Kommunales Restabfall- und Sperrmüllaufkommen 2010 bis 2014 in Dresden (Quelle: Trend-Research 2026)
Intecus-Geschäftsführer Jörg Wagner und Professor Dr. Michael Beckmann, Direktor des Instituts für Verfahrenstechnik und Umwelttechnik an der Technischen Universität Dresden, präsentierten ihre Zahlen und Analysen im Rahmen eines Pressegesprächs. Beckmann betonte die Unabdingbarkeit der thermischen Abfallbehandlung für Kreislaufwirtschaft und Energiewende.
Mit diesen Anlagen ließen sich Wertstoffe wie Metalle und mineralische Stoffe kostenschonend und effektiv aus dem Abfall gewinnen und in den Stoffkreislauf zurückführen. Gleichzeitig seien sie unersetzlich, um umweltgefährdende Abfallbestandteile wie PFAS zu zerstören und sicher auszuschleusen. Die bei der thermischen Behandlung freigesetzte Energie könne effizient für Fernwärme, Strom oder Prozessenergie genutzt werden. Damit übernehme die Technologie eine Schlüsselrolle als Bindeglied zwischen Stoffkreislauf und Energieversorgung.
In Zukunft schaffe sie über die CO2-Abscheidung die Basis dafür, Kohlenstoffkreisläufe weiter zu schließen und fossile Kohlenstoffquellen wie Erdöl zu ersetzen. Sowohl heute als auch in der Zukunft führt eine auf Fakten basierte Betrachtung zu dem Ergebnis, dass eine leistungsfähige Kreislaufwirtschaft sowohl hochwertiges Recycling als auch eine sichere thermische Behandlung der verbleibenden Reststoffe benötigt.
Verwertung und Nutzung des Abfalls
Nach einer Auswertung offizieller Statistiken durch die Intecus GmbH Abfallwirtschaft und umweltintegratives Management aus Dresden sind 2024 in Sachsen 1,27 Mio. t an Abfällen für die thermische Behandlung angefallen. Davon sind allein bis zu 300.000 t gewerblicher Abfälle dem Ballungsraum Dresden zuzuordnen. Aufgrund fehlender Kapazitäten im Freistaat mussten Intecus zufolge mindestens 915.000 t außerhalb Sachsens verwertet werden. Dies widerspricht dem im Kreislaufwirtschaftsplan Sachsen 2023 festgehaltenen „Nähe-Prinzip“ für die Behandlung von Abfällen.
Sachsen-Energie befindet sich aktuell im Genehmigungsverfahren für Ring30. Die Anlage wird mit einer Regelkapazität von jährlich rund 145.000 t betrieben und ist für kommunale Restabfälle, Sperrmüll sowie geeignete gewerbliche und industrielle Reststoffe aus dem Ballungsraum Dresden ausgelegt. Rund 80.000 t pro Jahr stammen aus kommunalen Dresdner Stoffströmen und sichern 55 % der Anlagenauslastung langfristig ab. Die verbleibende Kapazität von 65.000 t pro Jahr steht gewerblichen und industriellen Stoffströmen zur Verfügung, die ebenfalls einer thermischen Behandlung bedürfen. Marktanalysen und Entsorgungsdaten zeigen, dass im Ballungsraum Dresden deutlich mehr Reststoffe anfallen, als durch Ring30 aufgenommen werden können. Die Anlage deckt somit lediglich einen Teil des bereits heute vorhandenen regionalen Entsorgungsbedarfs ab.
Einer aktuellen Analyse des Instituts Trend-Research aus Bremen zufolge sind die Mengen kommunaler Abfälle (Rest- und Sperrmüll) in Dresden seit über 15 Jahren stabil geblieben. Das Pro-Kopf-Aufkommen in der Landeshauptstadt Dresden ist im Bundesdurchschnitt sehr gering und beläuft sich auf 144 kg/Einwohner. Im Vergleich zu anderen Bundesländern und dem Bundesdurchschnitt sind Sachsen sowie Dresden neben Baden-Württemberg damit Vorreiter auf Basis insbesondere der etablierten Vorsortierung direkt beim Abfallerzeuger.
Hieraus folgt für die Zukunft ein sehr begrenztes weiteres Pro-Kopf-Reduzierungspotenzial für Restabfälle, vor allem in Dresden vor dem Hintergrund der hier erwarteten Bevölkerungs- und Wirtschaftsentwicklung sowie im Zusammenhang mit Veränderungen in der Sozialstruktur. Von Trend-Research mit 200 Prämissen erarbeitete Szenarien zeigen, dass auch im optimistischsten „Reduktions-Szenario“ in 2050 trotz u.a. höherer Recyclingquoten und Abfallvermeidungsmaßnahmen noch von rund 75 % des heutigen Abfallaufkommens auszugehen ist.
Dekarbonisierung der Fernwärme
Ring30 ersetzt Erdgasimporte in Höhe von 16 % für die Dresdner Fernwärmeerzeugung. „Das Vorhaben ist die kostenschonendste Technologie zur gesetzlich vorgeschrieben Ergrünung der Fernwärme und somit ganz im Sinne der Fernwärmebezieher in der Landeshauptstadt“, so Dr. Axel Cunow, Finanzvorstand der Sachsen-Energie. Sollte Dresden das 2030er Ziel langfristig verfehlen, würde die Stadt für die Vergabe von Fördermitteln bei weiteren Dekarbonisierungsprojekten ausgeschlossen.
Indem jedoch die bei der Verbrennung des Mülls unvermeidbar anfallende Abwärme vor Ort in Strom und Fernwärme umgewandelt wird, trägt die Anlage mit über 50 % dazu bei, das für Dresden gesetzlich festgelegte Dekarbonisierungsziel bis 2030 zu erreichen. „Neben Emissionen im Ferntransport reduziert Ring30 die CO2-Emissionen im Vergleich zur aktuellen Entsorgungssituation und fossilen Wärmeerzeugung jährlich um rund 120.000 t. Die Wärme wird gesetzlich bereits heute zu 100 % den erneuerbaren Energien gleichgestellt. Darüber hinaus wird der Anteil Kohlenstoff biogenen Ursprungs im Restabfall durch gesetzliche Vorgaben bei der Ergrünung von Produkten bis 2045 über die derzeitigen 60 % hinaus weiter steigen“, so Cunow.