Durch die Kombination aus Solarpanels nachgerüsteter Batteriespeicher den Eigenverbrauch wirtschaftlich steigern. (Quelle: Pixabay/andreas160578)
Warum sich die Rechnung für Bestandsanlagen verschiebt
Ausgeförderte Anlagen dürfen weiter einspeisen. Der Netzbetreiber zahlt dann eine Anschlussvergütung, die sich am Jahresmarktwert Solar orientiert. Das Solarpaket I hat diese Übergangsregel bis Ende 2032 verlängert. Das sichert den Weiterbetrieb, macht ihn aber selten lukrativ.
Hinzu kommt der Druck durch negative Börsenstrompreise. Seit dem 25. Februar 2025 gilt das Solarspitzengesetz. Neue Anlagen erhalten in Zeiten negativer Preise keine Einspeisevergütung. Bestandsanlagen sind davon zunächst nicht betroffen. Sie können aber freiwillig wechseln und bekommen dafür einen Aufschlag von 0,6 Cent pro Kilowattstunde. Wie relevant das Thema ist, zeigt eine Zahl aus 2024: In diesem Jahr gab es 457 Stunden mit negativen Strompreisen.
Der Markt hat darauf reagiert. Großhändler wie TRITEC, der seit 1987 Installateure und Planer mit PV-Komponenten beliefert, führen Nachrüstspeicher heute als eigene Produktkategorie. Diese Systeme lassen sich an bestehende Anlagen koppeln, ohne dass der vorhandene Wechselrichter getauscht werden muss.
AC- oder DC-Kopplung: Was beim Nachrüsten technisch zählt
Bei Bestandsanlagen ist die AC-Kopplung der übliche Weg. Der Speicher bekommt einen eigenen Batteriewechselrichter und wird auf der Wechselstromseite des Hausnetzes angeschlossen. Die alte PV-Anlage bleibt unverändert. Ein DC-gekoppeltes System setzt dagegen einen Hybridwechselrichter voraus, der Module und Batterie gemeinsam verwaltet. Bei einer älteren Anlage bedeutet das meist einen Tausch des Wechselrichters.
Lange galt die AC-Variante wegen der zusätzlichen Umwandlungsschritte als deutlich ineffizienter. Die Stromspeicher-Inspektion 2026 der HTW Berlin relativiert das. Wurde derselbe Wechselrichter einmal AC- und einmal DC-gekoppelt vermessen, lag der Unterschied bei 0,8 Prozent. Zwischen dem besten und dem schwächsten Gerät der 10-kW-Klasse lagen dagegen 7,6 Prozentpunkte. Das konkrete Produkt entscheidet also stärker über die Effizienz als die Kopplungsart.
Als Vergleichsmaßstab dient der System Performance Index (SPI). Er bildet die Gesamteffizienz von Wechselrichter und Batterie unter realistischen Jahresbedingungen ab. Die Pfadwirkungsgrade beim Laden und Entladen werden nach der Norm DIN VDE V 0510-200 ermittelt. In der 5-kW-Klasse erreichte ein AC-gekoppeltes System einen SPI von 93,2 Prozent und setzte sich damit an die Spitze der AC-Geräte. Zum ersten Mal haben die Forschenden auch die Garantiebedingungen der Hersteller untersucht.
Dimensionierung und Wirtschaftlichkeit realistisch einschätzen
Ein Speicher rechnet sich nur, wenn tagsüber genug Überschuss entsteht und abends ausreichend Strom verbraucht wird. Wer tagsüber kaum zu Hause ist und abends kocht, wäscht oder ein E-Auto lädt, profitiert eher. Mit Speicher steigt der Eigenverbrauchsanteil häufig von etwa 30 auf 60 bis 70 Prozent.
Dem steht der Preis jeder gespeicherten Kilowattstunde gegenüber. Ohne Förderung liegen die Speicherkosten inklusive Wechselrichter derzeit zwischen 22 und 28 Cent pro Kilowattstunde. Effizienz wirkt sich direkt auf diese Rechnung aus. Nach Berechnungen der HTW Berlin kostet jeder Prozentpunkt SPI-Verlust in der 10-kW-Klasse rund 26 Euro pro Jahr. Zwischen dem effizientesten und dem schwächsten Speicher im Test lagen etwa 200 Euro jährlich.
Bei Ü20-Anlagen kommt eine weitere Größe dazu: die Restlebensdauer. Module arbeiten nach 20 Jahren oft noch zuverlässig, Wechselrichter dagegen erreichen in diesem Alter häufig das Ende ihrer Nutzungszeit. Steht ohnehin ein Tausch an, kann ein Hybridwechselrichter mit DC-Speicher die sinnvollere Lösung sein. Ein Vorteil bleibt in beiden Fällen bestehen: Für Speicher an Wohngebäuden gilt der Nullsteuersatz bei der Umsatzsteuer, auch bei der Nachrüstung an einer Ü20-Anlage.
Nächste Schritte für Anlagenbetreiber
Am Anfang steht ein Blick in die eigenen Unterlagen. Das Inbetriebnahmedatum zeigt, wann die EEG-Förderung endet. Der Eintrag im Marktstammdatenregister der Bundesnetzagentur sollte aktuell sein, denn auch ein neuer Speicher muss dort registriert werden.
Danach lohnt sich eine Auswertung des eigenen Verbrauchs. Smart-Meter-Daten oder die Monitoring-Werte des Wechselrichters zeigen, wie viel Überschuss tatsächlich anfällt und zu welchen Tageszeiten Strom gebraucht wird. Erst auf dieser Basis lässt sich die Speichergröße sinnvoll festlegen.
Bei der Produktauswahl hilft der Stromspeicher-Inspektor der HTW Berlin, der die Testergebnisse vergleichbar macht. Im Gespräch mit dem Installationsbetrieb sollten drei Punkte geklärt werden: der SPI des geplanten Systems, der Stand-by-Verbrauch und die Garantiebedingungen. Ebenso gehört der Zustand des vorhandenen Wechselrichters auf den Prüfstand, bevor die Entscheidung zwischen AC- und DC-Kopplung fällt.