Neue VDE Studie zur Automatisierung der Stromverteilnetze

Beobachtbarkeit und Steuerbarkeit der Netze sind zwingend, Technik und regulatorischer Rahmen müssen stimmen (Bildquelle: VDE)

"Die Komplexität hat inzwischen einen Grad erreicht, der umfangreiche Assistenzsysteme und Automatisierungsfunktionen in den Verteilnetzen erfordert", erläutert Dr. Sönke Loitz von der Netze BW und Leiter der VDE ETG Task Force, die die Studie zur Hochautomatisierung von Nieder- und Mittelspannungsnetzen erarbeitet hat. "Nur so kann die Netzführung die Komplexität beherrschen und die notwendigen Aufgaben und Entscheidungen umsetzen", führt Loitz weiter aus.

Dennoch gibt es in Deutschland derzeit nur wenige Automatisierungslösungen im Nieder- und Mittelspannungsnetz, die über einen Pilotcharakter hinausgehen. "Das Ziel der Task Force war es daher, die Mehrwerte der Automatisierung in den Nieder- und Mittelspannungsnetzen klar herauszustellen und Handlungsempfehlungen für die verschiedenen Akteure im Umfeld eines (hoch-) automatisierten Netzbetriebs auszusprechen", so Dr. Karsten Viereck von der Maschinenfabrik Reinhausen, der die Task Force als Mentor aus dem VDE ETG Vorstand begleitete.

Handlungspfad zu einem hochautomatisiertem Verteilnetz

Insbesondere wenn in den Nieder- und Mittelspannungsnetzen verstärkt eine aktive Netzführung angestrebt wird, ist aufgrund deren großen Zahl eine bedarfsorientierte Automatisierung erforderlich. Die VDE Studie zeigt einen praxisnahen Handlungspfad hin zu einem hochautomatisiertem Verteilnetz auf und identifiziert gleichzeitig weitere Anforderungen und Forschungsbedarf.

Zusätzlich zu dem Ermöglichen eines aktiven Netzbetriebs durch entsprechende Änderung der regulatorischen Rahmenbedingungen ist es auch notwendig, diese Art des Netzausbaus dem konventionellen Netzausbau finanziell nicht schlechter zu stellen, betonen die Studienautoren. Gleichzeitig seien Rahmenbedingungen zu schaffen, in denen zum Beispiel Software-Updates aus der Ferne zulässig sind, ohne die Funktionen der Anlagen vor Ort erneut prüfen zu müssen.

Auch Betriebsprozesse müssten automatisiert werden, um so etwa die Datenlage und Datenqualität zu verbessern. Und nicht zuletzt sind laut der Studie bei der Transformation der Nieder- und Mittelspannungsnetze auch die Beschäftigten, etwa durch entsprechende Qualifikationsmaßnahmen mit einzubeziehen.

 

np-Redaktion

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