Umsetzung der netzorientierten Steuerung gemäß § 14a EnWG in der Praxis

Die Netzvisualisierungssoftware GridVis erfasst, visualisiert und analysiert zentral alle relevanten Messdaten

Janitza hat unterschiedliche Lösungen für ein flächendeckendes Messen im Angebot. Diese reichen vom Messen am Umspannwerk bis hin zu Messungen an Hausanschlusskästen. Könnten Sie das dahinterstehende Konzept kurz erläutern?
Wir unterstützen Verteilnetzbetreiber bei der Erfassung des Lastflusses auf Ebene von Ortsnetzstationen und Kabelverteilern und ermöglichen so eine effiziente Netzüberwachung. Mit dem Energieanalysator UMG 800 und dem Netzanalysator UMG 801 bieten wir eine modulare Messtechnik, die sowohl die Transformatoreinspeisung als auch sämtliche Niederspannungsabgänge erfasst. Sie eignet sich gleichermaßen für Neuanlagen wie für das Retrofit in Bestandsanlagen. Offene und transparente Schnittstellen sichern Investitionen langfristig ab. Die Funktion der gerasterten Mittelwerte erlaubt zudem den direkten Vergleich mehrerer Messungen.

Welche Rolle spielt generell die Dokumentation der Messergebnisse im Rahmen der Netzzustandsermittlung?
Dokumentation ist häufig ein leidiges Thema, obwohl es enorm wichtig ist. Netzbetreiber sind verpflichtet, die kritischen Netzzustände nachzuweisen und diskriminierungsfrei zu regeln. Für die notwendige Transparenz sorgt die automatisierte Meldung und Veröffentlichung der Maßnahmen auf dem öffentlich zugänglichen Web-Portal VNBdigital.de. Diese Vorgabe kann den Wettbewerb fördern. Wenn sich etwa ein E-Auto-Besitzer überlegt, wo er mit seinem Elektroauto hinzieht, dann sucht er sich vielleicht eine Region aus, in der nicht ständig gesteuert wird, sondern wo man das Auto dauerhaft mit voller Leistung laden kann. Dokumentation ist damit nicht nur regulatorische Pflicht, sie sorgt auch für die Transparenz bei den Endanwendern.

Neben der Darstellung und Dokumentation spielt auch die Analyse der Messergebnisse eine Rolle. Wo liegen hier die Herausforderungen?
Die sogenannte State Estimation, also die Netzzustandsschätzung, basiert auf den Messwerten aus dem Feld, egal ob Ortsnetzstation oder iMSys. Dies ist der bedeutendste und wichtigste Schritt in der Prozesskette. Im Prinzip müssen die Niederspannungsnetze das nachholen, was die Übertragungsnetzbetreiber längst umsetzen. Netzbetreiber sollen ihren digitalen Zwilling mit entsprechend genauen Planungsdaten und Informationen aus ihren Geoinformationssystemen füttern. Der digitale Zwilling ist immer nur so präzise wie das hinterlegte Netzmodell. Durch den Einsatz künstlicher Intelligenz verbessert er sich jedoch kontinuierlich. Die korrekte Datenerfassung ist aus meiner Sicht eine der größten Herausforderungen. Der Ist-Zustand ist in den Unterlagen meist unzureichend abgebildet. So sind Kabelverlegungen häufig nicht entsprechend genau dokumentiert. Ein großer Teil der Erfahrung geht auch mit den Netzmeistern in den Ruhestand.

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