Neues Spannungslevel der Übertragungsleistung für Offshore-Windenergie

Die Produktion der Kabel bei LS Cable in Donghae (Südkorea) soll 2028 abgeschlossen sein (Bildquelle: Tennet)

Mit dem Produktionsstart bei LS Cable in Donghae (Südkorea) beginnt ein neues technologisches Kapitel für die Offshore-Netzanbindungssysteme von Tennet. Die neuen Kabel mit 525 kV Spannung heben die Übertragungsleistung für Offshore-Windenergie laut dem Übertragungsnetzbetreiber auf ein neues Spannungslevel. Mit ihnen ist es möglich, 2 GW Gleichstrom über weite Entfernungen verlustarm zu übertragen. Bislang wurden 320-kV-Kabel für Offshore-Netzanbindungen eingesetzt, etwa bei den 900-MW-Projekten von Tennet.

Der Start der Kabelproduktion ist Teil des Rahmenvertrags, den Tennet im Mai 2023 mit dem Konsortium bestehend aus der Jan De Nul Gruppe, LS Cable & Systems und Denys geschlossen hat. Der Vertrag umfasst die Produktion und Verlegung von vier 525-kV-Gleichstrom-Kabelsystemen für die Tennet-Netzanschlussprojekte in der Nordsee. Die ersten Gleichstromkabel aus der Produktion des südkoreanischen Kabelherstellers LS Cable sind für die Netzanbindungsprojekte BalWin4 und LanWin1 vorgesehen.

Für beide Netzanbindungen wird jeweils neben einem Plus- und Minuspol künftig ein zusätzliches Kabel – ein sogenannter metallischer Rückleiter – verlegt, der im Falle von Wartungs- oder Reparaturarbeiten dafür sorgt, dass Strom weiterfließen kann. Ergänzt werden die drei Kabel durch ein zusätzliches Kommunikationskabel.

Kabelgewicht eine logistische Herausforderung

In Summe werden für die Projekte BalWin4 und LanWin1 1650 km Kabel produziert (Trassenlänge je Projekt: 275 km, davon 165 km Seekabel und 110 km Landkabel). Der innen liegende Leiter besteht aus Kupfer, was die Kabel zu echten Schwergewichten macht. Pro Meter kommen allein bei den Seekabeln rund 76 kg auf die Waage. Das Gesamtgewicht für das Seekabel (Plus/Minus-Pol) beträgt somit je Projekt rund 25000 t – laut Tennet eine logistische Herausforderung.

Die Produktion der Kabel soll 2028 abgeschlossen sein. Die Kabelverlegung auf See soll voraussichtlich in der zweiten Jahreshälfte 2026 beginnen. Dafür wird von der Jan De Nul Group das speziell für den Transport und die Verlegung der 525-kV-Gleichstromkabel auf dem Meeresboden konzipierte und bestellte, extra Kabelverlegeschiff "Fleeming Jenkin" eingesetzt.

Für das Landkabel ist der Baustart ebenfalls für die zweite Jahreshälfte 2026 vom Bauunternehmen Denys vorgesehen, hier werden die Arbeiten wie gewohnt in offener Bauweise mit einem Kabelgraben sowie in geschlossener Bauweise mittels Horizontalbohrungen durchgeführt. Diese werden zur Querung von Gewässern und bestehenden Infrastrukturen wie Bahnlinien, Deichen, Straßen und ähnlichem eingesetzt. BalWin4 soll 2029 in Betrieb genommen werden, LanWin1 im Jahr 2030.

np-Redaktion

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