Digitale Trafostation im All Electric Society Park

Digitale Trafostation im All Electric Society Park (Quelle: Phoenix Contact)

Einen entscheidenden Meilenstein auf dem Weg zu einer lebenswerten Welt stellt die für Deutschland geplante Klimaneutralität bis 2045 dar. Dazu müssen die Treibhausgasemissionen über alle Sektoren hinweg reduziert werden. Eine Schlüsselrolle kommt dabei der Elektrifizierung bisher fossil betriebener Anwendungen und damit dem notwendigen Ausbau der erneuerbaren Energieerzeugung durch Windkraft und Photovoltaik sowie der elektrischen Infrastruktur zu.

Mit diesen Veränderungen steigen die Anforderungen an die Verteilnetze deutlich. Netzplaner müssen nun sowohl neue Verbraucher – wie Ladestationen oder Wärmepumpen – als auch neue regenerative Erzeuger einbeziehen. Ein solcher Umbau kann nicht von heute auf morgen erfolgen. Während die vorhandene Infrastruktur so effektiv wie möglich genutzt werden sollte, sind bei deren Neubau innovative Ansätze erforderlich. Vor diesem Hintergrund hat Phoenix Contact den All Electric Society Park entwickelt, in dem die benötigten Technologien und deren Zusammenspiel erlebbar werden. Im Zentrum des Parks steht eine digitale, grüne Trafostation von GRITEC (ehemals Betonbau). Sie verdeutlicht, was bereits mit den bestehenden Technologien möglich ist (Abb. 1).

Dach- und Vertikalbegrünung für ein gutes Mikroklima  

„Das sieht aber schön aus“: Dieser oder ein ähnlicher Kommentar fällt häufiger, wenn die Mitarbeiter von Phoenix Contact mit Besuchern vor der Trafostation im All Electric Society Park in Blomberg stehen. Die Begeisterung gilt dem üppig-grünen Bewuchs, der das Erscheinungsbild des Stationsgebäudes prägt. Die auffällige Begrünung besteht aus zwei separaten Bereichen. Die Dachbegrünung umfasst verschiedene genügsame niedrigwachsende Pflanzen, die gut durch den gelegentlich auf das Flachdach fallenden Regen gedeihen. Sie wurde durch sofort einsetzbare sowie fertig kultivierte Systemkassetten umgesetzt, welche gleichzeitig die Funktion eines Wasserspeichers übernehmen.

Außerdem verfügt die Trafostation über eine nach Nordwesten ausgerichtete Vertikalbegrünung, die mit Pflanzenkassetten an der Außenwand angebracht worden ist. Die Gräser und Blütenpflanzen werden durch ein automatisches Bewässerungssystem mit Wasser und Nährstoffen versorgt. Das Wasser stammt aus der Regenwasserzisterne im Park. Neben den genannten Gräsern finden sich Bergenien, Campanula und Heuchera in den Wandkassetten. Die Begrünung fungiert nicht nur als attraktiver Blickfang, sondern leistet ebenfalls einen wichtigen Beitrag zum Mikroklima.

Einsparung von mehr als 15 t Beton

Die eigentlichen Werte liegen, wie so oft, im Inneren der Station. Die auffällige Trafostation wurde aus Carbonbeton gefertigt. Statt der üblichen Stahlarmierung verstärken Matten aus in einer Kunststoffmatrix eingebetteten Carbonfasern den Beton. Beim klassischen Stahlbeton verleiht eine Bewehrung aus Stahl dem Beton die geforderte Zugfestigkeit. Zum Schutz des Stahls vor Rost und Umwelteinflüssen müssen die Wandstärken entsprechend dick ausgeführt werden, sodass eine ausreichende Betonüberdeckung gegeben ist. Da Carbon nicht rostet, konnten die Wandstärken der Trafostation von 14 auf 8 cm reduziert und so mehr als 15 t Beton eingespart werden. Das wirkt sich positiv auf den CO2-Fußabdruck der Station aus. Darüber hinaus hat Carbonbeton weitere Vorteile, z.B. eine siebenmal höhere Zugfestigkeit und eine geringere Anfälligkeit im Hinblick auf Rissbildungen. Durch die Vermeidung von Rost- und Rissbildung erhöht sich ferner die Lebensdauer des Gebäudes. Die Neuartigkeit des Werkstoffs bedingt methodische Veränderungen im Planungs- und Produktionsprozess, denn Carbonbeton ist aktuell noch nicht genormt. Deshalb besteht derzeit die Notwendigkeit einer sog. Zulassung im Einzelfall (ZiE).

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