Die Anlagenkomponenten der Großwärmepumpe werden über Schienen millimetergenau ins Gebäude eingezogen (Quelle: Jannis Bach/Enercity)
„Innerhalb weniger Tage hat das Montageteam die bis zu 50 t schweren Einzelkomponenten vor der Halle zusammengefügt und sie über Schienen millimetergenau ins Gebäude eingezogen“, sagt Michael Hartung, Geschäftsführer der Enercity Contracting GmbH, die das Projekt verantwortet. „In den kommenden Wochen verbinden wir die Komponenten über mehrere hundert Meter Rohrleitungen – für Verdampfer, Kondensator und Klarwasserkreisläufe. Das ist Hochpräzisionsarbeit, um das Klarwasser aus dem Klärwerk für die Fernwärmeproduktion zu nutzen.“
Die Großwärmepumpe soll klimaneutrale Wärme für rechnerisch bis zu 13.000 Haushalte liefern. Dabei wird die Wärme aus gereinigtem Abwasser genutzt. Das städtische Klärwerk Hannover bietet ideale Voraussetzungen für den Einsatz der Technologie. Selbst im Winter liegt die Temperatur des gereinigten Klarwassers stabil bei etwa 12 bis 16 °C. Damit ist die Anlage als Mittellasterzeuger besonders wertvoll – genau in den Monaten, in denen die Fernwärmenachfrage dauerhaft hoch ist.
Schlüsselprojekt für die Wärmewende
Mit einer Jahreswärmeerzeugung von rd. 130 GWh deckt die Großwärmepumpe künftig etwa sieben bis acht Prozent des gesamten Fernwärmebedarfs Hannovers. Die Einbindung in das bestehende System ist vorbereitet: Strom und Fernwärmeanschlüsse sind im vergangenen Jahr hergestellt worden.
Die vollständige Montage der Anlage ist bis Ende 2026 vorgesehen, anschließend geht sie in den Regelbetrieb. Insgesamt investiert Enercity rd. 56 Mio. €, gefördert wird das Projekt durch einen Zuschuss in Höhe von 22,5 Mio. € durch die „Bundesförderung für effiziente Wärmenetze” (BEW).
Nächster Meilenstein auf dem Weg zur kohlefreien Fernwärme
Die Großwärmepumpe ist eine Anlage von mehreren, mit denen Enercity den Ersatz des Kohlekraftwerks in Stöcken vorantreibt. Zum dezentralen Mix aus verschiedenen Biomasseanlagen kommen mehrere Großwärmepumpen, Power-to-Heat-Anlagen sowie die erweiterte MVA-Wärmeauskopplung hinzu. Damit diversifiziert Enercity sein Erzeugungsportfolio weiter, um die Abhängigkeit von einzelnen Brennstoffen zu minimieren.
Bis Ende des Winters 2027/28 will Enercity das Kohlekraftwerk vollständig durch ein klimaneutrales Anlagenportfolio ersetzen. Parallel wächst das Fernwärmenetz erheblich: von heute rd. 360 km auf perspektivisch etwa 550 km. Bis 2040 will Enercity rd. 18.000 Gebäude in Hannover mit klimaneutraler Fernwärme versorgen – etwa viermal so viele wie heute.