Offizieller Startschuss für das Heizwerk Memmingen-Benningen (v. l.): Markus Schmidt, Beirat GT Hub, Andreas Müller, Geschäftsführer Alois Müller Gruppe, Projektleiter Enrico Lagoda und Vorstand Peter Waizenegger, beide E-Con, Bundeswirtschafts- und energieministerin Katherina Reiche, Benningens Bürgermeister Martin Osterrieder, die Abgeordneten Klaus Holetschek (Landtag) und Forian Dorn (Bundestag) sowie Memmingens Oberbürgermeister Jan Rothenbacher (Quelle: Ingo Jensen/E-Con)
„Das Fernwärmenetz und das Heizwerk Memmingen-Benningen stehen prototypisch dafür, wie in Deutschland die Wärmewende gelingen kann. Sie sind ein Musterbeispiel dafür, wie technologieoffene Fernwärmenetze mit durchdachten Konzepten regional wirtschaftlich umgesetzt werden können. Dazu möchte ich allen Beteiligten sehr herzlich gratulieren“, so die Bundeswirtschafts- und Energieministerin bei ihrer Ansprache.
Mit einer Endausbauleistung von 50 MW versorgt das Wärmenetz Memmingen-Benningen künftig Privathaushalte ebenso wie Industrie- und Gewerbebetriebe sowie kommunale Einrichtungen zuverlässig mit regenerativer Wärme. In der jetzt abgeschlossenen ersten Ausbaustufe liegt die jährliche Wärmeerzeugung bei 30 GWh. Durch die Nutzung regenerativer Energien können jährlich 2,5 Mio. m3 Erdgas und rd. 6.000 t CO2 eingespart werden.
Die zentrale Einheit im Heizwerk ist ein 13 m hoher Hackschnitzelkessel mit einer Leistung von 5.000 kW. Weitere 1.500 kW kommen künftig von einer Großwärmepumpe, weitere 1.000 kW über eine Power-to-Heat-Anlage. Ein Elektrokessel wandelt dabei Strom in nutzbare Wärme um. Der dafür benötigte Strom wird regenerativ erzeugt, er kommt direkt vom großen Solarpark am Flughafen Memmingen. Dieser hat aktuell eine Leistung von rd. 25 MW, soll künftig erweitert werden und Batteriespeicher erhalten. Im Zuge des Ausbaus der Wärmeerzeugung im Heizwerk ist die Installation weiterer Großwärmepumpen vorgesehen.
Netzausbau und 4-Leiter-Wärmenetz
Während das Heizwerk Memmingen nach zweijähriger Bauzeit fertiggestellt wurde, steht der Ausbau der Netzinfrastruktur weiterhin im Mittelpunkt der kommenden Jahre. Ziel ist es, das Wärmenetz Schritt für Schritt zu erweitern und die klimaschonende Wärmeversorgung für immer mehr Haushalte, Unternehmen und kommunale Einrichtungen zugänglich zu machen. In den ersten beiden Bauabschnitten wurden bereits 4 km Trassen verlegt. Für dieses Jahr sind weitere 1,8 km geplant.
Für die An- und Einbindung von Gewerbekunden hat E-Con mit dem Konzept eines 4-Leiter-Wärmenetzes die technische Grundlage für eine innovative und effiziente Nutzung industrieller Abwärme geschaffen. Dazu wird in einer Leitung Wasser mit einer Grundtemperatur von rund 10 °C zu den angeschlossenen Unternehmen geführt. Dort wird es – unabhängig vom jeweiligen Temperaturniveau der Prozesse – durch die in der Produktion anfallende industrielle Abwärme erwärmt. Das erwärmte Wasser fließt über eine zweite Leitung zurück zum Heizwerk Memmingen-Benningen. Dort wird die enthaltene Abwärme mit Großwärmepumpen auf das für das Fernwärmenetz erforderliche Temperaturniveau angehoben.