Globaler Vorreiter

Klimaneutralität: Abb. 1 Gesamtemissionen global (zeitliche Entwicklung)
Abb. 1 Gesamtemissionen global (zeitliche Entwicklung) (Bildquelle: Siemens Gas & Power GmbH)
Klimaneutralität: Abb. 2 Verteilung der Emissionen nach Kontinent und Ländern (Treemap)
Abb. 2 Verteilung der Emissionen nach Kontinent und Ländern (Treemap) (Bildquelle: Siemens Gas & Power GmbH)

Für den „Globalen Vorreiter“ steht eine Dekarbonisierung der Wirtschaft im Vordergrund. Diese soll zunächst durch nachhaltige Energieerzeugung erreicht werden. Ursächlich hierfür ist ein starkes öffentliches Interesse an der Vermeidung von THG-Emissionen. Typische Maßnahmen sind die vermehrte Sektorkopplung mit Strom, das Auffangen und die Speicherung von CO2-Emissionen oder der Ausbau von Speicherlösungen, um hohe Anteile erneuerbarer Energien v.a. im Stromsektor besser integrieren zu können. Länderbeispiele hierfür sind das Vereinigte Königreich, Schweden, Dänemark oder die Schweiz, als regionales Beispiel sei vor allem Kalifornien genannt.

Die globalen Vorreiter verfügen über eine seit längerem etablierte Klimaschutzpolitik, die eng verzahnt mit anderen Politikfeldern ist. Zumeist streben sie an, bereits vor 2050 klimaneutral zu werden. Dabei können auch neuartige Instrumente eingesetzt werden, wie z.B. der EU-Emissionshandel. Dieser führte bei den Handelsteilnehmern zu einer deutlichen Einsparung auf 1,7 Gt (1990: 2,6 Gt), während die übrigen Emissionen im gleichen Zeitraum lediglich von 3,0 Gt auf 2,6 Gt reduziert werden konnten.

Im Bereich der Energieerzeugung setzen die globalen Vorreiter überwiegend auf Wind und PV, teilweise auch auf Wasser- bzw. Kernkraft. Bedingt durch die bereits erreichten Erfolge im Energiebereich rücken andere Emissionsquellen in den Vordergrund.

Für Emissionen aus dem industriellen Sektor werden Lösungen im Bereich der CO2-Abscheidung und -Speicherung bzw. Weiternutzung des CO2 bereits in ersten Projekten untersucht. Vor allem UK sieht hier die Möglichkeit, durch Bildung industrieller Cluster die Technologieführerschaft zu erreichen. Innerhalb des Nordischen Rats wurde 2019 eine Kooperationsvereinbarung zwischen Finnland, Schweden, Norwegen, Dänemark und Island unterzeichnet, die u.a. auch CCS (Carbon Capture and Storage) und Biomasse-CCS explizit weiterentwickeln möchte. Parallel dazu wird verstärkt die Nutzung von erneuerbar gewonnenem Wasserstoff bzw. Wasserstoffprodukten in Betracht gezogen, wobei bei Letzterem das abgeschiedene CO2 als Rohstoff dienen kann. Es eröffnet damit die Möglichkeit, CO2 als zyklisch nutzbaren Rohstoff zu betrachten und so zu einer nachhaltigen Lösung beizutragen.

Die wachsenden Emissionen werden in sehr vielen Ländern mit Zulassungsverboten für fossil angetriebene Fahrzeuge beantwortet, wobei zumeist Elektromobilität und ÖPNV als Alternativen gesehen werden. Erste Ansätze zur Nutzung von Synfuels sind sichtbar.

Dennoch erkennen die globalen Vorreiter zunehmend, dass bestimmte Emissionen schwer vermeidbar sein werden. Die Schweiz benennt hier explizit die Bereiche Landwirtschaft und Abfall, bei der ein Grundstock an THG-Emissionen unvermeidbar ist. Aktuell werden in der Schweiz die möglichen Lösungsansätze auf Basis von CC(U)S und Durchführung von Vermeidungsprojekten außerhalb der Schweiz diskutiert.

Neuseeland steht mit den hohen Methanemissionen aus dem Agrarsektor sogar vor größeren Herausforderungen. Nach bisherigen Plänen will Neuseeland bis 2050 zwischen 24 % und 47 % (Referenzjahr 2017) der Methanemissionen reduzieren. Offen ist noch, wie dann Klimaneutralität erreicht werden soll. Eine Nutzung von Senken scheint hier unvermeidbar.

Traditionalist

Demgegenüber steht der „Traditionalist“. Für diesen Archetyp steht dabei vor allem die ökonomische Effizienz im Vordergrund und ist maßgeblich für politisches Handeln. Erneuerbare Energien werden kaum gefördert, sondern stehen im Wettbewerb mit konventionellen Arten der Energieerzeugung.

Ein typischer Vertreter ist Frankreich, welches die Klimaneutralität bis 2050 schon seit einiger Zeit in Gesetzesform gebracht hat. Dazu soll in einem ersten Schritt der Verbrauch fossiler Brennstoffe um 40 % reduziert und der Kohleausstieg aus der Stromerzeugung bis 2022 vollzogen werden. Bei der Kernenergie deutet sich ein Umdenken an, da inzwischen laut über den Neubau von Kernkraftwerken nachgedacht wird. Parallel dazu werden erneuerbare Energien ausgebaut. Ein besonderes Augenmerk in Frankreich liegt im Gebäudebereich: hier entstehen 28 % der französischen Emissionen, seit 1990 wurden sie lediglich um 3 % reduziert. Gebäudeeffizienz wird damit einen wesentlichen Beitrag zur THG-Reduktion liefern müssen.

Ebenso will Japan auch in Zukunft – aus mehreren Gründen – an einem hohen Kohleanteil in der Stromerzeugung festhalten, der durch Nutzung von CCS den Erfordernissen des Klimaschutzes genügen soll. Japan verfügt zudem über eine Wasserstoffstrategie und setzt dabei auch auf die Importe erneuerbaren Wasserstoffes. Dazu wurde Anfang 2020 eine Kooperation mit Australien abgeschlossen.

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