LNG-Tanker auf offener See vor einem Sonnenuntergang

Seit März 2026 liegt der asiatische Referenzpreis für LNG-Lieferungen oberhalb des europäischen Preises. Damit ist fraglich, ob Europa seine Füllstandsziele bis zum Beginn der Heizperiode erreicht. (Bild: Adobe Stock)

Die Nachricht über den Zustand der deutschen Speicherreserve trifft auf ein hohes Preisniveau im Gashandel. Seit Beginn des Iran-Krieges im Februar 2026 hat sich der europäische Gaspreis im Kurzfristhandel fast verdoppelt. Für August 2026 liegt er am Handelspunkt TTF bei 56 €/MWh. Vor Kriegsbeginn lag der Kurs bei rund 30 €/MWh.

Einfuhren müssten stark steigen

Die Analyse des Energiewirtschaftlichen Instituts an der Universität zu Köln (EWI), die am 30. Juli 2026 unter dem Titel „Gasbilanzanalyse Juli 2026 – Speicherstände, LNG-Konkurrenz und Terminpreise“ veröffentlicht wurde, zeigt, dass Europa seine Einfuhren von Liquefied Natural Gas (LNG) bis zum Winter stark steigern müsste, um ausreichende Speichermengen für die Heizperiode 2026/27 aufzubauen.

Die EWI-Analyse zeigt, dass Ende Juli 2026 die Speicher in der EU und im Vereinigten Königreich lediglich zu rund 55 % gefüllt sind. Das markiert den zweitniedrigsten Stand seit dem Jahr 2016. Geringer waren die Speicherfüllstände bisher nur 2021.

Das verbindliche 90-%-Ziel für die europäische Speicherbefüllung wurde im Zuge der Reform 2025 durch Flexibilitätsfaktoren ergänzt, die eine Abweichung von bis zu 15 Prozentpunkten erlauben. Legt man bei den EU-Füllstandsvorgaben einen praktisch maßgeblichen Zielwert von rund 80 % zum 1. November an, würde ausgehend von den aktuell eingespeicherten Mengen etwa 275 TWh zusätzliches Gas benötigt. Da die europäischen Förderquoten sinken und Pipeline-Importe begrenzt sind, müsste der Löwenanteil des zusätzlichen Gases vor allem aus LNG-Importen kommen.

Asien zahlt aktuell höhere Preise

Um das Novemberziel zu erreichen, müsste die Auslastung der Importterminals dafür von derzeit rund 29 auf etwa 70 % steigen. Bei einer mehr als Verdoppelung der Einfuhren wären jedoch nicht die Terminals allein das Nadelöhr. Insbesondere die verfügbaren Mengen im globalen LNG-Handel sind ein problematischer Punkt. Seit März 2026 liegt der asiatische Referenzpreis JKM über dem europäischen TTF-Preis. LNG-Lieferungen werden somit aktuell vermehrt nach Asien verkauft.

Weitere Infromationen: ewi.uni-koeln.de

„et“-Redaktion

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