Umsetzung der netzorientierten Steuerung gemäß § 14a EnWG in der Praxis

Marcel Karell, Account Manager Energieversorger bei Janitza: „Solange intelligente Messsysteme und steuerbare Verbrauchseinrichtungen nicht flächendeckend vorhanden sind, können wir über diese Systeme nicht wirklich regeln.“

Unter anderem müssen bestimmte Spannungs- und Stromwerte ermittelt werden. Was bedeutet das für das Thema Messen, etwa was die Genauigkeit angeht? 
Die Netzbetreiber sollten Spannungs- und Stromwerte zeitgleich messen. Entscheidend ist nämlich die Bestimmung der Stromflussrichtung. Beziehe ich derzeit Energie aus dem Netz – etwa an einem kalten, bewölkten Tag mit hoher Wärmepumpenlast – oder findet an einem sonnigen Sommertag eine Rückspeisung aus PV-Anlagen ins Verteilnetz statt? Bei Haushalten greift das Mess- und Eichrecht, daher ist die Genauigkeit dort zentral. Auf der Ebene von Ortsnetzstationen und Kabelverteilern ist sie dagegen von nachrangiger Bedeutung. Es reichen Genauigkeiten von ein bis fünf Prozent, um den Netzzustand zu ermitteln. Der Paragraph 14a spricht hier von Minutenmittelwerten und damit von einer Echtzeitmessung. Am Ende zählen die regelkonforme Umsetzung und die kontinuierliche Bereitstellung der Werte.

Ziel ist die zuverlässige Erkennung von Netzengpässen, um darauf aufbauend netzorientierte Steuerungsmaßnahmen durchzuführen. Welche Messungen, an welchen Punkten sind für ein erfolgreiches Agieren entscheidend?
Die Bundesnetzagentur hat dafür zwei Lösungswege definiert: Entweder werden mindestens 15 Prozent aller Netzanschlüsse eines Netzbereichs mit intelligenten Messsystemen ausgestattet. Oder die Netzzustandsschätzung erfolgt über Netzzustandsdaten an den Trafoabgängen – dann genügt eine Ausstattung von sieben Prozent. Eine Korrektur nach oben oder unten ist nicht ausgeschlossen. Die Netzbetreiber sind gut beraten, wenn sie in den Trafostationen starten. Dort lassen sich die Daten unkompliziert erheben und liegen in ihrem Einflussbereich. Irgendwann wird der Messstellenbetreiber für die gelieferten Anschlussdaten sicherlich eine Vergütung erwarten. Schon heute zeigt sich in der Praxis, dass die Netzbetreiber verstärkt in ihr Netz investieren und verhalten sind bei der Ausrüstung mit Smart Meter Gateways.

2 / 5

Ähnliche Beiträge