An den versorgungskritischen Tagen des Winters 2025/26 lieferten die deutschen LNG-Terminals maximal 8,5 % der benötigten Einspeisemenge. (Bild: Adobe Stock)
Angesichts der Zahlen des letzten Jahres empfehlen die Fernleitungsbetreiber eine neue Speicherordnung. Sie schlagen ein Kombinationsmodell vor, das eine speicherbasierte Sicherheitsreserve mit einer Lieferantenverpflichtung verbindet.
Hintergrund ist der im Winter 2025/2026 gegenüber dem Vorjahr wieder leicht gestiegene Gesamtwärmebedarf. Trotz eines laut Deutschem Wetterdienst (DWD) insgesamt zu warmen Winters führte der vergleichsweise kalte Januar zu einer erhöhten Gasnachfrage. Während der Kältewelle im Januar erreichte der Export in die Schweiz und nach Österreich an einzelnen Tagen die maximale Ausspeisekapazität, was dazu führte, dass eingespeichertes Gas die Lücke schließen musste: Zwischenzeitlich trugen Ausspeicherungen mit über 3 TWh/d zur Versorgung bei.
In den nachfrageintensivsten Phasen stammten damit 50 % der in das Gasnetz eingespeisten Menge aus heimischen Gasspeichern. LNG konnte die Nachfrage nicht bedienen. Die deutschen LNG-Terminals lieferten an den kritischen Tagen maximal 8,5 % der Einspeisemenge.
Neue Marktlogik angesichts der geopolitischen Lage
Der deutsche Erdgasmarkt hat sich seit der Energiekrise 2022 fundamental gewandelt. Er hat sich von einem auf Pipelinelieferungen basierenden Markt zu einem LNG-Markt entwickelt. Im Zuge der Sperrung der Straße von Hormus und dem Stopp der LNG-Produktion in Katar Ende Februar 2026 werden neue Risiken deutlich. Blockaden von Lieferrouten oder der Ausfall von Lieferländern stellen eine Gefahr für die Versorgungssicherheit dar. Diese Risiken lassen sich nicht unmittelbar kompensieren. Alternative LNG-Lieferungen aus den USA haben bspw. je nach Lieferroute einen Vorlauf von zwei bis sechs Wochen. Dies spiegelte sich auch in den Gaspreisen wider, die infolge des Irankriegs bis Ende März um 64 % stiegen.
Die Fernleitungsnetzbetreiber ziehen daraus eine grundlegende Konsequenz: Das bisherige Prinzip – im Sommer, wenn die Nachfrage sinkt, günstiges Gas einzukaufen und einzulagern, um es im Winter zu verbrauchen, wenn die Marktpreise historisch hoch waren (der sog. „Sommer-Winter-Spread“) – wird als Anreiz zur Speicherbefüllung künftig nicht mehr zuverlässig funktionieren. Die FNB Gas halten daher eine Neubewertung des Speicherbefüllungsprozesses und entsprechender Vorkehrungen für zwingend erforderlich.
Speicher als unverzichtbares Flexibilitätsinstrument
Rund zwei Drittel des deutschen Gasverbrauchs entfallen auf das Winterhalbjahr. Für den saisonalen Ausgleich werden ca. 175 TWh Arbeitsgasvolumen benötigt. Die Winterbedarfsspitze lag bei rund 6 TWh pro Tag. Gleichzeitig konnten Importe nach Deutschland unter realistischen netztechnischen Bedingungen maximal rund 3 TWh pro Tag beitragen. In Spitzenzeiten musste daher über 50 % der Versorgung aus Gasspeichern gedeckt werden. Zudem ist eine strategische Reserve erforderlich, die in der Lage ist, exogene Schocks abzufedern, die vom Markt nicht antizipiert werden können.
Bereits im Anschluss an den Winter 2024/2025 haben die FNB ein zweiteiliges Kombinationsmodell für die Versorgungssicherheit vorgeschlagen, das Marktmechanismen und regulatorische Absicherung verbindet. Vor dem Hintergrund der jüngsten geopolitischen Entwicklungen erscheint die Umsetzung umso dringlicher. Der Vorschlag der FNB Gas besteht aus zwei Bausteinen, die die Verantwortlichkeiten aller Marktbeteiligten für die Versorgungssicherheit schärfen sollen:
Baustein 1 ist eine ganzjährige speicherbasierte Sicherheitsreserve von 24 TWh. Dieser definierte Anteil des Arbeitsgasvolumens soll dem Markt dauerhaft entzogen werden und als strategische Reserve für exogene Schocks dienen – etwa den Ausfall einer Importinfrastruktur.
Baustein 2 ist eine Lieferantenverpflichtung, die zum 1. Februar eines jeden Jahres greifen soll. Danach sollen Gaslieferanten verpflichtet werden, zum genannten Zeitpunkt einen Mindestfüllstand in Höhe von 63 TWh sicherzustellen. Ziel ist es, damit marktliche Anreize zur rechtzeitigen Einspeicherung zu schaffen.
Der Versorgungssicherheitsbericht ist direkt abrufbar unter: fnb-gas.de