Kraftwerk, Windanlage und Solarpanels vor einem Sonnenuntergang

Um die Residuallast zu decken, muss neben dem Ausbau der erneuerbaren Energien gesicherte Leistung ausgebaut werden, damit die Versorgungssicherheit langfristig sichergestellt ist. (Quelle: Adobe Stock)

Mehr gesicherte Leistung in der Stromerzeugung und eine nachhaltig gesicherte und diversifizierte Versorgung mit Gas wünscht sich der BDEW, um die Versorgungssicherheit in Deutschland auf einem langfristig hohen Niveau zu halten, damit Deutschland den internationalen Standortvorteil einer zuverlässigen Versorgung nutzen kann.

Im weltweiten Vergleich ist die Versorgungszuverlässigkeit in Deutschland sehr hoch. Im Durchschnitt fiel in Deutschland der Strom im Jahr 2023 rund 13 Minuten aus. Zum Vergleich lag die USA bei über sechs Stunden. Positiv bewertet der BDEW, dass das hohe Niveau in Deutschland trotz des steigenden Anteils von Strom aus erneuerbaren Energien sogar gesteigert werden konnte, was auf Investitionen in die Netzinfrastruktur und die Netzmodernisierung seitens der Netzbetreiber zurückzuführen sei.

Kraftwerkestrategie und Kapazitätsmarkt

Dennoch müsse sich Deutschland auf strukturell fehlende Stromerzeugungskapazitäten vorbereiten, indem mehr steuerbare, gesicherte Leistung zugebaut werde. Diese soll aus neuen Gaskraftwerken, die H2-ready sind, der Kraft-Wärme-Kopplung sowie – für begrenzte Zeiträume – aus Pumpspeicherwerken und Batteriespeichern kommen. Zugleich fordert der BDEW eine systemische und verstärkte Einbindung von Flexibilitäten.

Hintergrund für Handlungsbedarf ergibt sich daraus, dass bis 2038 kontinuierlich steuerbare Stromerzeugungskapazitäten in Form von Kohlekraftwerken und alten Gaskraftwerken aus dem Markt gehen. Dies mache den Aufbau neuer steuerbarer, gesicherter Leistung notwendig, um die Residuallast zu decken.

Damit dies passieren kann, drängt der BDEW auf die Umsetzung des Kraftwerkssicherheitsgesetzes (KWSG). Damit Anlagen rechtzeitig zur Verfügung stehen, müssten (wasserstofffähige) Gaskraftwerke spätestens Anfang 2026 ausgeschrieben werden. Hierin sieht die Vorsitzende der BDEW-Hauptgeschäftsführung, Kerstin Andreae, auch einen wichtigen Punkt, um die Bevölkerung mitzunehmen. Sie betont: „die Akzeptanz der Energiewende würde leiden, wenn die Versorgungssicherheit nicht gewährleistet wird.“

Ergänzt sehen will der BDEW den Ausbau über das KWSG mit einem technologieoffenen Kapazitätsmarkt. Er soll den Bau weiterer Kapazitäten anreizen und neben Flexibilitäten und Speichern auch Biogas- und KWK-Anlagen sowie Wasserkraftwerke im Bestand berücksichtigen. Dieser soll auf das KWSG abgestimmt sein.

Resiliente Gasversorgung

Im Sinne der Resilienz soll zudem eine diversifizierte Gasversorgung zur Versorgungssicherheit in Deutschland beitragen. Sie soll Abhängigkeiten von einzelnen Lieferländern vermeiden, um Produktions- und Lieferschwankungen auszugleichen. Neben der Rolle der Gasspeicher für die Versorgungssicherheit betont der BDEW auch die Bedeutung von Langfristverträgen. Sie müssten unterstützt werden, um die Betroffenheit von den starken Spotmarktschwankungen zu verringern. Der Zugang zum Weltmarkt dürfe durch die Rahmenbedingungen, die die EU setzt, nicht gefährdet werden, hebt der BDEW mit Blick auf die geplante Methanemissionsverordnung hervor.

Für Klimafreundlichkeit, Resilienz und Unabhängigkeit sollen Deutschland und Europa auf den weiteren Ausbau der Erneuerbaren sowie einen verstärkten Wasserstoffhochlauf setzen. Dazu brauche es den Ausbau einer H2-Infrastruktur – auch inkl. Umwidmung bestehender Gasnetze. Zudem müsse sich auf EU-Ebene eine Wasserstoffallianz bilden, die sich für eine pragmatische und kosteneffizientere EU-Regulierung einsetzt – eine Forderung, die der BDEW gemeinsam mit 13 weiteren Verbänden aus Energiewirtschaft und Industrie vertritt.

Auch müsse die Umwandlung von Strom aus erneuerbaren Quellen in die Wasserstoffpläne miteingezogen werden. Die übersaisonale Speicherung von Wind- und Solarstrom in Molekülen könne dazu beitragen, dass Windenergie- und Solaranlagen seltener abgeschaltet werden müssen. Auch dies könne Importabhängigkeiten reduzieren und die Wertschöpfung in Europa halten.

Weitere Informationen zum BDEW-Vorschlag eines integrierten Kapazitätsmarktes: bdew.de

„et“-Redaktion

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