Ein Dieb, der in der Nacht Solarpaneele stielt

73 % der Befragten gaben an, dass die Baustellenkriminalität im Herbst und Winter zunimmt – ausgenutzt wird die längere Dunkelheit und schlechtes Wetter. (Bild: Adobe Stock)

Die wachsende Baustellenkriminalität behindert zunehmend die fristgerechte Umsetzung von Energieprojekten. Mit dem Problem steht die Energiewirtschaft nicht allein. Auch Wohnungsbau und Industrie berichten davon, dass Diebstähle immer professioneller, organisierter und raffinierter ausgeübt werden. Das zeigen Zahlen des BauWatch Crime Reports 2025, für den europaweit 3.900 Entscheider mit Bau- und Energieprojekten befragt wurden, davon 500 aus Deutschland und knapp 150 aus dem Energiesektor und dem Bereich kritische Infrastrukturen.

Insgesamt 60 % der Befragten gaben an, dass die Kriminalität auf Baustellen zugenommen hat. 30 % der deutschen Befragten nennen organisierte Kriminalität als Hauptform der Baustellenkriminalität – der europäische Durchschnitt liegt um die Hälfte niedriger. Laut Statistik des Bauindustrieverbandes Ost kosten die Diebstähle allein in Ostdeutschland der deutschen Bauindustrie 475 Mio. €.

Ziel: Kritische Infrastrukturen

Zunehmend gefährdet sich laut Report kritische Infrastrukturen. In den untersuchten Ländern berichten 70 % der Befragten, die an kritischen Infrastrukturprojekten arbeiten, von einem Anstieg der Kriminalität. Besonders gefährdet sind abgelegene Standorte wie Wind- und Solarparks. In Deutschland sind Kupfer (64 %) und Kabel (56 %) die am häufigsten gestohlenen Güter auf Baustellen.

Folge sind deutliche Verzögerungen bei der Realisierung von Bauprojekten. Hier geben die Befragten an, dass sich 48 % aller Projekte aufgrund von Diebstählen um ein bis vier Wochen verzögern. 25 % aller Bauprojekte überschreiten ihr Budget aufgrund kriminalitätsbedingter Probleme.

Deutlich über dem Durchschnittswert liegen die Angaben im Energiesektor, wenn es um Schutzgeldforderungen geht. Während im Energiesektor 42 % der Befragten angaben, dass die Zahlung von Schutzgeld gefordert wurde, sind es im Durchschnitt „nur“ 28 %.

Organisiertere Diebstähle

80 % aller Befragten geben an, von professioneller Kriminalität auszugehen. Die bedient sich zudem in wachsendem Grad modernster Methoden. Neben dem Einsatz von Drohnen zur Überwachung setzen Kriminelle auch zunehmend auf das Hacking von Sicherheitssystemen oder bedienen sich KI-gestützter Betrugsmaschen, um an ihr Ziel zu kommen. Herkömmliche Sicherheitsmaßnahmen werden daher mittlerweile als unzureichend bewertet.

Besonders gefährdet sind Baustellen in der zweiten Jahreshälfte. 73 % der Befragten gaben an, dass die Baustellenkriminalität im Herbst und Winter zunimmt. Ausgenutzt wird die längere Dunkelheit, schlechtes Wetter sowie die Phasen, in denen Areale verwaist sind. Hieraus ergeben sich aber auch Ansatzpunkte für saisonale Sicherheitsanpassungen wie erweiterte Beleuchtung und Überwachung, die verstärkte Absicherung von Zugangspunkten und Lagerbereichen sowie häufigere Sicherheitskontrollen.

Der BauWatch Crime Report 2025 ist hier abrufbar.

„et“-Redaktion

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