Hände auf einer Laptoptastatur

Neben der weiterhin hohen Preissensibilität trägt auch der vermehrte Vertragsabschluss über Vergleichsportale zur schwindenden Kundenloyalität zu Stadtwerken und regionalen Versorgern bei. (Bild: Adobe Stock)

Die aktuellen Zahlen der Energie-Studie von Simon-Kucher bestätigen den Trend des Vorjahres. Das Kundenverhalten ist nach der akuten Krisenphase nicht in den vorherigen Modus zurückgekehrt. 33 % aller Energiekunden sind offen für einen Anbieterwechsel. Bei Kunden, die unter zwei Jahren bei ihrem Versorger sind, zieht die Hälfte einen Anbieterwechsel in Erwägung.

Simon-Kucher konstatiert eine sichtbare Erodierung der Kundenbindung in der Energiebranche. Der Anteil langfristiger Kunden sank von 54 % im Vorjahr auf aktuell 47 %. Grund für die bröckelnde Energie-Loyalität bleibt weiter der Preis. Laut Studie reicht eine Preiserhöhung zwischen 5 bis 15 % aus, damit 75 % der Befragten aktiv werden, sich einen neuen Anbieter zu suchen.

Auffallend in der Studie ist, dass EnergieTech-Anbieter im Vergleich zu Stadtwerken und Regionalversorgern weniger stark von Kundenverlusten betroffen sind. Während bis zu 46 % der Kunden etablierten Versorgern den Rücken zukehren, liegt die Quote bei lediglich 27 %.

Verbrauchsportale schwächen das Kundenverhältnis

Entscheidend für den Wechsel sind zunehmend externe Kanäle. Bei 70 % aller Kunden beginnt die Beziehung zum Versorger nicht mehr durch den direkten Kontakt. Stromverträge werden zunehmend über Vergleichsportale geschlossen. Dazu bemerkt Simon-Kucher, dass auch darunter die Nachhaltigkeit der Kundenbeziehung leide. Bei diesen Vertragsverhältnissen ermittelt die Studie eine Wechselbereitschaft nach der Erstlaufzeit von mindestens 60 %. Ausgelagerte Kundenbeziehungen, so der Schluss der Studien-Ersteller, erhöhen das Risiko, die Kundenbindung zu verlieren.

Darüber hinaus hat die Studie noch weitere Daten erhoben, deren erster Teil vorliegt. So spielen Nachhaltigkeitskriterien bei der Tarifwahl nur für 11 % der Kunden bei der Entscheidung eine Rolle, obwohl 70 % aller Kunden sie für relevant halten. D. h., dass Nachhaltigkeit nicht mehr Wechseltrigger ist, sondern als Grundvoraussetzung wahrgenommen wird, die jedoch kein Ersatz für wettbewerbsfähige Preise ist.

Weitere Studienerkenntnisse zu Eigentümern

Flexibilität wird für Hauseigentümer zunehmend zum Thema. 50 % aller Eigentümer, die sich mit der Anschaffung eines E-Autos auseinandersetzen, beschäftigen sich mit dem Thema bidirektionales Laden. Für Versorger heißt das, das Thema nicht isoliert, sondern als Teil einer integrierten Kundenlösung anzubieten. Während Einzelangebote als erklärungsbedürftig wahrgenommen werden, entfalten sich Mehrwerte, wenn für den Kunden Steuerung, Vergütung und Alltagstauglichkeit miteinander verknüpft sind.

Die Wirkung von Home-Energy-Management-Systemen (HEMS) ist noch begrenzt. Gründe sind Komplexität, fehlende Verständlichkeit und fragmentierte Angebote. HEMS werden jedoch als konzeptionelle Schaltstelle der dezentralen Energiewelt verstanden. Trotz Bekanntheit liegt die Installationsquote bei unter 5 %. Selektiv an Vertrauen gewinnt das Thema KI. 25 % aller Kunden akzeptieren risikoarme Anwendungen im Energiemanagement.

Mit Blick auf die Hauseigentümer zeigt die Studie zudem, dass 38 % von ihnen einen Heizungstausch innerhalb der nächsten 12 Monate erwägen. Ein Zögern ergibt sich laut Studie nicht aus einer Ablehnung von Heizungslösungen. Unsicherheit und die Kosten sind Gründe, warum Hauseigentümer bei dem Thema Zurückhaltung üben. Simon-Kucher kommt daher zu dem Schluss, dass abstrakte Themen wie Sicherheit, Nachhaltigkeit und Wärmewende in konkrete, verständliche und integrierte Kundenangebote übersetzt werden müssen, damit Kunden sich für die Angebote von Versorgern entscheiden.

Weitere Informationen: simon-kucher.com

„et“-Redaktion

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