Bild des Kernkraftwerks Cernavodă in Rumänien

Das Kernkraftwerk Cernavodă hat eine hohe Bedeutung für die Versorgungssicherheit Rumäniens. Aktuell wird mit der Umleitung von Flusswasser versucht, den Weiterbetrieb zu sichern. (Bild: Adobe Stock)

An der Donau liegen drei Kernkraftwerksstandorte. Am ungarischen Standort Paks und am rumänischen Standort Cernavodă mussten die Anlagen aufgrund aktueller Rekordniedrigwasserstände teilweise abgeschaltet werden. Nicht betroffen ist das bulgarische Kernkraftwerk Kosloduj, obwohl es auch mit Donauwasser gekühlt wird. Grund sind die unterschiedlichen wasserbaulichen Voraussetzungen an den Standorten.

Ungarn: Abschaltung in Paks, Weiterbetrieb in Kosloduj

Im ungarischen Paks liegt der Ansaugstutzen für die Kühlpumpen aktuell nicht tief genug, um den Leistungsbetrieb aufrechtzuerhalten. Stand 1.8.2026 wird dort der vollständige Stopp des Kernkraftwerks vorbereitet, nachdem die Leistung aller vier Blöcke zunächst schrittweise reduziert wurde. Stand 2.8.2026 lag die Leistung bei nur noch 12 %. Ausgehend von einer aktuellen Analyse, die Nuklearia e. V. vorgelegt hat, wäre eine Tieferlegung der Ansaugvorrichtung möglich, die auch bei aktuellem Wasserstand in der Donau einen Weiterbetrieb ermöglichen würde. Mit entsprechenden Planungen an der Entnahmestelle des Kühlwassers habe der Betreiber begonnen, berichtet Nuklearia.

Anders stellt sich die Situation am Kernkraftwerk Kosloduj dar. Dort wurde die Kühlwasser-Pumpstation bereits für ein 100-jähriges Niedrigwasser ausgelegt. Die Donau führte ab Ende Juli 2026 2,03 m Niedrigwasser unter Normal. Vom Wasserstand her war die Situation in Kosloduj damit extremer als in Paks, wo die Donau zum gleichen Zeitpunkt 1,25 m Niedrigwasser unter Normal führte. In Kosloduj zahlt sich die Planung nun aus. Der niedrigste jemals gemessene Donaupegel lag noch immer oberhalb des Auslegungswertes der Pumpstation. Deshalb kann Kosloduj ohne Einschränkungen weiterproduzieren.

Die ungarische Regierung hat laut Spiegel die Bevölkerung aufgrund der angespannten Versorgungslage bereits dazu aufgerufen, den Stromverbrauch zu drosseln und Wasser zu sparen. Aufgrund jüngster Regenfälle im Alpenraum, an den Donauzuflüssen und am Oberlauf sendet laut Nuklearia-Analyse die längerfristige Prognose für die kommenden Tage positive Signale.

Rumänien arbeitet an verbessertem Wasserfluss

An einer Lösung wird derzeit am rumänischen Standort Cernavodă 2 gearbeitet. Dort musste der erste Kraftwerksblock laut Spiegel in der letzten Juli-Woche heruntergefahren werden. Der Weiterbetrieb soll nun durch eine Verbesserung des Wasserflusses gesichert werden. Bereits erfolgt sind Baggerarbeiten und eine Umleitung von Donauwasser. Mit einem ersten Sprengversuch am Pârjoaia-Felsen 50 km flussaufwärts von Cernavodă sollte schon am ersten Augustwochenende der Wasserfluss erhöht werden. Der Versuch war jedoch zunächst gescheitert. Stand 3.8. war ein zweiter Sprengversuch erfolgreich, berichten Nuklearia und Spiegel.

Am bei Izvoarele gelegenen Pârjoaia-Felsen zweigt der sogenannte Bala-Arm vom Alten Donauarm ab. Bei Niedrigwasserständen fließt ein größerer Teil des Donauwassers in den Bala-Arm. Mittels Lastkähnen soll das gesprengte Material nun an anderer Stelle im Flussbett so positioniert werden, dass der Zufluss in den Bala-Arm eingeengt wird und sich der Wasserfluss für Cernavodă 2 erhöht. Laut Spiegel müssen die Arbeiten bis zum 6.8. Erfolg zeigen, da sonst auch Cernavodă 2 die Abschaltung droht. Da vom Niedrigwasser auch Wasserkraftwerke und weitere thermische Kraftwerke betroffen sind, hat Cernavodă eine besonders hohe Bedeutung für die Versorgungssicherheit Rumäniens.

Einordnung der Situation

Die Nuklearia-Analyse betont, dass die Herausforderungen, vor denen die Donau-Kernkraftwerke stehen, nicht kernkraftspezifisch sind. Sie betreffen alle thermischen Kraftwerke, denn auch Kohle-, Gas- und Biomassekraftwerken muss genügend Kühlwasser zur Verfügung stehen, damit sie betrieben werden können.

Neben den wasserbaulichen Herausforderungen macht Nuklearia in seiner Analyse mit Blick in die Schweiz und Frankreich noch auf eine andere aktuelle Herausforderung der Kernkraft aufmerksam. So hat das Wasser im Fluss Aare derzeit eine Temperatur, die die Kühlwasserentnahme für das schweizerische Kernkraftwerk Beznau aktuell nicht erlaubt. Hier führen die wasserrechtlichen Grenzwerte zum Schutz der Flüsse in der Schweiz zu hitzebedingten Leistungsreduzierungen.

Aktuell liegen nach Angaben der Internationalen Atomenergie-Organisation (IAEA) wetterbedingte Produktionsverluste der Kernenergie bei etwa 0,3 % der Jahresproduktion. Für Frankreich nennt Nuklearia für Grenzwertverletzungen der Wassertemperatur einen Jahresproduktionsverlust von 0,2 %.

Die Nuklearia-Analyse kommt zu dem Schluss, dass der Klimawandel deutliche Auswirkungen auf die gesamte wasserabhängige Energieversorgung hat. Es sei deutlich, dass weitere Maßnahmen folgen müssten, um Versorgungssicherheit zu gewährleisten. In Cernavodă bereite man bspw. den Einsatz kleinerer Zellenkühler vor, um den Kühlwasserbedarf zu verringern und den Standort besser auf häufigere Niedrigwasserperioden vorzubereiten. Die Herausforderungen beträfen, so Nuklearia, nicht nur die Kernenergie, sondern ebenso alle anderen thermischen Kraftwerke sowie die Wasserwirtschaft. Für Österreich gibt Nuklearia zu bedenken, dass die Klimawandelherausforderungen auch bei der Energiegewinnung aus Wasserkraft zunehmend sichtbar werden.

Weitere Informationen: nuklearia.de

„et“-Redaktion

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