ew-Magazin Ausgabe 5/2020

Standpunkt: Biomethan verdient mehr Aufmerksamkeit

So findet Biomethan zwar in sämtlichen Gesetzen wie Erneuerbare- Energien-Gesetz (EEG), Kraft-Wärme- Kopplungsgesetz (KWKG) und Erneuerbare- Energien-Wärme-Gesetz (EEWärmeG) Erwähnung und wird in Kombination mit komplizierten Regelungen und Mindestanforderungen auch etwas begünstigt. Doch ein echter Anreiz zur Nutzung besteht nicht. Es ist also nicht weiter verwunderlich, dass der Einsatz im Sektor Wärme trotz einfacher Anwendbarkeit und Klimaschutzpotenzial stagniert.

Positive Signale sendete die 2018 verabschiedete, europaweit verpflichtende Erneuerbare- Energien-Richtlinie (RED II): Sie besagt unter anderem, dass Energieversorger den Einsatz erneuerbarer Energien im Sektor Wärme und Kälte ab 1. Juli 2021 jährlich um 1,3 % steigern und dies auch belegen müssen. Im Bereich Fernwärme, die vor allem in Wohnungswirtschaft und Wohnquartieren relevant ist, muss die Zusammensetzung der genutzten Energien außerdem auf der Rechnung ausgewiesen werden. Diese Transparenz erhöht den Handlungsdruck, denn Verbraucher sehen nun ganz genau, was ihr Energieversorger für die Umwelt tut – oder eben auch nicht. Die Stadtwerke Bruchsal zum Beispiel setzen für die Versorgung ihres neuen Wohnquartiers Bahnstadt bereits auf ein zentrales BHKW. Dort wird aus Biomethan mittels Kraft-Wärme-Kopplung sowohl Strom als auch Wärme erzeugt – Letztere wird zu Wärmeübertragern in den Gebäuden transportiert. 900 Wohneinheiten sind so quasi CO2-neutral gestellt.

Es keimte weitere Hoffnung auf, als das Bundeskabinett den Entwurf für das neue Gebäude-Energie-Gesetz (GEG) zur Diskussion stellte. Darin hatte Biomethan erstmals einen besseren Primärenergiefaktor (PEF) zugewiesen bekommen als Erdgas. Doch schon im zweiten Entwurf war dieser längst überfällig gewordene Schritt wieder rückgängig gemacht worden. Nun heißt es: Das grüne Gas wird im Bereich der Fernwärme nur mit einem besseren PEF gekennzeichnet, wenn es in einer KWKAnlage eingesetzt wird. Glück also für die Bruchsaler Bahnstadt! Wird hingegen ein Brennwertkessel genutzt, ist das grüne Gas mit fossilem Erdgas gleichgesetzt.

Die finale Entscheidung über das GEG soll im Frühjahr 2020 getroffen werden und stand bei Redaktionsschluss noch aus. Schon heute aber kann gefragt werden: Wer sollte freiwillig auf eine kostenintensivere Energieversorgung auf der Basis von Biomethan oder eines anderen Biogases setzen, wenn er keinerlei spürbaren Vorteil außer einem guten Gewissen hat?

Damit Biomethan eine Chance hat, den Wärmemarkt zu durchdringen, muss sich auf Gesetzesebene mehr ändern. Es bedarf mehr politischer Fürsprecher und einer größeren Technologieoffenheit, ob bei Neubau oder Sanierung. Es braucht klare Ausbauziele oder Quoten für erneuerbare und dekarbonisierte Gase. Und es muss nach der Vergabe des CO2-Emissionsfaktors 0 nun auch das konsequente Handeln folgen. Ein erster sinnvoller und einzig logischer Schritt: der Abbau politischer Hürden. Das beginnt bei der Anpassung des PEF auf den von diversen Akteuren geforderten Wert von 0,3. Erst dann kann Biomethan eine wesentliche Rolle in der Energiewende und somit auch bei der Erfüllung des Klimaschutzpakets einnehmen – und erst dann hat auch der Verbraucher etwas davon.

Matthias Kerner, Geschäftsführer, bmp greengas GmbH, München