Eine Befragung in Deutschland, den Niederlanden, Italien, Österreich und Polen zeigt, welche energiepolitischen Maßnahmen auf Unterstützung oder Ablehnung stoßen. (Bild: Adobe Stock)
Die Effekte des Krieges der USA und Israels gegen den Iran mit den Einschränkungen des Schiffsverkehrs an der Straße von Hormus belasten den internationalen Energiemarkt. Noch immer ist kaum absehbar, wie sich der Konflikt weiterentwickelt. Mit einer weiteren Zuspitzung ist auch in Europa mit spürbaren Konsequenzen zu rechnen, die möglicherweise Energiesparmaßnahmen notwendig machen könnten.
In einer repräsentativen Befragung in den Ländern Deutschland, Österreich, Italien, Niederlande und Polen sind das Nürnberg Institut für Marktentscheidungen e.V. und die Gemeinsame Forschungsstelle der Europäischen Kommission drei Fragen nachgegangen:
- Welche Energiesparmaßnahmen werden in der Bevölkerung unterstützt?
- Wie groß ist die Bereitschaft zur eigenen Verhaltensänderung?
- Können die Vorbildfunktion der Regierung oder Empfehlungen seitens der Wissenschaft, der politischen Opposition oder der Europäischen Kommission dazu beitragen, Legitimität bzw. Fairness von Maßnahmen zu erhöhen und damit Verhaltensänderungen zu verstärken bzw. zu unterstützen?
Unsicherheitsgefühl und wenig Regierungsvertrauen in Deutschland
Die Befragung fand Mitte Mai 2026 statt. Insgesamt zeigt die Befragung, dass sich die Menschen angesichts des Irankriegs und der damit verbundenen Frage der Energieversorgung im täglichen Leben eher unsicher fühlen. Nur in Österreich fühlen sich 51 % der Befragten eher bis sehr sicher. Kein großes Unsicherheitsgefühl zeichnet auch die Befragten in den Niederlanden aus. Dort fühlen sich lediglich 24 % der Befragten eher bis sehr unsicher. In Deutschland fühlen sich 40 % eher unsicher bis sehr unsicher. 33 % unterfallen der Kategorie eher sicher bis sehr sicher. In Italien halten sich die Anteile der Befragten, die sich eher bis sehr sicher fühlen, annähernd die Waage. In Polen überwiegt die Unsicherheit (37 %), eher bis sehr sicher fühlen sich lediglich 31 %.
Der Grund für die etwas sperrig formulierte dritte Frage ergibt sich aus der aktuellen Bewertung des Vertrauens in die Regierung der jeweiligen Länder. Alle stecken in einer veritablen Vertrauenskrise. Auf einer Skala von 1 bis 7 liegt das Vertrauen der Befragten in Deutschland deutlich (3,12) und in Polen knapp (3,42) unter dem Durchschnitt. In Polen und Italien wird der Durchschnitt knapp erreicht (jeweils 3,51). Vertrauensspitzenreiter sind die Niederlande mit 3,72. Laut Nürnberg Institut für Marktentscheidungen ergibt sich ein positiver Zusammenhang zwischen Energiesicherheit und Vertrauen in die Regierung.
Differenziertes Bild bei energiepolitischen Maßnahmen
Bei der Frage, welche energiepolitischen Maßnahmen ihrer Regierung auf Unterstützung oder Ablehnung stoßen würden, zeigt sich ein differenziertes Bild. Wenig überraschend würde in allen Ländern die Vergünstigung von Energie in Zeiten von Energieüberschüssen die größte Zustimmung erhalten. Auf einer Skala von 1 bis 7 liegen die Werte zwischen 5,45 (Italien) und 5,20 (Deutschland). Auf dem zweiten Platz liegt jeweils in allen Ländern die Vergünstigung des öffentlichenPersonennahverkehrs (ÖPNV). Die Werte liegen bei 5,32 in Österreich und 4,97 in Polen.
Bei den weiteren Kategorien gehen die bevorzugten Maßnahmen deutlich auseinander. Abgefragt wurden die Einschränkung von Inlandsflügen, mehr Homeoffice und eine Wärmepumpen-Förderung sowie ein Tempolimit, das später noch gesondert betrachtet wird. Besonders stark befürworten österreichische Befragte die Einschränkung von Inlandsflügen (5,3 auf der Skala von 1 für starke Ablehnung bis 7 für starke Unterstützung), Gleiches gilt für die Niederlande (5,00). Auf dem dritten Platz der Maßnahmen liegt in Italien die Wärmepumpen-Förderung (5,23), während in Polen das Homeoffice bevorzugt wird (4,70).
