Die neue Pelletheizzentrale hat offiziell den Betrieb aufgenommen und versorgt das Schulzentrum sowie das neue Campusgebäude Beruflicher Schulen (Quelle: Stadtwerke Tübingen)
Die moderne Wärmeinsel kam schneller als geplant. Ursprünglich sollten die Stadtwerke die Wärmeversorgung der Liegenschaften von Landkreis und Handwerkskammer erst ab 2030 übernehmen. Das neue Campusgebäude der Beruflichen Schulen (CBS) sollte schon früher angeschlossen werden, um weitere Investitionen in die bestehende Wärmeversorgung zu vermeiden. Im April 2025 hatte dann der Landkreis die vorzeitige Übernahme der bestehenden Wärmeinfrastruktur angefordert. In Abstimmung mit den Planern der swt wurde damit der Weg freigemacht für den nötigen Rückbau der alten Holzhackschnitzel-Heizzentrale, um dort die Außenanlagen des CBS fertigstellen zu können.
Alte Wärmeversorgung innerhalb eines Jahres ersetzt
Die swt übernahmen deshalb im Frühsommer 2025 die bestehende Heizzentrale mit Heizkessel, Blockheizkraftwerk und Wärmenetz. Damit sicherten sie die Wärmeversorgung während der Übergangsphase bis zur Fertigstellung der neuen Pelletheizzentrale. Gleichzeitig stand von Beginn an das Ziel, die bisherige Versorgungsinfrastruktur möglichst schnell durch eine moderne und regenerative Heizzentrale zu ersetzen.
Nur rund ein Jahr später haben die Stadtwerke den Neubau abgeschlossen. Die neue Heizzentrale der Wärmeinsel besteht aus acht Containern. In ihren drei Heizkesseln verarbeitet die Anlage jährlich rd. 800 t Holzpellets. Die thermische Leistung beträgt 900 kW, die jährliche Wärmeerzeugung liegt bei rd. 3.600 MWh. Die eingesetzten Pellets bestehen aus Holzabfällen und Holzresten. Errichtet wurde die Anlage von der Gühring Energie GmbH aus Rottenburg auf einer von der Universitätsstadt Tübingen gepachteten Fläche. Die Investitionssumme beträgt 950.000 €. Die Pelletheizzentrale wird vom Bundesamt für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle im Rahmen des Förderprogramms Bundesförderung effiziente Wärmenetze zu 40 Prozent gefördert.
Die neue Pelletheizzentrale versorgt eine ganze Reihe von Schulen, Hallen und Wohngebäuden. Für den Landkreis: die Gewerbliche Schulen, Wilhelm-Schickard-Schule, Mathilde-Weber-Schule, Kreissporthalle und das neue Campusgebäude der Beruflichen Schulen. Auch das städtische Gebäude Französische Schule Tal (bereits seit Juni 2025 integriert) ist mit angeschlossen. Und für die Handwerkskammer Reutlingen wird die Bildungsakademie BTZ sowie das Gästehaus/Wohnheim mit Wärme aus der neuen Heizzentrale beheizt.
Wärme auf regenerativer Basis
Landrat Dr. Hendrik Bednarz sagt: „Eine moderne Energieversorgung passt zu unserem zukunftsfähigen Campus in Tübingen-Derendingen. Mit der neuen Pelletheizzentrale der Stadtwerke Tübingen sind erhebliche Einsparungen von Energie und CO2-Emissionen möglich. Das ist ein starker Beitrag zum Klimaschutz, in den der Landkreis Tübingen auf der Grundlage des vom Bund zur Verfügung gestellten Sondervermögens in den kommenden Jahren auch weiter investieren wird – u.a. soll das Dach des Landratsamts eine leistungsstarke Photovoltaikanlage erhalten“
„Die neue Pelletheizzentrale ist ein wichtiger Beitrag zu einer verlässlichen und zugleich zukunftsfähigeren Wärmeversorgung für einen der großen Bildungsstandorte in Tübingen“, sagt Bürgermeisterin Dr. Gundula Schäfer-Vogel. „Dort, wo viele junge Menschen lernen und sich auf ihren beruflichen Weg vorbereiten, wird sichtbar, dass Klimaschutz, Bildung und kommunale Verantwortung zusammengehören. Mein Dank gilt den Stadtwerken Tübingen, dem Landkreis und der Handwerkskammer für die gute Zusammenarbeit bei diesem wichtigen Projekt.“
Hanno Brühl, Prokurist und Bereichsleiter Energie und Innovation bei den Stadtwerken, sagt: „Mit der Pelletheizzentrale können wir schon jetzt wichtige Einrichtungen und Kunden in Derendingen mit nachhaltiger Wärme versorgen. Noch bevor unsere geplante Abwasserwärmepumpe erneuerbare Wärme fürs Netz liefert. Das freut mich sehr.“
Netzausbau und neue Anlagen
100 m Wärmeleitung hatten die Stadtwerke in Derendingen vom Landkreis übernommen. 2024 und 2025 haben die swt weitere 800 Trassenmeter gebaut und 17 neue Hausanschlüsse hergestellt. Gleichzeitig entsteht die Infrastruktur, um nach dem Netzausbau auch zusätzliche Gebäude und Kunden in angrenzenden Querstraßen an das Fernwärmenetz anschließen zu können. 2027 soll die Wärmeinsel an das Fernwärmebestandsnetz der Südstadt angeschlossen werden.
Dieser Netzausbau schafft die Voraussetzungen dafür, dass künftig deutlich größere Mengen erneuerbarer Fernwärme zu den angeschlossenen Gebäuden transportiert werden können. Allen angeschlossenen Gebäuden steht dadurch künftig auch regenerativ erzeugte Wärme aus dem Solarthermiepark Au zur Verfügung. Perspektivisch soll ab 2030 zudem ein hoher Anteil der Wärme aus der geplanten Abwasserwärmepumpe an der Kläranlage kommen. Zudem wird dann der Bereich Mühlbachäcker über die neue Leitungsachse mit Fernwärme erschlossen.