Abstrahierte Darstellung eines Stromnetzes (Symbolbild)

Voraussetzung für eine langfristig kostengünstige Netzversorgung sind laut Agora moderne Betriebs- und Planungsansätze. (Bild: Adobe Stock)

Wenn Verteilnetzbetreiber weiter wie bisher planen und bauen, geht Agora Energiewende von Ausbaukosten des Verteilnetzes in Höhe von 250 Mrd. € bis 2045 aus. Rund 66 Mrd. € ließen sich einsparen, wenn Leitungen besser ausgelastet und seltene Belastungsspitzen gezielt abgefangen würden, so das Ergebnis der aktuellen Agora-Studie. Dazu müssten Netzbetreiber das Potenzial der flexiblen Nachfrage von Wärmepumpen, E-Autos und Speichern besser heben.

Agora rät zur Anpassung des Regulierungsrahmens

Bislang bleiben die Potenziale des neuen Energiesystems in der Planung der Netzbetreiber noch weitestgehend unberücksichtigt, so Agora. Dadurch steige der Bedarf an Stromleitungen, Trafos und Umspannwerken mehr als nötig, was höhere Netzentgelte bei Verbraucherinnen und Verbrauchern zur Folge hat.

Voraussetzung für eine langfristig kostengünstige Netzversorgung sind laut Agora moderne Betriebs- und Planungsansätze. Hierfür ist ein durch Bundesregierung und Bundesnetzagentur angepasster Regulierungsrahmen erforderlich, der Betreibern ermöglicht, innovative Maßnahmen auch verlässlich einzuplanen. Dazu gehören differenzierte Preissignale, die die lokale Netzauslastung abbilden, teilweise kleinere Netzanschlüsse, bei denen die maximale Leistungsspitze nicht durch das Netz, sondern durch vorhandene Flexibilität – bspw. Speicher – getragen wird, sowie Maßnahmen, die Betreibern im Notfall eine gezielte Netzentlastung ermöglichen.

Ausbaubedarf Mitte der 2030er-Jahre

Die Agora-Modellierung zeigt, dass der größte Ausbaubedarf ab Mitte der 2030er-Jahre anfällt – und zwar vor allem aufgrund der steigenden Stromnachfrage von Elektroautos, Wärmepumpen sowie strombasierten Prozessen von Industrie und Gewerbe. Da sich mit zunehmender Stromnachfrage der Bedarf an Energieinfrastruktur weg von fossiler Infrastruktur hin zu Stromnetzen verlagert, müssen diese künftig mehr leisten.

Während in der kurzen und mittleren Frist einspeiseseitig wirkende Maßnahmen Zeit verschaffen und Geld sparen können, z. B. indem neben großen Erneuerbaren-Anlagen Speicher gebaut werden (Co-Location) oder Netzanschlüsse nicht auf das Maximum der Erzeugungsleistung ausgebaut werden (Überbauung), braucht es längerfristig Lösungen für den besseren Umgang mit der steigenden Last.

Zwei Dinge rückt Agora dazu in den Vordergrund. Einerseits bräuchten Betreiber einen vielseitigen Instrumentenkasten, der sie für unterschiedliche Herausforderungen im Netz ausrüstet. An einem kalten Wintertag, an dem viele Wärmepumpen laufen und E-Autos in den Abendstunden laden, wirken andere Instrumente als an Sommertagen mit Solarspitzen zur Mittagszeit. Und zweitens bräuchten Betreiber klare Leitplanken, um diese Möglichkeiten auch in die Planung einbeziehen zu können. Auf diese Weise könnten Netzbetreiber laut Agora jährliche Kosteneinsparungen von mindestens 2 Mrd. € ab 2030 und 5 Mrd. € ab 2035 erzielen. Im Vergleich dazu verweist Agora auf die allein 2026 getätigten Ausgaben der Bundesregierung in Höhe von 6,5 Mrd. € für die Senkung der Netzentgelte.

Modellierung in Zusammenarbeit mit Consentec und FfE

Die Berechnungen von Agora Energiewende fußen auf einer umfassenden Modellierung, die das Beratungsunternehmen Consentec und die Forschungsstelle für Energiewirtschaft (FfE) im Auftrag des Thinktanks durchgeführt haben. Für die Berechnungen wurde das deutsche Stromverteilnetz im Detail modelliert, indem sogenannte Typnetze der Nieder-, Mittel- und Hochspannung genutzt und über Deutschland verteilt wurden.

In einem zweiten Schritt wurde dann untersucht, wie sich Lastflüsse mit fortschreitender Energiewende und Elektrifizierung entwickeln. So konnten die Ausbaukosten für ein Szenario berechnet werden, in dem Überlastungen durch Netzausbau gelöst werden, im Vergleich zu einem Szenario, bei dem zusätzlich innovative Maßnahmen zum Einsatz kommen.

Zur Studie: agora-energiewende.de

„et“-Redaktion

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