Im Rahmen des Forschungsprojekts UrbanTurn wird ein thermisches Testnetz im „District LAB“ errichtet, mit dem erprobt werden soll, wie das Einspeisen von Wärme aus erneuerbaren Energien optimiert werden kann

So wie es in Chemnitz eine Forschungsmesstrecke (Foto) gibt, so wird auch im Rahmen des Forschungsprojekts UrbanTurn ein thermisches Testnetz im „District LAB“ errichtet (Quelle: AGFW)

Das Gesamtziel des vom Bundeswirtschaftsministerium geförderten Forschungsvorhabens „UrbanTurn: Wandlung der urbanen leitungsgebundenen Wärmeversorgung“ (FKZ: 03EN3029) ist  es, technische Lösungen zu erarbeiten und abzuleiten, um die Potenziale zu nutzen, die sich im Zuge der Digitalisierung bzw. der Weiterentwicklung der Fernwärmesysteme ergeben. Das Fraunhofer-Institut für Energiewirtschaft und Energiesystemtechnik IEE koordiniert das bis 2025 laufende Projekt, dem als Projektpartner der AGFW, Brugg Rohrsysteme GmbH, Danfoss GmbH, GEF Ingenieur AG und die HafenCity Universität Hamburg angehören.

Die Verbundprojektpartner profitieren dabei von der Versuchseinrichtung „District LAB“, die am Fraunhofer IEE in Kassel entsteht. Ein wesentlicher Bestandteil des „District LAB“ ist ein thermisches Testnetz, das aus erdverlegten Rohrleitungen, Anschlussstationen sowie Speicher- und Erzeugereinheiten besteht. Mit diesem Testnetz lassen sich verschiedene, komplexe Versorgungsszenarien umsetzen und ganzheitlich analysieren. Ein umfassendes Mess- und Regelungssystem bildet die Grundlage für eine vollständige Auswertung der hydraulischen und thermischen Betriebszustände. Dabei können durch die messtechnische Ausrüstung der erdverlegten Rohrleitung, die Auswirkungen der Betriebszustände auf die Belastung der Rohrleitung quantifiziert und zur Weiterentwicklung der leitungsgebundenen Wärmeversorgung verwendet werden.

Darüber hinaus verfolgt das Projekt folgende Teilziele:

  • Erprobung und Entwicklung neuer Netzkomponenten im Zusammenspiel mit der Versuchseinrichtung unter Berücksichtigung eines charakteristischen Gesamtsystemverhaltens,
  • Quantifizierung der Auswirkungen volatiler Drücke und Temperaturen auf die Hydraulik und die Beanspruchungen des Wärmenetzes,
  • Entwicklung und Validierung von Maßnahmen zur Transformation bestehender Fernwärmesysteme,
  • Erarbeitung von Vorschlägen zur Novellierung des technischen Regelwerks der Fernwärmestatik,
  • Untersuchung und Entwicklung von Methoden und Instrumenten zur Digitalisierung der Fernwärmeversorgung.

Möglichkeit zur Teilnahme im Industrie-Begleitkreis

Die Verzahnung von Wissenschaft und Praxis ist ein weiteres Kernelement des Forschungsvorhabens „UrbanTurn“. Bereits während der Antragsphase des Projekts haben Industrieunternehmen anhand eines „Letters of Intent“ ihre Teilnahme am Industrie-Begleitkreis zugesagt. Zusätzlich haben sie dadurch den Bedarf der Branche nach zielgerechten Tests von Systemkomponenten, Verlegemethoden und Regelstrategien unter Praxisbedingungen, wie sie im „District LAB“ möglich sein werden, zur Beschleunigung der Migration von Forschungsergebnissen in die Praxis betont.

Bislang haben die Stadtwerke Neuburg a. d. Donau, die Technische Werke Ludwigshafen AG, die Waso Energie GmbH & Co. KG, die Enerpipe GmbH, die Viessmann Werke GmbH & Co. KG, die Stiebel Eltron GmbH & Co. KG und die Samson AG ihre Teilnahme am Industrie-Begleitkreis zugesagt, der noch für weitere Teilnehmer offen ist. Der Industrie-Begleitkreis bietet die Gelegenheit, eigene Erfahrungen in die praxisnahen Tests in der Versuchseinrichtung „District LAB“ einzubringen. Gleichzeitig erhalten die Teilnehmer zum frühestmöglichen Zeitpunkt die Projektergebnisse. Interessierte Unternehmen können sich gerne an Stefan Hay vom AGFW (s.hay@agfw.de) oder Dr. Anna Kallert vom Fraunhofer-Institut IEE (anna.kallert@iee.fraunhofer.de) wenden.

EHP-Redaktion

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