Die Zentrale der Westnetz in Dortmund (Bildquelle: Westnetz)
Das "Regionalszenario West" umfasst die Bundesländer Nordrhein-Westfalen, Rheinland-Pfalz und das Saarland sowie Teile von Niedersachsen, Hessen und Bayern. Insgesamt gibt es solche Szenarien für sechs Regionen in Deutschland.
Für die "Stromautobahnen" auf der Höchstspannungsebene gibt es in Deutschland einen Netzentwicklungsplan, der auf von der Bundesnetzagentur genehmigten Annahmen und Prämissen über den künftigen Strombedarf und die Erzeugung basiert. Die Regionalszenarien brechen diesen sogenannten Szenariorahmen auf die Verteilnetzebene herunter und zeigen Leitplanken auf für den bedarfsgerechten Netzausbau auf dem Weg zur Klimaneutralität im Jahr 2045.
Abgestimmte Planung über alle Spannungsebenen
"Das bietet für alle Verteilnetzbetreiber eine gemeinsame und einheitliche Basis für die Netzplanung", sagt Patrick Wittenberg, Geschäftsführer der Westnetz. "Die Veränderungen im Energiesystem machen es mehr denn je notwendig, dass Netzbetreiber abgestimmt und in einem vereinbarten Rahmen vorgehen." Mit dem Bezug zum Szenariorahmen der Übertragungsnetzbetreiber ist eine abgestimmte Planung über alle Spannungsebenen hinweg und auch unter den Netzbetreibern der Verteilnetzebene sichergestellt.
Die Szenarien beschreiben die Entwicklung von Erzeugung und Verbrauch sowie Flexibilitäten (gemeint sind vor allem Speicher) für die Jahre 2028, 2033 und 2045. Während konventionelle Kraftwerke aus dem Markt gehen, steigen in der Planungsregion West bis zum Jahr 2045 die Erzeugung durch Windenergie fast um das Dreifache und aus Photovoltaik fast um das Achtfache.
Auch im Verbrauch zeichnen sich deutliche Veränderungen ab: Haushalte in dieser Planungsregion werden in Summe durch effizientere Geräte gut ein Sechstel weniger Strom verbrauchen – aber der Verbrauch für den Betrieb von Wärmepumpen steigt um den Faktor acht bis 2045, teilt die Verteilnetztochter der Westenergie AG dazu mit.
Gesetzlichen Auftrag umgesetzt
Die Verteilnetzbetreiber haben den gesetzlichen Auftrag für die Regionalszenarien in der vorgegebenen Jahresfrist umgesetzt. Er basiert auf Vorgaben des Energiewirtschaftsgesetzes (EnWG) aus dem Frühjahr 2022. Die Szenarien sind Grundlage für die Netzausbaupläne, die Verteilnetzbetreiber mit mehr als 100000 Kunden alle zwei Jahre veröffentlichen. Patrick Wittenberg schaut zufrieden auf den Prozess und die Ergebnisse zurück: "Für alle Verteilnetzbetreiber war die gemeinsame Arbeit an den Szenarien Neuland. Wir sind aber schnell in einen konstruktiven Austausch gekommen und haben sehr gut zusammengearbeitet."