Homeoffice ändert Lebensgewohnheiten – und Lastkurven  

Das durch minutengenaue Messung und Fernauslesung geschaffene »Licht im Dunkel« mehrerer Ortsnetzstränge in Aitrach und Tannheim an der Iller brachte jetzt als »Beifang« eine zusätzliche Erkenntnis: Im Zuge von Corona verändert die vermehrte Tätigkeit im Homeoffice offenbar die Lebensgewohnheiten.

Besonders genau hatte ein Team von Nachwuchsingenieuren am Dienstag, 31. März, einen Strang in einem Wohngebiet untersucht. Danach legte der Verbrauch nicht nur über fast ein Drittel zu, auch die Kurve selbst veränderte sich signifikant: Zu erwarten war die deutlich höhere Mittagsspitze. Eher überrascht hat jedoch eine Delle gegen 18 Uhr, wo normal ein Anstieg erfolgt. Offenbar lockte der frühere Feierabend nach Stunden der Arbeit zuhause oder bei der Kinderbetreuung an die frische Luft. Noch auffälliger verhielt sich die Kurve nach Mitternacht und blieb für mehrere Stunden deutlich über dem üblichen Niveau. Offenbar verschieben viele Menschen im Homeoffice ihren Tagesablauf um einige Stunden.

Natürlich erhebt diese Momentaufnahme keinen Anspruch auf Repräsentativität. Für die gesamte Auslastung der Verteilnetze spielt sie auch keine Rolle – am Höhepunkt der Pandemie sank sie auf teils weit unter 80 %. Dennoch werden wir die Ergebnisse zumindest im Hinterkopf behalten. Viele erwarten nach den Erfahrungen der letzten Monate einen nachhaltigen Trend zur flexibleren Handhabung von Präsenzzeiten und mehr Homeoffice in Unternehmen wie Verwaltungen. Allerdings stehen die Verteilnetzbetreiber mit dem Ausbau der Ladeinfrastruktur für die E-Mobilität aktuell vor der deutlich größeren Herausforderung.  

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Linda Sprengholz, Ingenieurin »Intelligente Stromnetze«, Netze BW GmbH, Stuttgart