Eine Studie hat analysiert

Eine Studie hat analysiert, ob private oder kommunale Energieversorger effizienter sind. (Quelle: dpa)

Das DIW Berlin hat im Rahmen des Projektes „Kommunale Infrastrukturunternehmen zwischen Energiewende und demografischem Wandel“ (KOMIED) zum ersten Mal verfügbare Mikrodaten der amtlichen Statistik der Energie- und Wasserversorgungsunternehmen ausgewertet und im DIW Wochenbericht veröffentlicht.

Damit sollte geklärt werden, ob es wirklich einen Trend zur (Re-)Kommunalisierung bei der Energie- und Wasserversorgung gibt. Die Datensätze umfassten die Jahre 2003-2012 und zeigen, dass die  Zahl der öffentlichen Energieversorger in den Jahren 2003 bis 2012 immerhin um 17 % gestiegen ist, also wieder mehr Städte und Gemeinden selbst Strom, Gas und Wärme erzeugen und vertreiben. Gleichzeitig stieg jedoch die Zahl der privaten Versorger wesentlich stärker, nämlich um 49 %, an. Insgesamt zeichnet sich also bei weitem kein genereller Trend zur Rekommunalisierung ab.

„Von einer Verdrängung privater Energieversorger durch Rekommunalisierungen kann keine Rede sein“, sagt Astrid Cullmann, wissenschaftliche Mitarbeiterin in der Abteilung Unternehmen und Märkte des DIW Berlin. Sie hat die Daten von Energiestatistiken, Jahresabschlüssen öffentlicher Fonds, Einrichtungen und Unternehmen sowie das Unternehmensregister zusammen mit ihren Kolleginnen Maria Nieswand und Caroline Stiel und ihrem Kollegen Stefan Seifert ausgewertet.

Die generelle Zunahme an Unternehmen begründen die Studienautoren damit, dass im Zuge der Veränderung des Energiesektors wesentlich häufiger neue Unternehmen zur Erschließung neuer Geschäftsfelder gegründet würden. Außerdem sind im Zuge von Energiewende und Digitalisierung viele neue Arbeitsbereiche wie Energiedienstleistungen hinzugekommen.

Öffentliche Unternehmen haben weiter Umsatzanteile verloren

Die Umsatzentwicklung der Unternehmen wurde für die Jahre  2006 bis 2012 analysiert. Auch hier schneiden die privaten Unternehmen besser ab. Während die Umsätze der kommunalen Energieversorger in diesem Zeitraum um 54 % gestiegen sind, sind die Anteile am Gesamtumsatz im Energiesektor sogar um 9 % gesunken. Die privaten Unternehmen haben ihre Umsätze im gleichen Zeitraum jedoch mehr als verdoppelt und erwirtschafteten 2012 auch den Großteil der Umsätze des Energiesektors. Die kommunalen Energieversorger erwirtschafteten 2012 nur noch etwas mehr als 25 % der Umsätze des Sektors.

Die höchsten Zuwachsraten verzeichneten öffentliche und private Energieversorger im Bereich Stromversorgung. Dabei ist die Anzahl der öffentlichen Unternehmen besonders gestiegen, die im Stromhandel tätig sind.

Kommunale Unternehmen arbeiten genauso effizient wie private

Eine Sorge, wenn es um den Vergleich öffentlicher und privater Energieversorger geht, ist die, dass öffentliche Unternehmen geringere Anreize haben könnten, ihre Aufgaben effizient zu erfüllen und somit höhere Kosten und Endkundenpreise verursachen könnten.

In einer zweiten Studie haben die Autorinnen daher untersucht, ob private Energieversorger effizienter wirtschaften als Energieunternehmen, die sich in staatlicher Hand befinden. Diese Vermutung bestätigte sich jedoch nicht.

„Unsere Analysen zeigen, dass kommunale Energieunternehmen ihre Leistung ebenso effizient erstellen wie private Unternehmen“, sagt Nieswand. „Das gilt nicht nur für den wettbewerblich organisierten Stromvertrieb. Auch die kommunalen Netzbetreiber arbeiten genauso effizient wie die privaten.“

„Das Ergebnis unserer Studie ist insofern bemerkenswert, als dass öffentliche Unternehmen anders als private nicht auf reine  Gewinnmaximierung abzielen, sondern weitergehende Interessen verfolgen“, ergänzt Stiel. Denn diese divergierenden Ziele werden oft als Begründung angeführt, weshalb kommunale Energieversorger sich nicht so sehr auf eine effiziente Leistungserstellung fokussieren könnten.

Bei der Frage, ob die Energieversorgung prinzipiell bei kommunalen Energieversorgern liegen sollte, weisen Astrid Cullmann und ihre Mitautoren darauf hin, dass diese Entscheidung immer im Einzelfall getroffen werden sollte.

Tanja Peschel

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