Fortsetzung

Matthias Knödler und Dr. Rolf Weber
Die Heiz- und Warmwasserkostenabrechnung bringt viel Potenzial zur Kundenbindung mit sagen Matthias Knödler (l.), Stadtwerke Schwäbisch Hall, und Dr. Rolf Weber, PPR-Institut

EHP: Sie bieten das neue Produkt als White-Label-Lösung anderen Versorgern an. Warum können Stadtwerke diesen Service nicht selbst organisieren?

Weber: Die Eintrittshürden für Newcomer in diesem Markt sind sehr hoch. Selbst für ein Unternehmen von der Größe der Stadtwerke Schwäbisch Halls wäre es nicht sinnvoll, die gesamte Prozesskette selbst abzubilden.

EHP: Warum ist das so?

Weber: Die Dienstleistung Heiz- und Warmwasserkostenabrechnung besteht aus drei wesentlichen Leistungsbereichen: dem Gerätemanagement, der funkbasierten Fernauslesung und der Abrechnung. Die ersten beiden Bereiche sind hochkomplex, erfordern spezielles Know-how und den Einsatz dafür ausgelegter Systeme. Außerdem profitiert ein großer Messdienst von Kostenvorteilen, da er bei der Geräteanschaffung Mengenvorteile geltend machen und aufgrund sehr hoher Durchsatzraten viel produktiver arbeiten kann. Deshalb beziehen die Stadtwerke Schwäbisch Hall beide Leistungen von einem darauf spezialisierten Messdienstunternehmen, das im Hintergrund agiert. Damit ist die größte Eintrittshürde beiseite geräumt.

EHP: Welche Bedeutung hat die Abrechnung in diesem Aufgabenkanon?

Weber: Grundsätzlich sind alle drei Leistungsbausteine gleich wichtig, weil auf keinen verzichtet werden kann. Da aufgrund funkbasierter Fernauslesung kein Ableser mehr ins Haus muss, sondern nur alle paar Jahre die Messgeräte gewartet oder ausgetauscht werden müssen, beschränkt sich der Kundentakt schwerpunktmäßig auf die Abrechnung. Und die trägt das Logo des örtlichen Stadtwerks. Insofern hat die Abrechnung aus Vertriebssicht natürlich besondere Bedeutung.

EHP: Wie funktioniert der Abrechnungsprozess?

Knödler: Die Messdaten laufen über eine konfigurierte Schnittstelle ins Abrechnungssystem, das in unserem zertifizierten Rechenzentrum in Schwäbisch Hall betrieben wird. Bei dem Abrechnungssystem handelt es sich um XAP-Heizkosten, die Branchenlösung unseres Tochterunternehmens Somentec Software. Dass wir im eigenen Hause über ein erprobtes IT-Werkzeug verfügen, war für den Aufbau der neuen Dienstleistung natürlich hilfreich.

EHP: Und das Stadtwerk vor Ort bleibt das »Face to the customer«?

Knödler: Richtig, die Heiz- und Warmwasserkostenabrechnung erbringen wir für unsere Stadtwerkekunden als Dienstleistung im Hintergrund. Das macht ja den Charme dieser Konstruktion aus.

EHP: Welches Interesse hat der Messdienst an diesem Geschäftsmodell? Warum macht er das Geschäft nicht selbst?

Weber: Der Messdienst gewinnt durch die Kooperation mit Stadtwerken Kunden, die er allein nicht erreichen würde. Er erbringt zwar nur eine Teilleistung, aber eine ganz wesentliche. Das Risiko, sich selbst zu kannibalisieren, ist für ihn geringer als die Wahrscheinlichkeit, zusätzliches Geschäft hinzuzugewinnen.

EHP: Was haben Stadtwerke davon, sich im Geschäftsfeld Heiz- und Warmwasserkostenabrechnung zu engagieren?

Knödler: Angesichts zunehmenden Wettbewerbs und sinkender Margen im Stammgeschäft sehen Stadtwerke darin ein interessantes neues Betätigungsfeld. Die Heiz- und Warmwasserkostenabrechnung kann dazu beitragen, Erlös- und Ertragssituation der Unternehmen zu verbessern. Daneben sollte nicht unterschätzt werden, dass ein solcher Service auch viel Potenzial zur Kundenbindung mitbringt – im Wettbewerb ein wichtiger Aspekt.

EHP: Ist das neue Produkt schon marktreif?

Knödler: Die komplette Prozesskette steht, Preislisten für individuell buchbare Leistungskomponenten werden aktuell erstellt. Anschließend startet der Vertrieb, gerade rechtzeitig zur E-world.

EHP: Herr Knödler, Herr Dr. Weber, vielen Dank für das Gespräch.

Gerhard Großjohann
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