Thomas Hüwener zu Power-to-X

Thomas Hüwener: Wir als Netzbetreiber wollen kein Eigentum an den transportierten Commodities erwerben. Wir wollen lediglich dem Markt eine Powerto-X-Anlage zur Verfügung stellen. (Bildquelle. OGE)

Herr Hüwener, Sie betreiben das mit rund 12 000 km längste Gasfernleitungsnetz in Deutschland. Nun haben Sie angekündigt, mit dem Stromnetzbetreiber Amprion eine Brücke zwischen Strom- und Gasnetz aufzubauen. Worum geht es bei dem Projekt Hybridge im Detail?

Hüwener: Die vereinbarten Klimaziele von Paris, der Ausbau der erneuerbaren Energien, der Ausstieg aus der Kernenergie und die sukzessive Stilllegung der Kohlekraftwerke stellen das Stromsystem vor große Herausforderungen. Nach heutiger Einschätzung kommt das bestehende System bei einem Anteil von 60 % erneuerbarer Energien an seine Grenzen. Diese Anforderungen lassen sich überhaupt nur in enger Partnerschaft mit der Gasinfrastruktur bewältigen. Die Brücke Hybridge wird zeigen, wie wichtig es ist, die Energiewirtschaft ganzheitlich zu betrachten und mit der Kopplung von Strom- und Gasnetz die Basis für den weiteren Ausbau der erneuerbaren Energien zu schaffen.

Wie beantworten Sie die Frage nach dem steigenden Speicherbedarf für die volatile Stromerzeugung aus Sonnen- und Windenergie?

Hüwener: Das Gasnetz kann hier sehr viel beitragen. Es gibt vor allem zwei Arten von Speicherung, die sich nutzen lassen. Zum einem gibt es in einem großen Gasnetz gewisse Druckspiele, die man als Leitungspuffer bezeichnet. Allein dadurch ergibt sich eine Speicherfähigkeit des Systems. Zum anderen haben wir Marktspeicher im Handelsbereich, die hier perspektivisch angeboten werden können. Das wäre dann ein Angebot an den Markt und die Industrie, hierüber den entsprechenden Bedarf an Erdgas zu sichern. Unabhängig davon eignet sich das vorhandene Leitungsnetz natürlich zum Transport der Energie zum Verbraucher.

Wie lässt sich Gas speichern?

Hüwener: Wir nutzen die natürlichen Möglichkeiten, je nachdem was regional verfügbar ist. Die Speicherlokationen in Nordrhein-Westfalen sind gesohlte Salzstöcke mit einem Hohlraum unter Tage. In Süddeutschland gibt es Aquiferspeicher, die wie ein Gesteinsschwamm funktionieren und das Gas in den Poren speichern.

Der Kern von Hybridge ist ein Elektrolyseur, der aus Strom Wasserstoff produzieren soll. Das Verfahren Power-to-Gas ist ja nicht neu, wurde aber bisher nur in Modellprojekten dargestellt. Wie wollen Sie die Technologie voranbringen?

Hüwener: Im Unterschied zu bisherigen Forschungs- und Modellprojekten soll Hybridge zeigen, dass ein Elektrolyseur auch in großem Maßstab technisch einwandfrei funktioniert. Überschüssiger Strom aus erneuerbaren Energien, der andernfalls künftig abgeregelt werden müsste, wird in Wasserstoff umgewandelt. Der erzeugte Wasserstoff kann dann ins Gasnetz eingespeist oder von der Industrie in der näheren Umgebung direkt genutzt werden.

Wasserstoff hat spezielle Eigenschaften und erfordert besondere Sicherheitsmaßnahmen. Wie viel Wasserstoff lässt sich nach heutigem Stand der Technik in das vorhandene Erdgasnetz einspeisen?

Hüwener: Diese Frage wird zurzeit intensiv diskutiert. Zunächst kommt es aber auf die Größenordnungen an. Eine große Leitung mit einer Kapazität von 24 GW kann problemlos die erzeugten Gasmengen einer großen Power-to-X-Anlage aufnehmen. Der Anteil des Wasserstoffs im Gasnetz wird damit immer noch unter 1 % bleiben. Das heutige Regelwerk erlaubt Wasserstoffmengen von bis zu 10 % unter Beachtung gewisser Ausnahmen. Hierzu gehört der Pkw-Verkehr, wo nur 2 % Wasserstoffanteil im Compressed Natural Gas (CNG) erlaubt sind. Allerdings wird perspektivisch bis zum Jahr 2030 oder 2050 die Wasserstoffverträglichkeit weiter erhöht werden können – davon bin ich überzeugt.

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