An drei Autokränen schwebend wird das Heißgasrohr millimetergenau in die Mannheimer Phosphor-Recycling-Anlage von MVV eingehoben

An drei Autokränen schwebend wird das Heißgasrohr millimetergenau in die Mannheimer Phosphor-Recycling-Anlage von MVV eingehoben (Quelle: MVV)

Dazu hob MVV Umwelt, Tochtergesellschaft des Mannheimer Energieunternehmens MVV Energie AG, mit drei Autokränen ein 130 t schweres Heißgasrohr zwischen dem mit Abfall befeuerten Kessel 6 des bestehenden Heizkraftwerks sowie der aktuell im Bau befindlichen Phosphor-Recycling-Anlage millimetergenau ein. Von den Kesseln 4 und 6 des Heizkraftwerks fließt künftig heißes Rauchgas aus der Abfallverwertung über Heißgasrohre in die Klärschlammanlage und beheizt mit einer Temperatur von rd. 1100 °C die Drehrohröfen. Im Gegenzug werden die in den Drehrohren der Phosphor-Recycling-Anlage entstehenden Verbrennungsgase über das Heißgasrohr in die Müllkessel zurückgeführt.

Innerhalb dieses Prozesses wird durch Anwendung eines patentierten Verfahrens der gesamte, im Klärschlamm enthaltene Phosphor in der entstehenden Asche bioverfügbar und kann so direkt von Pflanzen aufgenommen werden. Gleichzeitig wird ein Austrag aller relevanten Schadstoffe vorgenommen, die in der vorhandenen Rauchgasreinigungsanlage sicher abgeschieden werden. In Summe setzt der Prozess Energie frei, die den regenerativen Anteil der Strom- und Fernwärmeerzeugung steigert.

Energie und Wärme aus Klärschlamm

Die Phosphor-Recycling-Anlage kann künftig jährlich bis zu 135.000 t Klärschlamm verarbeiten und dabei 90 % des Phosphors zurückgewinnen, der sich als wertvoller Rohstoff in der Düngemittelproduktion nutzen lässt. Die Anlage vereint gleich mehrere Vorteile: Sie sorgt für eine ökologische Entsorgung des in der Region anfallenden kommunalen Klärschlamms und die Schonung des endlichen natürlichen Phosphor-Vorkommens. Und sie ermöglicht gleichzeitig eine klimaneutrale Energieerzeugung und damit einen weiteren Schritt auf dem Weg zur grünen Wärme. 

Bislang wird der im Abwasser enthaltene Klärschlamm in Deutschland in Kraftwerken mitverbrannt oder noch direkt als Dünger in der Landwirtschaft auf die Felder gebracht. Das wird jedoch in Zukunft stark eingeschränkt, da der Phosphor so verloren geht bzw. beim Einsatz in der Landwirtschaft die im Klärschlamm enthaltenen Schadstoffe die Böden und das Grundwasser belasten. Gleichzeitig stehen die Kommunen in der Pflicht, Phosphor umfassender als bisher in den Wirtschaftskreislauf zurückzuführen. Mit einem konsequenten Recycling aus dem Klärschlamm könnten allein in Baden-Württemberg rund die Hälfte der importierten Rohphosphate ersetzt werden.

EHP-Redaktion

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