Eine Handlupe, die auf ausgedruckten Charts liegt.

Um die nötigen Transformationen anzugehen, stehen Stadtwerke vor der Herausforderung, eine Finanzierungsarchitektur zu finden, die unterschiedliche Finanzierungsquellen und -instrumente sinnvoll bündelt. (Bild: Adobe Stock)

Mit welchen Herausforderungen die Finanzierung der Energiewende-Struktur für Stadtwerke einhergeht, steht im Zentrum der 24. Stadtwerkestudie, die von EY und dem Bundesverband der Energie- und Wasserwirtschaft (BDEW) durchgeführt wurde. Sie basiert auf der Befragung von 100 deutschen Stadtwerken und regionalen Energieversorgern. Das Meinungsbild ergänzt die Studie mit Use Cases zu Finanzierungsprojekten. Neben einer detaillierten Einschätzung zu Finanzierungsfragen gibt die Studie damit auch konkrete und praxisnahe Orientierung, wie die Finanzierung der Energiewende gelingen kann.

Deutlich ist, dass sich die Stadtwerke einen historisch hohen Investitionsbedarf erwarten. 90 % der Befragten rechnen damit, dass er das bisherige Niveau deutlich übersteigt. 25 % rechnen sogar mit einem Anstieg von mehr als 200 %.

Weiter spiegelt sich in der Studie die schwere wirtschaftliche Lage der Branche. Lediglich eine Minderheit von 43 % der Stadtwerke blickt positiv in die Zukunft. Bremsend wirken regulatorische Veränderungen, politische Entscheidungen und sich wandelnde Rahmenbedingungen. Damit die Energiewende erfolgreich umgesetzt werden kann, wünscht sich die Branche verlässliche und investitionsfördernde Rahmenbedingungen.

Verschärfter Wettbewerb ums Kapital

Die Stadtwerke sehen sich in einem verschärften, auch international geführten Wettbewerb um Kapital, der von steigendem Finanzierungsbedarf sowie begrenzten Finanzierungsressourcen geprägt ist. Der Zugriff auf Kapital ist von Struktur, Verlässlichkeit und Transparenz von Investitionsvorhaben abhängig, da die Sicht der Kapitalgeber auf Planbarkeit, Durchführbarkeit und Risikoangemessenheit zunehmend entscheidend wird. Sie erwarten neben dem Kapitalrückfluss eine angemessene Kapitalverzinsung.

Für die finanzielle Leistungsfähigkeit stärken die Stadtwerke gezielt ihre Innenfinanzierung, so eine Erkenntnis der Studie. Genannt werden Maßnahmen zur Reduktion der Kosten (84 %), Gewinnthesaurierung (77 %) und die Optimierung der Investitionsplanung (76 %). Problematisch sind jedoch Höhe, Dauer und Gleichzeitigkeit der anstehenden Investitionen. Hier geben 92 % der befragten Stadtwerke an, nur eingeschränkt oder gar nicht in der Lage zu sein, die notwendigen Investitionen aus eigenen Mitteln zu stemmen.

Zur Identifikation geeigneter Finanzierungsstrategien gilt es, die Unternehmensstrategie hinsichtlich der Dimensionen Risiko, Rendite sowie Erwartungen der Anteilseigner zu überprüfen und Klarheit über den eigenständigen Betrieb von Geschäftsfeldern, die Zusammenarbeit mit Partnern, den externen Bezug sowie den bewussten Verzicht auf bestimmte Geschäftsfelder zu gewinnen.

Zusammenspiel verschiedener Finanzierungsquellen und -instrumente

Eine erfolgreiche Finanzierung ist vom Zusammenspiel unterschiedlicher Finanzierungsquellen und -instrumente abhängig. Entscheidend ist dabei weniger die isolierte Nutzung bzw. die gezielte Kombination, bei der Investitionsverläufe, bilanzielle Effekte, steuerliche Rahmenbedingungen sowie die Erwartungen der Gesellschafter Berücksichtigung finden. Wenn es um die Modelle selbst geht, treten zum klassischen Fremdkapital eigenkapitalnahe Instrumente, projektbezogene Finanzierungen, Fördermittel sowie kooperative Modelle hinzu. Insgesamt gewinnt auch die Einbindung externer Partner auf Ebene einzelner Investitionsvorhaben und zusätzlicher Finanzierungselemente an Bedeutung. Dabei ist die Strukturierung von Investitionsvorhaben ein entscheidender Hebel, denn je klarer Projekte abgegrenzt sind, desto leichter lassen sich externe Partner zur Bereitstellung von Kapital, zur Risikoteilung oder zur Ergänzung von Kompetenzen einbinden.

Die Studie macht deutlich, dass die Finanzierung der Energiewende-Infrastrukturen zu einer strategischen Daueraufgabe wird. Sie kann nicht mehr als Summe von Einzelmaßnahmen für verschiedene Investitionsvorhaben aufgefasst werden, sondern ist im Sinne einer Finanzierungsarchitektur zu verstehen. Es gilt, Finanzierungsfragen frühzeitig mitzudenken, Investitionsfragen und Portfoliomaßnahmen vorausschauend und mit Priorisierungen zu planen und verfügbare Instrumente aufeinander abzustimmen. Die Use-Cases zeigen die Bandbreite ganzheitlicher Finanzierungsstrategien, die von Instrumenten wie Crowdfunding, Bürgerbeteiligungen, Kooperationen und Gesellschafterdarlehen bis hin zu Anleihen reichen.

Die Studie ist abrufbar unter: bdew.de

„et“-Redaktion

Ähnliche Beiträge