Kollektorfeld und Energiezentrale

Bild 1. Ein einfaches Schema für ein komplexes Projekt, das wegen seines hohen solaren Deckungsgrades etliche Nachahmer finden könnte

Bild 1. Ein einfaches Schema für ein komplexes Projekt, das wegen seines hohen solaren Deckungsgrades etliche Nachahmer finden könnte (Quelle: Dr. Martin Frey)

Bild 2. Die Wärmeleitungen von Logstor Kingspan bringen die Energie von der Energiezentrale bis zu den Verbrauchern

Bild 2. Die Wärmeleitungen von Logstor Kingspan bringen die Energie von der Energiezentrale bis zu
den Verbrauchern (Quelle: Dr. Martin Frey)

Die 855 Viessmann-Kollektoren vom Typ Vitosol 100-F XF13 messen 6,00 m x 2,25 m, was eine Einzel-Bruttokollektorfläche von 13,5 m2 ergibt. Der Speicher wurde in [1] bereits ausgiebig beschrieben. Die beiden in der Energiezentrale in­stallierten Wärmepumpen von Carrier, Typ 61XW HHZE 05, jeweils mit einer Leistung von 600 kW, arbeiten mit dem Kältemittel R-1234ze und haben eine zulässige Maximaltemperatur von 110 °C.

Der Mawera-Kessel mit Abgasreinigungsanlage kann auch nassen und qualitativ geringwertigen Heckenschnitt verwerten. Ein Lager für die Holzhackschnitzel ermöglicht eine Bevorratung und ausreichende Trocknung des Materials. In der Energiezentrale befinden sich außerdem der Übergabepunkt an das Wärmenetz sowie zwei redundante Pumpen für dessen Versorgung. Auf dem Dach der Energiezentrale wurde eine Photovoltaikanlage mit einer Leistung von 57,6 kWp installiert, die dem Eigenverbrauch dient. Die Wärmeleitungen lieferte Logstor Kingspan (Bild 2).

Kosten minimiert

In aufwändigen Berechnungen wurde das optimale Verhältnis zwischen Komponentengröße und Kosten für die regenerative Wärmeversorgung ermittelt: Laut Professor Vajen wurden im Vorfeld mehrere zehntausend Simulationsrechnungen ausgeführt, um die ideale Systemkonfiguration zu erhalten. Die nun gefundene Lösung ermögliche es, dass aus der Erzeugung aller Wärmequellen von 5 600 MWh/a nach Abzug vor allem der Wärmeverluste des saisonalen Speichers 4 830 MWh/a Wärme durch das Fernwärmenetz geliefert werden können. Nach Abzug der Netzwärmeverluste ist zu erwarten, dass dann noch 4 200 MWh/a bei den Haushalten ankommen.

Genossenschaft ermöglichte Kosteneinsparungen

Die Organisation eines derart innovativen Vorhabens fiel in der Gemeinde Bracht mit der Gründung der Energiegenossenschaft auf einen fruchtbaren Boden: Zu Beginn fand sich ein Team aus 15 Bürgern zusammen, in dem jeder auf seine Weise besondere fachliche Fähigkeiten einbrachte. Hinzu kam, dass die Gruppe in die lokalen Vereine und andere Bereiche bestens vernetzt war. Die Genossen verband eine klare Vision, und sie hatten das Durchhaltevermögen, über die lange Planungsphase bis zur Realisierung zu gelangen. Von Anfang an brachten sie viel Eigenleistung ein. Schütze beziffert es auf rd. 30 000 Stunden, wodurch das Projekt etwa 250 000 bis 300 000 € günstiger zu realisieren war.

Vorbildcharakter

Ob Bracht auf viele weitere länd­liche Kommunen übertragbar ist, hängt nach Einschätzung der Projektbeteiligten (Bild 3) auch davon ab, ob die Förderung von 100 % regenerativ versorgten Dörfern erhöht werde oder dass zumindest die Kumulierbarkeit von Fördergeldern wiederhergestellt wird. Für das Projekt in Bracht durfte die Genossenschaft noch verschiedene Fördertöpfe gleichzeitig in Anspruch nehmen.

Derzeit erlaubt die Bundesförderung für effiziente Wärmenetze dies nicht mehr. In Amöneburg-Rüdigheim etwa, rd. 15 km östlich von Marburg gelegen, haben die Bürger stattdessen gleich ganz auf eine Bundesförderung verzichtet und im November 2025 mit dem Bau eines ähnlichen Projekts begonnen, das sogar ganz ohne Biomassenachheizung auskommen will. Möglich wird dies durch eine Unterstützung des Landes Hessen und der EU.

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