Baustelle vor einer spätgotischen Kirche

Die Fernwärme Duisburg schließt die Salvatorkirche an die Fernwärme an (Quelle: Fernwärme Duisburg)

Die Salvatorkirche, deren Grundstein vermutlich bereits 1316 gelegt wurde, gehört zu den bedeutendsten spätgotischen Bauwerken am Niederrhein. Seit ihrer Fertigstellung im Jahr 1415 ist sie eine der besonderen Landmarken der Stadt an Rhein und Ruhr. Gleichzeitig steht sie stellvertretend für viele historische Gebäude, deren energetische Modernisierung nur eingeschränkt möglich ist. Außendämmungen, Veränderungen an der Fassade oder technische Umbauten sind häufig ausgeschlossen oder nur unter strengen Auflagen zulässig. Gerade deshalb gewinnen Lösungen an Bedeutung, die den Ausstieg aus fossilen Energieträgern ermöglichen, ohne den Charakter des Gebäudes zu verändern.

Die Idee, die Kirche an das Fernwärmenetz anzuschließen, entstand auf Initiative von Oberbürgermeister Sören Link, der den Kontakt zwischen den Beteiligten herstellte. „Die Salvatorkirche zeigt eindrucksvoll, dass Klimaschutz und Denkmalschutz gemeinsam funktionieren können. Wir machen ein Gebäude, das seit Jahrhunderten unsere Stadt prägt, fit für die Zukunft – ohne seine historische Identität zu verändern. Dieses Projekt kann Vorbild für viele weitere besondere Gebäude sein“, sagt Link.

„Für uns als Kirche ist die Bewahrung der Schöpfung ein zentrales Anliegen unseres Handelns. Wir haben uns für alle unsere Gebäude die Vorgabe gemacht, bis im nächsten Jahrzehnt klimaneutral zu werden. Mit dem Umstieg auf Fernwärme sparen wir sofort Emissionen ein und können unsere Kirche trotzdem weiter wie gewohnt auch in den kalten Monaten nutzen“, erklärt Martin Winterberg, Pfarrer an der Salvatorkirche und Vorsitzender des Presbyteriums.

Herausforderungen des Denkmalschutzes gemeistert

Die Planungen für den Fernwärmeanschluss mit 400 kW Anschlussleistung begannen bereits im Dezember 2024. Die Bauarbeiten starteten dann Mitte Juni dieses Jahres. Dabei wurde auch der bisherige Gasanschluss zurückgebaut. Parallel werden im Gebäude vorbereitende Arbeiten für die Installation der Fernwärme-Übergabestation vorgenommen.

Die größte Herausforderung lag jedoch nicht unter der Straße, sondern im Gebäude selbst. Aufgrund des Denkmalschutzes durfte die historische Bausubstanz nur minimal verändert werden. Üblicherweise wird ein Gebäude über eine neue Hauseinführung an die Fernwärme angeschlossen oder – falls dies nicht möglich ist – über ein kleines oberirdisches Anschlussbauwerk. Beides kam bei der Salvatorkirche nicht infrage. Nach intensiven Abstimmungen mit den zuständigen Behörden entwickelte die Fernwärme Duisburg eine individuelle Lösung: Die bestehende Hauseinführung des ehemaligen Gasanschlusses wird künftig auch für die Fernwärmeleitungen genutzt. So bleiben sowohl die historische Fassade als auch das äußere Erscheinungsbild der Kirche vollständig erhalten. 

„Gerade denkmalgeschützte Gebäude verlangen maßgeschneiderte Lösungen. Dieses Projekt zeigt, dass Fernwärme auch unter schwierigen baulichen Rahmenbedingungen technisch zuverlässig umgesetzt werden kann. Gemeinsam mit allen Beteiligten haben wir einen Weg gefunden, der sowohl den Anforderungen des Denkmalschutzes als auch einer modernen Wärmeversorgung gerecht wird“, sagt Joel Schlüter, der das Projekt für die Fernwärme Duisburg leitet.

Wärmewende für historische Gebäude

Die Salvatorkirche ist dabei weit mehr als ein Einzelprojekt. Sie steht beispielhaft für viele Bestandsgebäude, deren energetische Sanierung nur eingeschränkt möglich oder wirtschaftlich kaum darstellbar ist. In solchen Fällen ist Fernwärme oft eine gute Option. Sie liefert die erforderlichen Vorlauftemperaturen unmittelbar, sodass bestehende Heizkörper häufig weiter genutzt werden können. Gleichzeitig sind keine sichtbaren Außengeräte erforderlich und Eingriffe in die Gebäudesubstanz bleiben gering. Für viele historische Gebäude eröffnet sie damit einen praktikablen Weg, fossile Energieträger zu ersetzen, ohne den Gebäudecharakter zu verändern. 

Mit dem Ausbau der Wärmenetze wächst zugleich ihr Beitrag zum Klimaschutz. Bereits heute setzt die Fernwärme Duisburg auf einen Energiemix aus Erdgas, industrieller Abwärme, Biomasse und Großwärmepumpen. Außerdem soll die Wärme ab 2035 vollständig CO2-neutral erzeugt werden. Jeder neu angeschlossene Kunde profitiert damit automatisch von der fortschreitenden Dekarbonisierung der Wärmeerzeugung.

EHP-Redaktion

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