Zur Fachkräftegewinnung lohnt der Blick über die nationalen Grenzen hinaus. (Bild: Adobe Stock)
Ein Versorger, der diesen Weg der Personalgewinnung eingeschlagen hat und damit erfolgreich ist, ist die Energieversorgung Mittelrhein (evm). evm-Vorstand Christoph Hesse erklärt: „Wir stehen vor einem strukturellen Wandel am Arbeitsmarkt. Um unsere Zukunftsfähigkeit zu sichern, müssen wir neue Wege gehen – auch über Landesgrenzen hinweg. Die gezielte Gewinnung ausländischer Fachkräfte ist für uns ein wichtiger Baustein, um dem Fachkräftemangel aktiv zu begegnen.“
Personalsuche nur eine Seite der Medaille
Um geeignete Kandidatinnen und Kandidaten zu gewinnen, arbeitet evm mit der Bundesagentur für Arbeit sowie entsprechend spezialisierten Agenturen zusammen. Die Auswahl geeigneter Personen ist dabei nur die eine Seite der Medaille. Ebenfalls begleitet werden müssen auch Visa-Prozesse, Einreiseformalitäten und nicht zuletzt die Integration vor Ort. Entsprechend ist auch ein Dienstleister involviert, der die neuen Mitarbeitenden bei der Wohnungssuche und Behördengängen unterstützt.
Bereits drei internationale Kollegen konnten die evm-Gruppe mit der neuen Strategie gewinnen. So hat ein aus Marokko stammender Elektroniker eine Stelle als Netzmonteur Strom im Bereich Asset-Service angetreten. Darüber hinaus beginnen zwei Personen aus Indien in Kürze ihre Ausbildung zum Anlagenmechaniker. evm verfolgt bei der Suche den Ansatz, dass die Bewerberinnen und Bewerber über Deutschkenntnisse auf B2-Niveau verfügen. Bei Bedarf wird zusätzlicher Sprachunterricht angeboten.
Qualifikation und Unternehmenskultur
Die Einarbeitung erfolgt bei der evm strukturiert und mit besonderem Fokus auf kulturelle Sensibilisierung. Ziel von Workshops mit Führungskräften und Ausbildern unter Einbeziehung externer Expertise ist es, ein wertschätzendes und inklusives Arbeitsumfeld für das neue Personal zu schaffen. Mithun Basu, ebenfalls Vorstand der evm, erklärt: „Unsere neuen Kolleginnen und Kollegen bringen nicht nur fachliche Kompetenz mit, sondern bereichern auch unsere Unternehmenskultur durch ihre Perspektiven und Erfahrungen.“
Appell an die Politik
Die evm beschäftigt sich derzeit mit der Frage des weiteren Ausbaus des Programms. Ziel soll es sein, auch künftig Vakanzen mit geeigneten Fachkräften zu besetzen – unabhängig davon, ob diese aus dem In- oder Ausland stammen. Das Gelingen der Fachkräftegewinnung im Ausland sei aber auch von politischen Signalen abhängig, so Basu: „Hilfreich wäre sicher auch ein klares Bekenntnis der Politik zur Fachkräftezuwanderung. Und ganz wichtig: die Digitalisierung und Vereinfachung der Verfahren.“
Über Hürden beklagt sich evm insbesondere hinsichtlich der Integration von Geflüchteten in das Unternehmen. Hier sei es dem Durchhaltevermögen aller Beteiligten zu verdanken, dass Menschen aus Syrien und aus dem Iran ihren Einstieg ins Unternehmen geschafft haben und inzwischen seit mehreren Jahren als geschätzte und wertvolle Teammitglieder im technischen Bereich arbeiten.