Drohnenaufnahme aus der Luft: LNG-Tanker, der vor einer kleinen Gasterminalinsel vor Anker liegt, die mit Tanks zur Lagerung und Regasifizierung von LNG ausgestattet ist.

Im Vergleich zum Vorjahr hat Europa im zweiten Quartal 2025 4 % mehr LNG importiert. (Bild: Adobe Stock)

Damit lagen die Importe für Liquefied Natural Gas (LNG) im zweiten Quartal im Durchschnitt auf dem Niveau des ersten Quartals 2025. In Belgien, Deutschland und den Niederlanden wurden die Importmengen sogar übertroffen. Insbesondere in Ländern mit großen Gasspeicherkapazitäten lag das Importvolumen sogar über dem Vorjahresquartal.

Europa befüllt seine Gasspeicher

Die Entwicklung, dass LNG-Importe die Mengen des Winterquartals übertreffen, wird von Marktbeobachtern als ungewöhnlich bezeichnet. Insbesondere Nordeuropa erhöhte seine Importkapazität. Sie stieg im Vorjahresvergleich um 4 %, während sie in Südeuropa konstant blieb. Grund für die hohen LNG-Importe im zweiten Quartal ist der hohe Gasspeicherbedarf in Europa. Im Betrachtungszeitraum wurde der durchschnittliche Füllstand der europäischen Speicher von 34,3 % auf 59,2 % erhöht.

Entsprechend der hohen Importmengen und des Speicherbedarfs entwickelte sich auch die Ausspeiserate (d. h. die Einspeisemengen von Erdgas nach der Regasifizierung des angelandeten LNG) saisonal ungewöhnlich. Sie lag im zweiten Quartal nur leicht unter den Werten des ersten Quartals. Während an den nordeuropäischen Terminals im ersten Quartal 3.180 GWh pro Tag ins Erdgasnetz flossen, waren es im zweiten Quartal immerhin noch 2.900 GWh pro Tag. In Südeuropa waren es im Quartal jeweils 1.460 GWh am Tag. Der Vorjahresvergleich zeigt in beiden Regionen einen deutlichen Zuwachs. Er lag in der Quartalsbetrachtung 2025 um ein Drittel höher.

2022 Rekordjahr der Langfristverträge für US-LNG

Mit Blick auf LNG aus den USA und den Zeitraum 2021 bis 2024 wurden die meisten Langfristlieferverträge im Jahr 2022 geschlossen. Das Jahr, in dem Russland den Überfall auf die Ukraine startete, markiert sowohl von den kontrahierten Mengen als auch von den vereinbarten Zeiträumen einen Höhepunkt. Mit 60 Mio. Tonnen pro Jahr wurde 2022 Lieferungen vereinbart, die größer sind als die Mengen der Jahre 2021, 2023 und 2024 zusammen. Die durchschnittliche Laufzeit der 2022 geschlossenen Verträge erreichte mit 19 Jahren ein Maximum. 2024 sank die durchschnittliche Laufzeit neuer US-LNG-Langzeitverträge auf 15,5 Jahre.

Die aus den Lieferverträgen resultierenden Mengen fließen zumeist in das Portfolio von Händlern und sind nicht bestimmten Importmärkten zugeordnet. Das typische Format dieser Lieferungen ist entsprechend „Free on Board“ (FOB), d. h., der Preis bezieht sich auf die Lieferung von der LNG-Anlage zum Schiff, ohne Kosten für die Verschiffung, die der Käufer organisieren muss. Für die Lieferung nach Europa werden daher immer Preise gezahlt, die den auf dem LNG-Spotmarkt erzielten Preisen entsprechen.

Mit Blick auf internationale LNG-Langfristlieferverträge nach Europa im Zeitraum 2021 bis 2024 wurde der Löwenanteil im Jahr 2023 abgeschlossen. Auf dem deutschen Markt waren u. a. EnBW, Uniper und SEFE aktiv.  Das LNG stammt überwiegend aus Katar und den USA. Zu geringerem Teil aus Oman bzw. dem Portfolio großer LNG-Trader. Im internationalen Geschäft sind zu 60 % Delivered Ex-Ship (DES)-Lieferungen vereinbart. Dabei bezahlt der Käufer das LNG, wenn er es am vorab vereinbarten Lieferort in Empfang nimmt. Der Preis enthält somit die Kosten für die Verschiffung.

Unklar ist den Marktbeobachtern derzeit, wie die Erhöhung der Energielieferungen aus den USA erreicht werden soll, die im Rahmen der Zollvereinbarung zwischen Europa und den USA vereinbart wurde.

Weitere Informationen im LNG-Marktradar von Team Consult: teamconsult.net

„et“-Redaktion

Ähnliche Beiträge