Stromübertragungsmasten vor einem Himmel in der Dämmerung, darüber eingeblendete Finanzmarkt-Charts

Die größten Unterschiede zwischen den von McKinsey untersuchten Szenarien liegen in der Importabhängigkeit Deutschlands. Sie steigt, sollte der der deutsche Förderrahmen zurückgefahren werden. (Bild: Adobe Stock)

Der McKinsey-Report zeigt, dass sich in allen untersuchten Szenarien die jährlichen Systemkosten bei rund 90 Mrd. € bewegen. Politische Maßnahmen wirken dämpfend auf die Belastung einzelner Verbrauchergruppen. Seit 2020 sind die Steuern und Abgaben für Gewerbe und Industrie um 73 % gesunken. Kurzfristig preissabilisierend wirken die Bundeszuschüsse zu den Netzentgelten. Die grundsätzliche Kostenstruktur des Systems wird durch diese Maßnahmen jedoch nicht adressiert.

Entwicklungspfade im Vergleich

Die Studie untersucht drei Entwicklungspfade: einen Markt ohne Förderung neuer Erzeugungskapazitäten, ein Szenario mit Fokus auf Versorgungssicherheit durch den Aufbau disponibler Kapazitäten sowie ein systemkostenoptimiertes Modell mit technologieoffener Förderung. Der Vergleich zeigt, dass ein Verzicht auf Förderung die Gesamtkosten nicht spürbar senken würde – diese liegen in allen Modellen zwischen 87 und 90 Mrd. € pro Jahr. Dies wird in der McKinsey-Studie mit der Abschaltung von bestehenden disponiblen Kapazitäten bei gleichzeitigem Aufbau nicht disponibler Erzeugung begründet. Seit 2011 wurden rund 20 GW Kernkraftkapazität abgeschaltet. Seit 2020 gingen weitere 26 GW an disponibler Leistung außer Betrieb, während lediglich 8 GW neu gebaut wurden.

Das Thema Importabhängigkeit offenbart die größten Unterschiede zwischen den Szenarien: Würden Förderungen vollständig gestoppt, würde die Importabhängigkeit Deutschlands deutlich wachsen: Es müssten im Saldo bis zu 115 TWh Strom pro Jahr importiert werden – 2024 lag dieser Wert bei nur 32 TWh. Im Szenario „Versorgungssicherheit“ sinkt der Saldo auf 60-70, bei der „Systemkostenoptimierung“ geht er weiter zurück auf minus 5 bis plus 15 TWh. Ein höheres Maß an Stromimporten macht Deutschland nicht nur abhängiger, sondern hätte auch einen negativen Effekt auf die Strompreise in den Nachbarländern.

Deutlich ist, dass der Strombedarf wachsen wird. Weltweit nimmt der Stromverbrauch von Rechenzentren zu. Er wird von rund 600 TWh im Jahr 2025 auf etwa 1.600 TWh bis 2030 steigen. In Deutschland könnte die Rechenzentrumsleistung bis 2030 auf rund 5 GW steigen, verbunden mit einer Stromnachfrage von etwa 37 TWh. Grund ist die Zunahme von KI-Anwendungen. Mit ihnen wird Strom zum strategischen Produktionsfaktor, durch den Standorte mit hohen Preisen unter Druck geraten.

Vier Hebel könnten helfen

Vor diesem Hintergrund identifiziert die Studie vier Hebel, um Wettbewerbsfähigkeit und Investitionen langfristig zu sichern.

  1. McKinsey empfiehlt, eine Energiewirtschaftszone mit besonders günstigen Erzeugungsbedingungen – etwa in Norddeutschland – zu nutzen. Dort könnten erneuerbare Energien in großem Umfang zu wettbewerbsfähigen Vollkosten Strom erzeugen, ohne dass das nationale Strommarktdesign grundlegend verändert werden müsste. Die räumliche Nähe von Erzeugung und Verbrauch würde zusätzliche Effizienzgewinne ermöglichen und Investitionen erleichtern.
  2. Erhebliches Effizienzpotenzial sieht McKinsey im Netzbetrieb. In Deutschland agieren über 800 Verteilnetzbetreiber mit unterschiedlichen technischen Standards. Hier wäre eine freiwillige stärkere Standardisierung angeraten; mit gemeinsamer Beschaffung und einer engeren Kooperation ließen sich Kosten um 10 bis 15 % erzielen. Gleichzeitig ließe sich die Resilienz der Netze erhöhen.
  3. Empfohlen wird, die Finanzierung stärker in den Fokus zu nehmen. Energiewende-Assets sind bislang stark fragmentiert und für große Investoren schwer zugänglich. Die Folge sind unnötig hohe Finanzierungskosten, die am Ende die Stromkunden tragen. Denkbar wäre, Investitionen stärker zu bündeln und strukturierte Vehikel zu schaffen, die Skaleneffekte ermöglichen.
  4. Zudem plädiert die Studie dafür, inländisches Kapital gezielter zu mobilisieren. In Deutschland liegen aktuell rund 3 Bio. € in Sicht- und Termineinlagen. Gleichzeitig wird ein großer Teil der Energieinfrastruktur von ausländischen Pensionsfonds finanziert. Staatlich flankierte Investitionsmodelle könnten dazu beitragen, inländisches Kapital stärker für langfristige Infrastrukturinvestitionen zu mobilisieren und so die Finanzierungskosten des Systems strukturell zu senken.

Zur Studie: mckinsey.com/de

„et“-Redaktion

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