EuroHeat&Power Ausgabe 7-8/2019

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Meinung | EuroHeat&Power Ausgabe 7-8/2019

KWK als Pfeiler der Wärmewende stärken

Der Wärmesektor macht in Deutschland rund die Hälfte des Endenergieverbrauchs aus: Dieses riesige Potenzial an Energieeinsparung und Effizienzgewinn wird in Politik und Öffentlichkeit noch immer viel zu wenig beachtet. Dabei besteht gerade hier ein großer Nachholbedarf – schließlich liegt der Anteil der erneuerbaren Energien in der Gebäudebeheizung erst bei 14 Prozent. Gerade in den Ballungsräumen sollten hocheffiziente und flexible KWK-Anlagen einen zentralen Baustein der Wärmewende bilden. Denn sie verbinden die Wärmeversorgung mit der effizientesten Form der brennstoffbasierten Stromerzeugung, die zudem einen wichtigen Beitrag für die Netzstabilisierung leistet. Nachholbedarf besteht allerdings auch bei der Dekarbonisierung der KWK: von der Kohleverstromung hin zu Gas mit zunehmender Grüngasquote und Biomasse.

Trotz ihres enormen Potenzials lassen sich KWK-Anlagen in der mittelfristigen Perspektive kaum noch wirtschaftlich betreiben. Damit sich dies ändert und die Versorgungssicherheit auch nach dem Kohleausstieg gewährleistet ist, muss die Regierung rasch umdenken und den Bestand sowie den weiteren Zubau der KWK-Technologie fördern.

Ein erster Schritt besteht in der Anpassung des KWK-Ausbauziels auf 25 Prozent der deutschen Stromerzeugung bis 2025. Mit zunehmender Umsetzung des Kohleausstiegs sollte für die Netzstabilisierung der Anteil der KWK an der Residualkapazität kontinuierlich steigen und zwar auf mindestens 90 Prozent. Zudem plädiere ich für die Verlängerung des KWKG bis mindestens 2030.

Eine flankierende Maßnahme besteht in der Umstellung auf klimaschonende Fernwärme im Gebäudebestand. Anreize dafür können beispielsweise durch Anpassungen im Mietrecht und der Wärmelieferverordnung gesetzt werden. Maßstab bei der Beurteilung, ob nach § 555b BGB eine energetische Sanierung vorliegt, sollte nicht nur die Energieeinsparung im Gebäude sein, sondern die CO2-Emissionen der gesamten Energiebereitstellungskette.

Dank der »Climate Action«-Verordnung (Effort Sharing) unterliegen in der EU nun auch bisher im Emissionshandel nicht berücksichtigte Sektoren verpflichtenden nationalen Reduktionszielen. Deutschland muss nun endlich im Gebäudesektor aktiv werden, sonst wird es teuer. Eine Option besteht in der Ausdehnung des Emissionshandels auf diesen Sektor. Besser wäre es, in allen Sektoren auf den Energiepreis einen verursachergerechten CO2-Preis einzuführen. Dies schafft Chancengleichheit, führt zu einer nachhaltigen CO2-Minderung und würde – eine Kompensation an anderer Stelle vorausgesetzt – die Bürger nicht zusätzlich belasten.

Ich hoffe sehr, dass die Regierung durch den finanziellen Druck nun endlich aufwacht und ein in sich stimmiges, transparentes Anreizsystem schafft, das die Energiewende jetzt auch im Wärmebereich voranbringt.

Josef Hasler, Vorstandsvorsitzender der N-Ergie AG, Nürnberg

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EHP-Redaktion

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