Fakten statt Vermutungen

Bild 1. Durch PowerLahn gedeckter Jahresdurchgang für Wärme und Strom

Bild 1. Durch PowerLahn gedeckter Jahresdurchgang für Wärme und Strom (Quelle: SWG)

Bild 2. Direkt an der Lahn ist die neue Energiezentrale entstanden

Bild 2. Direkt an der Lahn ist die neue Energiezentrale entstanden (Quelle: SWG)

Das vorgezogene Ausschreibungsverfahren für die Wärmepumpen erwies sich nicht nur für die Planung, sondern auch für den Genehmigungsprozess als hilfreich. Tatsächlich verschaffte es den zuständigen Experten in den verschiedenen Behörden mehr Zeit. Denn um prüfen zu können, ob ein Projekt wie PowerLahn mit den gültigen Vorschriften vereinbar ist, müssen sie wissen, worum genau es geht und was die SWG vorhaben. Beispiel Wasserentnahme: Dieser Parameter hängt entscheidend von der verwendeten Technik ab. Erst als klar war, welcher Wärmepumpenhersteller den Zuschlag erhält, konnten konkrete Angaben dazu gemacht werden, wie viel Wasser aus der Lahn benötigt wird, um die darin enthaltene Wärme zu gewinnen. Gleiches gilt für die damit einhergehende Abkühlung des in die Wärmepumpen geleiteten Volumenstroms und die Art des Kältemittels, das in den Aggregaten zum Einsatz kommt. Hätten die SWG erst geplant und dann ausgeschrieben, wären einige Wochen für das Genehmigungsverfahren verloren gegangen.

Wichtig in diesem Zusammenhang: Um PowerLahn zu bauen und ans Netz zu bringen, brauchen die SWG positive Bescheide von nicht weniger als 24 Trägern öffentlicher Belange. Die meisten davon beschäftigen sich mit Umweltthematiken und sind als Dezernate beim Regierungspräsidium Gießen angesiedelt, aber auch beim Landkreis Gießen, der Stadt Gießen oder dem Lahn-Dill-Kreis. Überdies waren das Wasserstraßen- und Schifffahrtsamt Mosel-Saar-Lahn und zwei Telekommunikationsunternehmen in den Prozess involviert. Speziell die Parteien, von denen Genehmigungen für den Bau und letztlich den Betrieb der Wärmepumpen nötig waren, wurden ständig auf dem Laufenden gehalten. 

Mit dem Zuschlag für die Wärmepumpen standen einige genehmigungsrelevante Parameter fest – etwa das Kältemittel Ammoniak. Diese neuen Informationen – also im Grunde das Datenblatt der Wärmepumpen – wurden praktisch ohne Zeitversatz an die Behörden weitergegeben. Andere Erkenntnisse gewannen die SWG-Ingenieure erst im Laufe des Projekts und mit der Unterstützung des zwischenzeitlich engagierten Planungsbüros. Dessen Spezialisten ermittelten durch Berechnung bzw. mit verschiedenen Computersimulationen andere genehmigungsrelevante Größen. Dazu gehört z. B., dass die SWG der Lahn stündlich 1 300 m3 Wasser entnehmen und anschließend vollständig wieder einleiten. Obwohl die Wärmepumpen diesen Volumenstrom um 3 K abkühlen, entsteht kein hydraulischer Kurzschluss in Zonen oder Schichten. Weil sich der Zulauf aus der Energiezentrale optimal mit dem vorbeifließenden Wasser in der Lahn vermischt, gibt es keine kalten Zonen oder Schichten. Überdies fließt das Wasser mit gemäßigten 0,6 m/s zurück in den Fluss. Zu problematischen Querströmungen kommt es folglich nicht. Auch dieses Wissen wurde kurzfristig mit den Ansprechpartnern in den Behörden geteilt und sich mit ihnen dazu ausgetauscht. Die bautechnische Umsetzung zur Einhaltung der genehmigungsrelevanten Größen zeigt der Lageplan (Bild 3). 

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