Bild 1. Durch den Einsatz einer bedarfsorientierten Beleuchtung wird der Energieverbrauch in Giardinello erheblich reduziert

Bild 1. Durch den Einsatz einer bedarfsorientierten Beleuchtung wird der Energieverbrauch in Giardinello erheblich reduziert (Quelle: Franco e Guisto Scafidi)

Wenn über Smart Cities gesprochen wird, denken viele Menschen meist an futuristische Mega-Cities, mindestens aber an große Städte in internationalen Ballungsräumen. Als Beispiel sei Singapur genannt, wo selbstfahrende Busse in einem speziellen Areal getestet werden. In Barcelona sind mittlerweile über 12 000 Sensoren verbaut. Die Straßen in Seoul verfügen über ein Netz von Induktionsschleifen, um elektrisch angetriebene Busse schon während der Fahrt zu laden. Dies sind eindrucksvolle Beispiele mit entsprechender Strahlkraft. Bei aller Bewunderung bleibt das Bewusstsein, dass ein großer Teil der Bevölkerung nicht in Großstädten lebt, sondern in Kleinstädten oder Dörfern. Sind Smart-City-Lösungen in diesen Lebensräumen überhaupt sinnvoll? Auf diese Frage gibt es keine pauschale Antwort. Es bedarf vielmehr einer genaueren Betrachtung der infrage kommenden Applikationen.  

Vom Grundprinzip geht es bei Smart-City-Anwendungen in erster Linie da­rum, das Leben der Bürger komfortabler zu gestalten. Eine Maßnahme sollte also möglichst zu einer Verbesserung der jeweiligen Situation beitragen, mindestens jedoch eine Verschlechterung verhindern oder abmildern. In diesem Rahmen finden sich noch zahlreiche Ansatzpunkte mit Potenzial – selbst für kleine und mittelgroße Lebensräume. In Zeiten, in denen die Gesellschaft von einer Krise in die nächste rutscht, verschieben sich Anforderungen und Prioritäten. Sogenannte Krisen lassen sich daher ebenfalls als Chance nutzen. Die Corona-Pandemie hat beispielsweise in vielen Bereichen zu einem Digitalisierungsschub geführt. Heute sehen sich vor allem die europäischen Volkswirtschaften von einer Energiemangellage bedroht. Welche Chancen bieten Smart-City-Lösungen kleineren Städten in einer solchen Situation?

Berücksichtigung der technischen Anforderungen unterschiedlicher Leuchtentypen

Vielleicht waren es genau diese Gründe, die den kleinen sizilianischen Ort Giardinello mit seinen rund 2300 Einwohnenden dazu veranlasst haben, über smarte Lösungen für die öffentliche ­Infrastruktur nachzudenken. Denn wie die meisten Privathaushalte versuchen die Kommunen, Energieverbräuche jeglicher Art zu senken und somit Kosten zu reduzieren, die letztlich durch die Steuerzahler getragen werden müssen. Speziell bezogen auf die Energieeinsparungen kommt es in der aktuellen Lage auf jeden Prozentpunkt an, damit unter anderem die Versorgungssicherheit gewährleistet ist. Neben den öffentlichen Gebäuden sowie der Wasserver- und -entsorgung gehört die Straßenbeleuchtung zu den großen Verbrauchern in einer Kommune (Bild 1).  

Vor diesem Hintergrund hat ­Giardinello die Beleuchtung bereits in jüngerer Vergangenheit auf LED-Technik umgerüstet. Auf dieser Grundlage haben sich die Verantwortlichen entschieden, eine moderne und digitale Lösung für das Management der öffentlichen Straßenbeleuchtung umzusetzen. Ziel der Erneuerung war eine flexible Lösung mit der Möglichkeit zur weiteren Energieeinsparung. Außerdem sollte der Zustand jeder einzelnen Leuchte einsehbar sein und die Lösung auf einer weit verbreiteten und skalierbaren Technologie basieren, was die Abhängigkeit von einem Hersteller ausschließt sowie für Zukunftssicherheit sorgt. Da es bei der Beleuchtung ebenso um das Thema Sicherheit geht, muss die Applikation entsprechend ausgelegt respektive geschützt sein. Eine besondere Herausforderung stellten die unterschiedlichen Leuchtentypen dar. Während in einigen Teilen des Ortes Leuchten mit einem modernen Design installiert sind, bestimmen in anderen Teilen von Giardinello historisch anmutende Leuchten den sizilianisch dörflichen Charakter. Es lag hierbei insofern eine schwierige Aufgabe vor, weil es eine technische Bewandtnis zu berücksichtigen galt (Bild 2).

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