Bild zum Thema: Energieeffizienzrichtlinie - Diese schreibt vor, dass die Zähler künftig fernauslesbar sein müssen

Alle neu installierten Wärmemengenzähler müssen ab dem 25. Oktober 2020 fernauslesbar sein, alle bereits eingebauten Geräte spätestens ab dem 1. Januar 2027 (Quelle: Landis+Gyr)

Fernauslesbar bedeutet, dass die Verbrauchswerte ermittelt werden können, ohne dass ein Zugang zum Gerät erforderlich ist. Die Richtlinie schreibt daher keine echte Fernkommunikation vom Gerät zum Messdienstleister vor, geschweige denn die Einbindung in ein Smart-Meter-Gateway. Es genügt auch, wenn die Daten durch „Walk-by-“ bzw. „Drive-by-“Lösungen abgelesen werden können. Umgekehrt ist eine Aufschaltung der Wärmemessdaten auf das Smart- Meter-Gateway möglich. 

Fernwärmeversorger stehen daher vor der unternehmerischen Entscheidung, entweder die Wärmemessdaten in das Smart-Meter-Gateway einzubinden oder eine eigenständige Infrastruktur zur Übermittlung der Daten aufzubauen. Dies hängt von einer Vielzahl unternehmensindividueller Faktoren ab. Daher ist heute noch nicht abzusehen, welche Richtung die Branche einschlagen wird.

Monatliche Verbrauchsinformationen

Neben der klassischen (Jahres-)Abrechnung müssen die Fernwärmeversorger künftig Abrechnungs- und Verbrauchsinformationen mitteilen, also innerhalb des Abrechnungszeitraums über aktuelle Verbrauchswerte informieren (Art. 10a Abs. 1 EED). Das gilt immer dann, wenn fernauslesbare Geräte verwendet werden. Dann muss zunächst zweimal jährlich, ab 2022 sogar monatlich informiert werden. Die EU verspricht sich damit, dass der Endkunde bzw. Energieverbraucher angesichts der häufiger vor Augen geführten Verbrauchsdaten mehr Energie einspart. Für Fernwärmeversorger bedeutet dies, dass sie neben der Abrechnung einen weiteren Kommunikationskanal aufbauen müssen.

Informationen über energetische Qualität

Darüber hinaus muss zukünftig ausführlich Auskunft über die energetische Qualität der bereitgestellten Wärme gegeben werden. Das betrifft den Brennstoffmix, die Treibhausgasemissionen (beide nach Art. 10a EED) sowie den Anteil der erneuerbaren Energien und schließlich die Gesamtenergieeffizienz (beide nach Art. 24 Abs.1 RED II). Die Informationen müssen in Bezug auf die beiden erstgenannten Daten auf jeden Fall auf der Jahresrechnung erteilt werden; letztere können neben der Jahresrechnung auch auf der Homepage des Versorgers veröffentlicht werden. Davon abgesehen müssen noch weitere Informationen erteilt werden: angefangen von einem grafischen Vergleich des aktuellen Verbrauchs mit dem Vorjahresverbrauch über ein Vergleich des individuellen Verbrauchs mit einem standardisierten Verbrauch hin zu weiteren Informationen über verfügbare Streitbeilegungsverfahren und Institutionen, die die Interessen der Kunden vertreten. Alles in allem wird der Umfang und Aufwand für die Erteilung der Abrechnung drastisch steigen.

Empfehlungen für die Branche

Die beiden Richtlinien müssen bis Oktober 2020 bzw. bis Juni 2021 in deutsches Recht umgesetzt werden. Der deutsche Gesetzgeber hat bis dato noch keinen Gesetzentwurf vorgelegt, hat aber angekündigt, die Regelungen pünktlich zum Umsetzungstermin erlassen zu wollen. Daher kann heute noch nicht mit letzter Klarheit berichtet werden, wie die deutschen Regelungen im Einzelnen aussehen werden. Fernwärmeversorger sollten sich aber bereits heute Gedanken machen, wie sie die neuen Mess-, Abrechnungs- und Informationspflichten umsetzen. Dazu gehört vor allem die Organisation der Messgeräte, die Anpassung der Abrechnungssoftware und Onlineportale sowie die Berechnung der Daten zur energetischen Qualität. Einige Fernwärmeversorgungsunternehmen haben daher bereits hausinterne Projektkreise eingerichtet, um sich auf die neuen Regelungen rechtzeitig vorbereiten zu können.

Dr. Norman Fricke, AGFW

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