Eine Teilung der deutschen Gebotszone könnte u.a. dazu führen, dass sich Neuinvestitionen an den unterschiedlichen Marktpreisen und damit teilweise an bestehenden Restriktionen des Netzes (Quelle: Adobe Stock)
Basierend auf der EU-Elektrizitätsbinnenmarktverordnung sollen die europäischen Gebotszonen strukturelle Übertragungsengpässe im Stromnetz abbilden. Dies soll zu möglichst effizienten Ergebnissen im Kraftwerkseinsatz führen. Die europäischen Übertragungsnetzbetreiber überprüfen aktuell, ob durch einen Neuzuschnitt von Gebotszonen Wohlfahrtssteigerungen möglich sind. Ergebnisse und Empfehlungen sind im Frühjahr diesen Jahres zu erwarten.
Dabei werden auch Optionen für die deutsche Gebotszone untersucht. Ein Blick auf den meistdiskutierten Vorschlag einer Zweiteilung in eine Südwest- und eine Nordostzone zeigt, dass sich der Markt in beiden Zonen deutlich voneinander unterscheiden würde (siehe Abb. 1). Während die wesentlichen Verbrauchszentren in Südwestdeutschland liegen, ist Nordostdeutschland dünner besiedelt. Allerdings erzeugt der Nordosten mehr Strom aus Windenergie, welcher auch von südwestdeutschen Verbrauchern auf dem Strommarkt eingekauft wird.
Die Struktur des Stromnetzes ist bisher nicht vollständig auf dieses (vereinfacht) dargestellte Verhältnis ausgerichtet. Dadurch kommt es vermehrt zu Engpässen im Übertragungsnetz. In der Folge sind in den letzten Jahren Redispatchvolumen und -kosten angestiegen. In der Vergangenheit wurden zudem immer wieder ungeplante Ringflüsse über angrenzende Gebotszonen von den europäischen Nachbarländern kritisiert. Aufgrund der aktuell unzureichenden innerdeutschen Übertragungskapazitäten wären durch eine sofortige Umsetzung von Artikel 16 der Elektrizitätsbinnenmarktverordnung [2], wonach 70 % der nominalen Übertragungskapazität ab 2026 dem freien Handel zur Verfügung stehen müssen, strukturelle Netzengpässe entstanden. In der Folge rückte die deutsche Gebotszone in den Fokus des Bidding Zones Reviews.
Kurzfristige Redispatchminderung
Wie könnte eine Teilung der Gebotszone nun diese Probleme adressieren? Hierzu hat das EWI im neuen Policy Brief „Gebotszonensplit in Deutschland: Worum geht es?“ [3] die aktuelle Studien- und Forschungslage ausgewertet. Eine Zweiteilung des deutschen Strommarktes ermöglicht zwei regional differenzierte Stromgroßhandelspreise. Während in einer uniformen Gebotszone physisch nicht umsetzbare Marktergebnisse erzielt werden können, beschränkt ein Split die Handelskapazitäten zwischen Nordosten und Südwesten. Dadurch dürfte das Redispatchvolumen sinken. Gleichzeitig steigt bei gleichbleibender Nachfrage der Kraftwerkseinsatz in der südwestdeutschen Zone.
In der Theorie wären positive Effekte aus Redispatchreduktion und negative Effekte aus der Handelsbeschränkung wohlfahrtsneutral. Dies ist jedoch aufgrund einiger Faktoren in der Realität nicht zu erwarten (siehe Abb. 2).