Der Bau der Dampfturbinenumfahrung schreitet voran (Quelle: Jannis Bach/Enercity)
Die ersten Maßnahmen setzt EEW im Zuge der aktuell laufenden Revision der Anlage um. Zum zweiten Quartal 2027 sollen die Umbaumaßnahmen vollständig abgeschlossen sein. Die volle zusätzliche Fernwärmeleistung wird nach Abschluss der energetischen Optimierungsarbeiten für die Heizperiode 2027/2028 abrufbar sein.
Parallel dazu investiert Enercity in die Erweiterung der Leitungen, die Hannover-Lahe mit dem Fernwärmenetz Hannovers verbinden, um die höhere Leistung im weiteren Stadtgebiet verteilen zu können.
Leistungserhöhung von 50 auf bis zu 85 MW
Künftig kann die aus Abfällen der Region gewonnene Energie je nach Wärmebedarf flexibler genutzt werden. „Mit der energetischen Optimierung schaffen wir die technische Voraussetzung, künftig deutlich mehr Fernwärme aus derselben Abfallmenge bereitzustellen. Dafür umgehen wir die Turbine in bestimmten Betriebssituationen: Bei sehr hohem Fernwärmebedarf, insbesondere im Winter, können wir den Dampf vollständig für die Fernwärme auskoppeln. In anderen Fahrweisen bleibt der Betrieb in Kraft-Wärme-Kopplung mit anteiliger Stromerzeugung möglich. So reduzieren wir die Wärmeabgabe an die Umgebung und erhöhen die Effizienz der Anlage. Der Preis dafür ist eine geringere Stromproduktion bei höherer Fernwärmeauskopplung – unterm Strich gewinnen wir aber deutlich mehr nutzbare Energie für Hannover“, erklärt Dr.-Ing. Malte Bieber, technischer Projektleiter energetische Optimierung des EEW-Standorts Hannover.
Anfang 2025 hatten Enercity und EEW vereinbart, die Potenziale der bestehenden thermischen Abfallverwertungsanlage gemeinsam weiter auszubauen und langfristig für Fernwärme- und Stromerzeugung in Hannover zu nutzen. Die maximale Wärmeerzeugung der Anlage wird durch eine neue Dampfturbinenumfahrung von 50 auf insgesamt bis zu 85 MW erhöht.
Flexible Nutzung
„Die Erweiterung der Wärmeauskopplung aus der Abfallverwertung ist ein wichtiger Schritt auf dem Weg zur grünen Fernwärme. Bestehende Abwärmequellen zu nutzen, ist für die Wärmewende sinnvoll, weil vorhandene Infrastruktur und bestehende Wärmepotenziale besser genutzt werden. Die gute Zusammenarbeit in dem Projekt macht es darüber hinaus möglich, schon im nächsten Jahr mehr Abwärme in das Stadtnetz einzuspeisen oder durch intelligenten Einsatz der Kraft-Wärme-Kopplung effizient Strom zu erzeugen“, sagt Dr. Conrad Zimmermann, Assetmanager Thermische Erzeugung und Fernwärme bei Enercity.
Enercity nutzt die optimierte Anlage künftig als weiteren flexiblen Baustein seines breit aufgestellten Portfolios aus Strom- und Wärmeerzeugung, mit dem das Unternehmen seit Jahren am Energiehandelsmarkt aktiv ist. Die Anlage eröffnet zusätzliche Möglichkeiten für Sektorenkopplung und einen intelligenten, marktorientierten Einsatz: Je nach Bedarf und Marktsituation kann Enercity entscheiden, ob mehr Wärme oder mehr Strom erzeugt wird.