Bei den genannten drei Themen zeigten sich die italienischen Befragten besonders der Einschränkung von Linienflügen gegenüber reservierter. Mit 4,43 weist der Wert aber tendenziell noch in Richtung „Unterstützung“. Mit Ausnahme von Italien stehen in jeweils allen anderen Ländern die Befragten der Wärmepumpen-Förderung als Regierungsmaßnahme reservierter gegenüber (Österreich 4,89, Niederlande 4,76, Polen 4,64, Deutschland 4,63).
Beim Tempolimit wurde nach einer Beschränkung der Geschwindigkeit auf Autobahnen auf 110 km/h gefragt. In jeweils allen Ländern erhält dieser Maßnahmenvorschlag die geringsten Zustimmungswerte. Anzumerken ist, dass der Wert in keinem Land unter den Median rutscht. Am positivsten stehen einem Tempolimit Italien (4,39) und die Niederlande (4,31) gegenüber. Es folgen Deutschland (4,02), Polen (3,96) und Österreich (3,77).
Ebenfalls abgefragt wurde eine 6-monatige versus 24-monatige Dauer der Maßnahmen. Auch dies zeigte keinen Effekt in den Befragungsergebnissen.
Fairness von Maßnahmen erhöht die Einsparbereitschaft
Wenn es um die Frage geht, ob Energieeinsparmaßnahmen auch zu Gewohnheitsänderungen beim Energiekonsum führen würden, antwortet eine Mehrheit in den jeweiligen Ländern mit „ja“. Auf der Skala von 1 für sehr unwahrscheinlich bis 7 für sehr wahrscheinlich führt Italien (4,72) vor Deutschland (4,32). Es folgen die Niederlande (4,20), Polen (4,19) und Österreich (4,07).
Das Nürnberg Institut für Marktentscheidungen kommentiert, dass die Bereitschaft zur Verhaltensänderung steigt, wenn eine Maßnahme als fair angesehen wird. Keinen wesentlichen Einfluss hat hingegen die Vorbildfunktion der Regierung. Wenn sie zuerst bei sich selbst sparen will, beeinflusst das die Bereitschaft der Haushalte zu Einsparungen nicht wesentlich.
Einfluss von Wissenschaft, Opposition und Europäischer Kommission
In einem weiteren Fragenkomplex wurde ermittelt, inwieweit die Unterstützung von Wissenschaft, Opposition und Europäischer Kommission dazu beitragen würde, die genannten Energiesparmaßnahmen zu legitimieren.
Das Nürnberg Institut für Marktentscheidungen kommt zu dem Schluss, dass in Deutschland und den meisten Ländern die Wissenschaft nicht statistisch signifikant legitimer wirkt als die Opposition oder die Europäische Kommission. Einzige Ausnahme ist Österreich, in dem die Wissenschaft (5,32 auf der Skala von 1 bis 7) eine deutlich höhere Wertschätzung genießt als Opposition (4,90) und Europäische Kommission (4,86).
Schlussfolgerungen mit Fokus auf Deutschland
Das Nürnberg Institut für Marktentscheidungen fasst die Befragung wie folgt zusammen: Es ist zu konstatieren, dass die gefühlte Energiesicherheit und das Regierungsvertrauen in Deutschland besonders gering sind.
Wenn Deutschland Energiesparmaßnahmen realisieren will, fänden die Abgabe günstiger Überschussenergie, ein vergünstigter ÖPNV sowie die Einschränkung von Inlandsflügen die höchste Zustimmung. Am unbeliebtesten wäre ein Tempolimit.
Legitimität und Fairness hängen positiv mit der Unterstützung von Maßnahmen zusammen. Ebenfalls positiv ist ihr Einfluss auf wahrscheinliche Verhaltensänderungen. Legitimität und Fairness lassen sich aber nicht experimentell durch Empfehlungen weiterer Instanzen oder die Vorbildfunktion der Regierung erhöhen. Insgesamt muss aber konstatiert werden, dass die Bereitschaft, das eigene Verhalten zu ändern, nur gering ist. Dazu sei das Vertrauen zu gering.
In Bezug auf demografische Faktoren kommt das Nürnberg Institut für Marktentscheidungen zu dem Ergebnis, dass ältere und weibliche Befragte aus urbaneren Gebieten eher bereit sind, Energiesparmaßnahmen zu unterstützen und ihr Verhalten zu ändern.
Weitere Informationen: nim.org