Feinstaub schädigt unserer Gesundheit.

Feinstaub entsteht nicht nur durch Verbrennungsmotoren von PKW (Bildquelle: Pixabay - cmkdream)

Wissenschaftler der Nationalen Akademie der Wissenschaften Leopoldina sind überzeugt, dass es eine bundesweite Strategie zur Luftreinhaltung geben muss. Kurzfristige und kleinräumige Maßnahmen wie Fahrverbote würden die Luft nicht wesentlich entlasten. Hierzu haben sie die Stellungnahme "Saubere Luft ‒ Stickstoffoxide und Feinstaub in der Atemluft: Grundlagen und Empfehlungen" verfasst. Das Problematische am Straßenverkehr sei der Ausstoß von Treibhausgasen. Die Wissenschaftler plädieren für eine nachhaltige Verkehrswende, welche die Entwicklung von weiteren emissionsarmen Formen der Mobilität erfordert, da Deutschland sonst den internationalen Verpflichtungen zur Reduktion von Treibhausgasen nicht nachkommen könne. Zudem ist es den Wissenschaftlern wichtig, die Anstrengungen zur Luftreinhaltung auf die Feinstaub-Reduktion zu konzentrieren, da dieser deutlich schädlicher für die Gesundheit sei als die Stickstoffoxide. Weder für das eine noch für das andere gibt es eine exakte Grenzziehung, ab welchem Wert keine Gesundheitseffekte zu erwarten sind.

In Deutschland überschreiten die Stickstoffoxide die relativ strengen Grenzwerte, die Feinstaubwerte hingegen werden durch weniger strenge Grenzwerte flächendeckend eingehalten. Den rechtlichen Rahmen für die Grenzwerte gibt eine EU-Richtlinie vor, die 2008 beschlossen wurde. Bereits kleine Änderungen der Aufstellungsorte, die innerhalb gesetzlicher Spielräume liegen, können zu Unterschieden in den Ergebnissen führen. International gibt es unterschiedliche Aufstellungsbedingungen, weshalb man die Messwerte kaum vergleichen kann.

Feinstäube können unter anderem Atemwegserkrankungen, Herz-Kreislauf-Krankheiten und Lungenkrebs verursachen. Aus epidemiologischen Untersuchungen könne man verschiedene, sich gegenseitig ergänzende Maßzahlen für die gesundheitliche Belastung berechnen, zum Beispiel den Verlust von Lebenszeit durch das Einatmen von Schadstoffen.

Feinstaub entsteht jedoch nicht nur durch Fahrzeuge mit Verbrennungsmotoren, sondern auch durch Abrieb von Reifen, Straßenbelag und Bremsbelägen sowie bei Verbrennungsprozessen im Zusammenhang mit Energieversorgung und Haushalt, Landwirtschaft und Industrie. Deutschland habe in den vergangenen Jahrzenten mit konzertierten Maßnahmen wie die Verbesserung der Brennstoffqualität und der Abgasreinigung erhebliche Fortschritte bei der Luftreinhaltung erzielt, nun sei allerdings eine bundesweite ressortübergreifende Strategie notwendig, sind die Wissenschaftler überzeugt.

Die von der Nationalen Akademie der Wissenschaften Leopoldina eingesetzte Arbeitsgruppe zum Thema Luftschadstoffe wird von Prof. Dr. Martin Lohse, Vize-Präsident der Leopoldina, sowie Prof. Dr. Jörg Hacker, Präsident der Leopoldina und Prof. Dr. Sigmar Wittig, Sekretar der Klasse I (Mathematik, Natur- und Technikwissenschaften) geleitet. Die Mitglieder der Arbeitsgruppe kommen aus folgenden Fachgebieten: Medizin, Toxikologie, Biologie, Chemie, Epidemiologie, Technik- und Atmosphärenwissenschaften, Statistik, Wirtschafts- und Rechtswissenschaften, Soziologie, Verkehrsforschung und Materialwissenschaften. Darüber hinaus wurde die Expertise weiterer Fachleute in schriftlichen und mündlichen Anhörungen herangezogen. Die Stellungnahme und die Liste aller beteiligten Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler sind online frei verfügbar unter: www.leopoldina.org/saubereluft .

et-Redaktion

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