Jedes fünfte Dach ist im Netzgebiet von Fairnetz mittlerweile mit einer PV-Anlage ausgestattet (Bildquelle: Fairnetz)
Rund 11700 Photovoltaikanlagen speisen bereits Strom in das Netz der FairNetz GmbH ein – damit ist jedes fünfte Dach im Netzgebiet mit einer PV-Anlage ausgestattet. Inzwischen übersteigt die installierte Einspeiseleistung sogar die Spitzenlast im Netzgebiet – das bedeutet: Rein rechnerisch produzieren die Anlagen mehr Strom, als gleichzeitig verbraucht werden kann. Das Stromnetz habe sich von einem reinen Verbrauchsnetz zu einem dezentralen Erzeugungsnetz gewandelt – schneller, als es in bisherigen Prognosen vorhersehbar war, teilt Fairnetz dazu mit.
An besonders sonnenreichen Tagen mit gleichzeitig geringem Verbrauch entstehen sogenannte Solarspitzen. Dann erzeugen Solaranlagen zeitweise mehr Strom, als das Netz aufnehmen oder sinnvoll weiterleiten kann. "Solche Extremwerte zeigen, wie notwendig es ist, Netzkapazitäten deutlich schneller auszubauen – und gleichzeitig flexible Lösungen wie Stromspeicher, Verbrauchsmanagement und notfalls auch temporäre Einspeisebegrenzungen zu ermöglichen", erklärt Mona Keller, Leiterin Netzentwicklung, der FairNetz GmbH.
Neue Einspeisung gefährdet Netzstabilität
Die Entwicklung hat zur Folge, dass in einzelnen Gebieten derzeit keine neue Einspeisung mehr möglich ist, ohne die Netzstabilität zu gefährden, teilt der Netzbetreiber dazu mit. Um dennoch Investitionen in PV-Anlagen nicht auszubremsen, setzt man auf eine Übergangslösung: die sogenannte Nulleinspeisung. Der Netzbetreiber will seinen Kunden so den Bau und Betrieb ihrer Anlage für den Eigenverbrauch ermöglichen, auch wenn derzeit noch keine Einspeisung ins öffentliche Netz genehmigt werden könne. Sobald die nötigen Netzausbaumaßnahmen abgeschlossen sind, könnte die Einspeisegenehmigung nachträglich erteilt werden, erläutert man bei Fairnetz.
Dass die Grenzen des Netzes erreicht sind, liege nicht an fehlendem Willen. Vielmehr sind es laut dem Netzbetreiber aus Reutlingen strukturelle und finanzielle Rahmenbedingungen, die den Netzausbau verlangsamen: aufwändige Planungs- und Genehmigungsverfahren, knappe Ressourcen an Fachkräften und Material sowie eine bislang ungenügende Finanzierungsperspektive für Verteilnetze. Insbesondere bei der Suche nach geeigneten neuen Stellplätzen für Ortsnetzstationen stehe man aufgrund von begrenzten kommunal verfügbaren Flächen vor Herausforderungen.