtproduktion mit einem möglichen vollständigen Verzicht auf Backup-Kapazitäten tritt nicht ein. Das Gegenteil ist der Fall: Dies zeigen die Summenzeitreihen der Windstromproduktion nicht nur für ein einzelnes Land, sondern auch für die große Leistungsspitzen und -minima der 18 in der Analyse betrachteten europäischen Länder inklusive Deutschlands. Dieses Studienergebnis gilt auch für die Daten der Offshore-Windenergie und unter Berücksichtigung der Solarstromproduktion.

Im Zeitraum von 2015 bis 2017 weisen die Summenzeitreihen der gesamten Windstromproduktion der betrachteten europäischen Länder durchschnittlich Tiefstwerte der verfügbaren Leistung zwischen 6.000 und 8.000 MW auf. Dies entspricht trotz europaweit verteilter Windenergieanlagenstandorte rechnerisch (ohne Netzverluste) nur 4 bis 5 % der in den 18 Ländern insgesamt installierten Nennleistung aller Windenergieanlagen von rund 170.000 MW. Für Transport und Verteilung elektrischer Energie von der Erzeugung bis zum Verbraucher sind zudem Netzverluste von fast 7 % allein innerhalb eines Landes einzukalkulieren. Dies bedeutet, dass sich die ohnehin überschaubaren gegenseitigen Ausgleichsmöglichkeiten zwischen sehr weit auseinander liegenden Ländern Europas noch weiter verringern.

In einer Gesamtbewertung kommt VGB PowerTech zu dem Ergebnis, dass eine gesicherte Stromversorgung auf Basis erneuerbarer Energien nur in einem geeigneten Mix mit flexibler, regelbarer Erzeugung sowie in Verbindung mit Netzausbau und Demand-Side-Management möglich ist: Windkraft- und Solaranlagen können eine Basis bilden, konventionelle Kraftwerke inklusive Kraft-Wärme-Kopplung (KWK), Biomasse und zukünftig vermehrt Speicher – hier insbesondere Pumpspeicherkraftwerke und in der Perspektive Batterien sowie zum Ausgleich auch längerfristiger Engpässe Power-to-X – gewährleisten Versorgungssicherheit und Netzstabilität.

Nach heutigem Stand sind dabei quasi 100 % Backup-Erzeugungskapazität für erneuerbare Leistung erforderlich. Die Backup-Kapazitäten müssen aus technischer Sicht zudem möglichst verbrauchernah verfügbar sein. Angesichts aktuell deutlich abnehmender konventioneller Kraftwerkskapazitäten in allen europäischen Ländern besteht hier dringender Handlungsbedarf, um weiterhin eine sichere Stromversorgung zu gewährleisten.

Weitere Informationen unter www.vbg.org

VGB PowerTech

Ähnliche Beiträge