Västerås beheimatet ca. 13.000 Unternehmen, für die das Kraft-Wärme-Kopplungswerk von Mälarenergi eine der zentralen Energiequellen ist. (Bild: Mälarenergi)
Durchschnittlich 37 % allen Mülls landen weltweit auf Deponien. In der EU wurden 2023 rund 22,4 % aller Siedlungsabfälle deponiert. In Deutschland sind es auf Datenbasis des Jahres 2022 noch 16,3 %. In der Kombination von Recycling und Waste-to-Energy geht Schweden einen anderen Weg. Mit einer Quote von 1 % an Deponieabfällen hat das Land schon lange das EU-Ziel für 2035 übererfüllt. Vorgesehen ist, dass EU-weit der Deponieanteil von Abfällen bis dahin auf maximal 10 % sinkt.
Effiziente Waste-to-Energy-Nutzung
Der Löwenanteil des schwedischen Abfalls wird zur Beheizung von Städten, zur Warmwasserbereitung sowie für die Kühlung in öffentlichen Gebäuden und industriellen Prozessen bzw. in der Stromversorgung genutzt. Insgesamt wurden 2022 rund 18 TWh Wärme und 3 TWh Strom aus Waste-to-Energy gewonnen. Die Mengen deckten rechnerisch den Energie- und Wärmebedarf von 1,2 Mio. schwedischen Haushalten, was annähernd 25 % aller Haushalte entspricht.
Eine der größten Waste-to-Energy-Anlagen in Schweden wird vom Versorger Mälarenergi im ca. 100 km westlich von Stockholm gelegenen Västerås betrieben. Akzeptanz und Erfolg der Anlage basieren auf modernster Rauchgasreinigung und einer Energieausnutzung, die an die 90 % heranreicht und damit weit oberhalb der Effizienz vieler Heizkraftwerke liegt. Laut Aussage der Nachhaltigkeitsmanagerin bei Mälarenergi, Kristina Bäckstrand, ist die Kraft-Wärme-Kopplungsanlage im schwedischen Maßstab damit traditionellen Fernwärmelösungen überlegen.
Nachhaltigkeitsbestrebungen und Importe
Müllverbrennung gilt in Schweden als nachhaltige Lösung. Folgende Klimaschutzaspekte werden geltend gemacht: Neben der Vermeidung von Treibhausgasemission deponierter Abfälle – insbesondere Methan – wird damit auch die für Deponie typische Auswaschung giftiger Chemikalien in das Wasser und den Boden der Umgebung verhindert. Gerade aufgrund des langen Emissionshorizonts von Deponien, gelten sie in Summe als schädlichste Form der Müllentsorgung.
Um Nachhaltigkeit weiter voranzutreiben, strebt bspw. Mälarenergi mit dem Programm „Die Reise zu Null“ eine neue Stufe an, Umweltbelastungen durch Müllverbrennung weiter zu reduzieren. Aktuell entwickelt das Unternehmen Methoden zur Weiterverwendung der Asche. Sie soll zur Ressource umgewandelt werden und ggf. als Baustoff dienen. Zudem sollen Salze aus der Asche für die Wiederverwendung gewonnen werden. Um den CO₂-Fußabdruck weiter zu reduzieren, werden zudem Investitionen ins CO₂-Management geprüft.
Über die Verbrennung inländischer Abfälle hinaus monetarisieren schwedische Anlagen als Umweltdienstleistung zudem den Import und die Verbrennung ausländischen Abfalls. Jährlich werden zwischen 1,4 und 1,6 Mio. t Restmüll aus exportierenden Ländern in schwedischen Anlagen energetisch genutzt und tragen dazu bei, die Umwelt- und Klimabelastung in den Herkunftsländern zu reduzieren.
Weitere Informationen zum Abfallverbrennungsektor der nordischen Länder: norden.org